Von Buschpilotinnen bis Regierungs-Sprecherinnen: Die zehn besten Frauenfiguren in TV-Serien

In vielen Fernsehserien stehen Frauen auch heute noch eher im Hintergrund. Abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen, die die vorwiegend weibliche Besetzung bereits im Titel plakativ vor sich her tragen („Desperate Housewives“, „Girls“), sind die meisten Hauptrollen immer noch mit Männern besetzt. Aber oft sind es gerade die auf den ersten Blick eher unscheinbaren „Frauen in der zweiten Reihe“, die den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen. Eine völlig subjektive Liste der interessantesten, sympathischsten, bestgeschriebenen Frauenfiguren der (jüngeren) Seriengeschichte – garantiert ohne Carmela Soprano.

Die beste Pilotin in der Galactica-Flotte: Kara „Starbuck“ Thrace (Katee Sackhoff); Foto: SyFy

Lt. Kara „Starbuck“ Thrace (Katee Sackhoff) – „Battlestar Galactica“: Die Neubesetzung des klassischen Machos Starbuck aus der 70er-Jahre-Serie mit einer Frau war der wohl gewagteste Casting-Coup bei Ronald D. Moores Neuinterpretation – und er ging voll auf. Kara Thrace vereint die wichtigsten Charakterzüge der Originalfigur mit ganz neuen Seiten und zeigt nicht nur ihren meist männlichen Kollegen unter den Viper-Piloten, sondern auch Dirk Benedict, wer wirklich die Hosen an hat.

Captain Sisko nennt sie nur „Alter Mann“: Jadzia Dax (Terry Farrell) von der Raumstation DS9; Foto: Paramount

Lt. Cmd. Jadzia Dax (Terry Farrell) – „Star Trek: Deep Space Nine“: Die vielleicht interessanteste Figur unter der ohnehin schillernden Besatzung der Raumstation DS9 profitiert von den Erfahrungen aus mehr als 100 Jahren gelebtem Leben ihrer Vorgänger als Wirte des Dax-Symbionten. Dabei trägt sie diese nicht immer ganz leichte Last mit augenzwinkender (Selbst-)Ironie und verdreht mit ihrer Mischung aus kühler Wissenschaftlerin und leidenschaftlicher, auch gerne mal über die Stränge schlagender Kartenspielerin und Abenteurerin nicht nur dem Klingonen Worf und dem sonst so großmäuligen Dr. Bashir den Kopf.

Selbstbestimmtes Leben in Alaska: die Pilotin Maggie O’Connell (Janine Turner); Foto: Universal TV

Margaret „Maggie“ O’Connell (Janine Turner) – „Northern Exposure“: Die burschikose Buschpilotin in Alaska, die sich fünfeinhalb Staffeln lang ausufernde Wortgefechte mit dem zugezogenen Dr. Joel Fleischman liefert, ist Feministin und Emanze, aber alles andere als ein „Tomboy“ (was ihr ihr eigenes jüngeres Ich bei einer surrealen Wiederbegegnung vorwirft). Sie liebt das Rumschrauben an ihrer Maschine ebenso wie ein heftiges Luftloch und beendet einen Streit in der Regel erst, wenn sie das letzte Wort hatte. Wenn wir jemals eine Nacht mit ihr in einer eingeschneiten Berghütte festsäßen, würden wir sie wie Dr. Fleischman garantiert nie Maggie nennen, sondern immer nur in einer Mischung aus Respekt und Zuneigung O’Connell.

Das Model (mal ohne den Schnüffler): Maddie Hayes (Cybill Sheperd); Foto: ABC

Madeleine „Maddie“ Hayes (Cybill Sheperd) – „Moonlighting“: Sie mag ein elegantes Ex-Model und eine wohlhabende Geschäftsfrau sein, die gerne auf großem Fuß lebt, aber im Herzen ist sie eine Abenteurerin, die sich nur zu bereitwilig ins Leben als private eye stürzt. Nur an der Oberfläche, um sich vor dem Ruin zu retten oder anderen Menschen zu helfen, aber in Wahrheit, weil sie Verfolgungsjagden und ganz allgemein die Gefahr liebt wie kaum etwas anderes.

Braucht sich vor George Clooney nicht zu verstecken: Dr. Susan Lewis (Sherry Springfield); Foto: Warner Bros. TV

Dr. Susan Lewis (Sherry Springfield) – „ER“: Etwas im Schatten der „großen“ männlichen Notaufnahmeärzte wie George Clooneys Dr. Ross und Anthony Edwards‘ Dr. Greene, ist Susan Lewis in den ersten drei Staffeln das eigentliche Herz des Emergency Room. An ihrer fachlichen Kompetenz zweifeln zwar manchmal ihre Vorgesetzten und insbesondere die Oberärztin Kerry Weaver macht ihr das Leben schwer, aber in Wahrheit ist sie eine mindestens so gute Ärztin wie ihre männlichen Kollegen. Mit entwaffnendem Lachen lanciert sie sich durch ihr gleichermaßen kompliziertes Berufs- und Privatleben, wobei ihre (platonische) Beziehung zu Mark Greene immer noch eine der rührendsten Liebesgeschichten des US-Fernsehens ist.

Den ER fest im Griff: Schwester Carol Hathaway (Julianna Margulies); Foto: Warner Bros. TV

Carol Hathaway (Julianna Margulies) – „ER“: Die Stationsschwester hat die Organisation der Notaufnahme fest im Griff, weiß oft mehr als alle Ärzte und zeigt mit viel Charme und Einfühlungsvermögen, wie man den stressigen Alltag als Pflegerin in einem Großstadtkrankenhaus mit erhobenem Haupt und Menschlichkeit bewältigt. Dr. Ross kann sich glücklich schätzen, dass er sie schließlich nach fünf Staffeln doch noch von seinen Qualitäten überzeugen konnte.

Die richtige Mischung aus Härte und Einfühlung: Officer Faith Yokas (Molly Price); Foto: NBC/James Sorensen

Faith Yokas (Molly Price) – „Third Watch“: Die New Yorker Streifenpolizistin behauptet sich ohne Probleme in einer Männerwelt und erträgt ihren arroganten Partner „Bosco“ mit einer Mischung aus mütterlichem Ignorieren und freundschaftlichem Zurechtweisen. Eine durch und durch glaubwürdige, ebenso starke wie – vor allem in ihrem Familienleben – verletzliche Frauenfigur aus einer Zeit, als das US-Networkfernsehen noch nicht ausschließlich auf Schauspielerinnen mit „Idealmaßen“ festgenagelt war.

Sorkins beste Frauenfigur: C.J. Cregg (Allison Janney); Foto: Warner Bros. TV

Claudia Jean „C.J. “ Cregg (Allison Janney) – „The West Wing“: Dem oft als mysogyn verschrienen Aaron Sorkin gelang hier eine der stärksten Frauenfiguren der vergangenen 15 Jahre: Die ebenso toughe wie charmante Regierungssprecherin, die ihre überwiegend männlichen Kollegen im inneren Zirkel um den US-Präsidenten schon rein körperlich um einen Kopf überragt, hat ihren Reporterraum immer fest im Griff, tanzt aber auch den „Rascal“ wie keine Andere. Als Präsident Bartlet seinen scheidenden Stabschef Leo McGarry bittet, ihm eine Liste möglicher Nachfolger vorzulegen, sagt der völlig zu Recht: „Nur ein Name“.

Die Aufs und Abs der Adoleszenz: Claire Fisher (Laura Ambrose); Foto: Warner Bros. TV

Claire Fisher (Laura Ambrose) – „Six Feet Under“: Die vielleicht bestgeschriebene Teenagerfigur in einer Fernsehserie: Stellvertretend für alle Zuschauer durchlebt und -leidet der jüngste Spross der Bestatterfamilie Fisher die Höhen und vor allem Tiefen der Adoleszenz – von Drogenmissbrauch bis zu fragwürdigen Männern. Ihre Suche nach einem befriedigenden Beruf führt sie von der Kunsthochschule über einen langweiligen Bürojob schließlich nach New York – the sky is the limit.

Die Plastiktierflüsterin: Jaye Tyler (Caroline Dhavernas); Foto: Warner Bros. TV

Jaye Tyler (Caroline Dhavernas) – „Wonderfalls“: Stellvertretend für viele schillernde Frauenfiguren in den Serien von Bryan Fuller die vielleicht schrägste (knapp gefolgt von Georgia Less): Die Absolventin der Philosophie arbeitet in ihrer Heimatstadt als Souvernierverkäuferin an den Niagarafällen, lebt in einem Trailer Park und hat alle Ambitionen längst aufgegeben – als eines Tages die Tiere anfangen, mit ihr zu sprechen, seien sie aus Stoff oder Plastik. Mit Witz, Würde und oft schlechter Laune beweist Jaye, dass es wichtiger ist, einen eigenen Kopf zu haben als einen angesehenen Job.

15 comments

  1. Ich ergänze mal:
    – Gemma Teller Morrow (Katey Sagel) in SONS OF ANARCHY!
    – Claudette Wyms (CCH Punder) in THE SHIELD
    – Natürlich Violet Crawley (Maggie Smith) in DOWNTON ABBEY
    – Dana Scully (Gillian Anderson) sollten wir auch nicht vergessen, auch wenn die X-FILES am Ende etwas verpufft sind
    – Klar: Liz Lemon (Tina Fey) in 30 ROCK
    – und auch natürlich Patty Hewes (Glen Close) in DAMAGES

    1. „Damages“ fand ich langweilig, „30 Rock“ unlustig. Erstere drei Serien habe ich nicht gesehen (oder von DA nur die erste Folge), kenne aber zumindest CCH Powder aus ER ;). Scully – ach ja, etwas klischeehaft war diese Figur schon, ich steh aber auch nicht auf so einen unterkühlten Charme :). (Marcus)

      1. Reden wir von den Figuren oder den Serien? 😉 Nein, klar. Muss beides stimmen. Sehe das naturgemäß auch etwas anders als du. Ich würde aber definitiv widersprechen, wenn du sagst, dass die Scully 1993 eine klischeehafte TV-Frauenfigur war. Cool, abgeklärt, klug, karriereorientiert und wenig „emotional“, das würde ich als relativ weit vorne sehen, was den „Gender“-Diskurs angeht.

      2. Marcus, du fandest 30 Rock unlustig? Hast du die dritte Staffel gesehen? Das kann nicht sein.
        Ich ergäntze Peggy Olsen aus Mad Men, Max Black aus 2 Broke Girls und hätte mich bei Six Feed Under für Ruth entschieden.

        1. Nein, ich hab von „30 Rock“ damals nur die ersten vllt. zehn Folgen bei ZDF_neo gesehen (und das Argument, dass man Sitcoms nicht auf Deutsch gucken kann, lasse ich nicht gelten, da ich sowohl „Friends“ als auch „New Girl“ auf Deutsch genauso lustig fand/finde wie im Original). Ja, Ruth ist auch super, aber Claire war mir einfach vom Erfahrungshorizont her näher. Wenn ich SFU in 15 Jahren zum dritten Mal gucke, hat sich das aber schon entsprechend verschoben ;).

  2. Der “jüngeren” Fernsehgeschichte, und dann gräbst du DAS MODEL UND DER SCHNÜFFLER aus, wo Bruce Willis noch Haare auf’m Kopp hatte? Und wenn überhaupt, dann doch bitte Allyce Beasley (trotz ihrer fürchterlichen Synchronstimme) und nicht ausgerechnet Cybill Shepherd! Da passt man mal ‘nen Moment nicht aus, weil man den Podcast zusammen schneidet, und dann passiert sowas 🙂

    Äh… aber wo wir schon dabei sind – wenn ihr euch für Frauenfiguren aussprecht, wie könnt ihr es dann wagen GAME OF THRONES unerwähnt zu lassen? Da ist eine Frauenrolle großartiger als die andere, Cersei, Arya, Catelyn, Brienne, die Queen of Thorns, Ygritte, Margaery, Daenerys… so ein Spitzenensemble an tollen Frauenrollen schafft keine Arztserie!

    Oder Portia de Rossi, direkt aus der Hölle, aber mit eigenem Charme, egal ob wahlweise in ARRESTED DEVELOPMENT oder BETTER OF TED?

    Betsy Brandt in BREAKING BAD oder jetzt als Ehefrau in der MICHAEL J. FOX Show?

    Khandi Alexander und Kim Dickens in TREME?

    Connie Nielsen in BOSS!

    Clea DuVall in CARNIVÀLE!

    Kristen Schaal in FLIGHT OF THE CONCHORDS oder Inge und Renate aus GÖTTER WIE WIR! Ok, jetzt wird’s grenzwertig, hab’ eh bestimmt die (bessere) Hälfte vergessen und es ist eh Zeit für’n Feierabendbier. Prost, Kollegen 😉

    1. Naja, 80er Jahre würde ich schon noch zur jüngeren Seriengeschichte zählen oder wie ist das in der Geschichtswissenschaft? Da wär’s wohl schon jüngste.

      GoT hält mein Freund Olaf für die Serie mit dem fragwürdigsten Frauenbild, was soll ich dazu noch sagen. Höchstens, dass Daenerys eine total absurde Figur ist – und diese Lena Headley-Figur ist doch auch ein wandelndes Klischee, da fand ich Sarah Connor aber noch besser. ER hat mMn das beste Frauenensemble überhaupt, ich hätte fast noch eine dritte Figur mit rein genommen.

      Von den anderen Minderheitenserien habe ich fast nichts gesehen (außer „Carnivàle“) ;).

      Außerdem: Leute, es steht fett drüber: „völlig subjektive Liste“; wenn euch mein Frauengeschmack nicht gefällt, ist das doch nicht mein Problem :).

  3. Warum nicht Birgitte Nyborg oder die Journalistin Katrine aus Borgen? Für mich zwei interessante, starke Frauen in einer fantastischen Serie!

    1. Ja, Birgitte Nyborg gehört eigentlich auf die Liste. Das dachte ich auch schon, nachdem ich neulich noch mal die ersten beiden Staffeln gesehen habe.

    1. Bei den Sopranos gingen mir eigentlich fast alle Familienmitglieder auf die Nerven, am wenigsten noch Meadow. 🙂
      Jackie müsste eigentlich rein, ich hab aber von der Serie ehrlich gesagt nur die erste Staffel gesehen. Inzwischen würde ich die Liste aber sicher auch anders schreiben als damals.

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