Die Angst des weißen Mannes: John Wells‘ Kino-Regiedebüt „Company Men“

Verunsicherte Männer in Zeiten der Wirtschaftskrise: McClary (Tommy Lee Jones) und Walker (Ben Affleck); Foto: Universum

Der Hollywood-Film zur Finanzkrise: Bobby Walker, tougher Vertriebsleiter der Schiffbausparte eines Großkonzerns, wird nach zwölf Jahren überraschend Opfer des Personalabbaus. Anfangs davon überzeugt, schon bald einen gleichwertigen Job zu finden, muss er mit der Zeit feststellen, dass im rezessionsgeplagten Amerika niemand auf ihn gewartet hat. Während er nach und nach Lebensstandard und Selbstvertrauen verliert, kämpft sein Ex-Abteilungsleiter McClary weiter darum, möglichst viele Stellen zu sichern. Vergebens: Schließlich wird er selbst entlassen, ebenso ein weiterer älterer leitender Manager.

Der Film schildert präzise, welche ökonomischen und vor allem psychischen Folgen die rücksichtslose, allein am Shareholder Value orientierte Personalpolitik großer Aktiengesellschaften für die Betroffenen hat. Deren Strategien sind dabei durchaus unterschiedlich: Während Walker schließlich bei der Baufirma seines verhassten Schwagers als Arbeiter anheuert, will McClary eine stillgelegte Werft wieder aufbauen – der dritte Manager gibt sich völlig auf. Die Geschichte mag manchmal etwas zu simpel und mit Durchhalteparolen durchsetzt sein, allein dass sich das US-Mainstreamkino überhaupt in so ernsthafter Form mit aktuellen wirtschaftspolitischen Problemen auseinandersetzt, ist jedoch bemerkenswert. Die Schlüsselszene kurz vor Schluss erinnert dabei an eine ähnliche Szene in der zweiten Staffel von „The Wire“: McClary zeigt Walker die verlassene Werft, die er einst mit aufgebaut hat und erinnert ihn daran, dass hier früher Tausende Menschen mit Handarbeit ehrliches Geld verdient haben. Aber Handarbeit ist im heutigen Amerika nicht mehr gefragt, die Industriestädte sterben.

Tommy Lee Jones wird im Alter immer besser und spielt hier den ehrlichen Manager ebenso hervorragend wie Chris Cooper den verzweifelten Entlassenen, der für den Arbeitsmarkt zu alt ist. Und selbst Ben Affleck kann als aus der Bahn geworfener Yuppie überzeugen. Lediglich Kevin Costner bleibt in seiner relativ kleinen Nebenrolle als mittelständischer Bauunternehmer blass. Für Serienfans ist der Film gleich wegen mehrerer Beteiligter interessant: Es ist das Kino-Regiedebüt von Ex-“ER“-Showrunner John Wells, und in Nebenrollen sind gleich zwei bekannte Serienschauspielerinnen dabei: Maria Bello (ebenfalls „ER“, „Prime Suspect“) als Personalchefin und Rosemarie DeWitt (Tony Collettes Schwester aus „United States of Tara“) als Walkers Ehefrau. Von beiden hätte man in diesem Film gerne mehr gesehen.

USA 2010 R. und B.: John Wells. Mit: Ben Affleck, Tommy Lee Jones, Chris Cooper, Rosemarie DeWitt, Maria Bello, Kevin Costner. 101 Minuten. DVD/BR seit 9. Dezember. Extras: Audiokommentar v. J. Wells, Making Of, Deleted Scenes, Alternatives Ende. Vertrieb: Universum

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