Die besten Serien der Zehnerjahre

And the winner is...

Während sich die Mathefreunde noch streiten, ob das neue Jahrzehnt nicht doch erst in einem Jahr beginnt, präsentieren wir schon mal die Top-Ten-Serien der 2010er, dem Dezennium, in dem die TV-Serie endgültig erwachsen wurde. Natürlich streng subjektiv.

Platz 10: Braunschlag

Foto: ORF/Superfilm

Die Serie, die 2012 die österreichische Serienlandschaft aus dem Tiefschlaf erweckte, war nicht nur wahnsinnig lustig, sondern hatte auch großen Einfluss – nicht nur aufs heimische Fernsehen. Danach kamen „CopStories“, „Vorstadtweiber“ und „Hindafing“, David Schalko und Nicholas Ofczarek wurden auch in Deutschland zu Stars. Und auch wenn Kollege Hari es nicht gerne hören wird, ARD und ZDF haben immer noch nichts Vergleichbares zustandegebracht.

Platz 9: Borgen

Foto: DR/Mike Kollöffel

Stellvertretend für viele tolle skandinavische und vor allem dänische Serien dieses ebenso packende wie charmante Politdrama von Adam Price, das zeigte, dass die Dänen nicht nur Krimis meisterhaft erzählen können. Ein bisschen waren wir alle in die fiktive Premierministerin, gespielt von Sidse Babett Knudsen, verliebt. Gibt’s übrigens gerade in der arte-Mediathek.

Platz 8: The Marvelous Mrs Maisel

Foto: Amazon

Im Vergleich zum direkten Konkurrenten Netflix brauchte Amazon Prime etwas länger, bis es mit seinen Eigenproduktionen einen echten Hit gelandet hatte. Aber was kann bei einer Dramedy der „Gilmore Girls“-MacherInnen schon groß schiefgehen? Völlig zu Recht räumte Newcomerin Rachel Brosnahan für ihre Verkörperung einer sich emanzipierenden Hausfrau in den ausgehenden 1950er Jahren sämtliche Fernsehpreise der Saison ab. Ein bisschen kann die Serie trotz des gänzlich anderen Tonfalls auch als weibliche Antwort auf „Mad Men“ gelesen werden.

Platz 7: Halt and Catch Fire

Foto: AMC

Sie hätte der würdige Nachfolger von „Mad Men“ bei AMC werden können, aber außer einigen Kritikern – darunter auch dem Team von Fortsetzung.tv – wurde die Serie über den Beginn des Computerzeitalters leider weitgehend übersehen. Nicht übersehen konnte man das Talent der HauptdarstellerInnen, von denen es zumindest Mackenzie Davis 2019 mit „Terminator 6“ ins Blockbusterkino schaffte.

Platz 6: The Affair

Foto: Steven Lippman/Showtime

Es endete mit traurigen Enthüllungen über die Zustände bei den Dreharbeiten, die zum vorzeitigen Ausstieg von Ruth Wilson geführt hatten. Gelingt es einem, das Werk und die MacherInnen zu trennen, bleibt eine nicht immer runde, alles in allem aber ebenso tiefgründige wie bewegende Auseinandersetzung mit zwischenmenschlichen Beziehungen und inneren Dämonen, Schuld und Sühne, getragen von einem hervorragenden Ensemble. Und am Ende fügte sich wider Erwarten sogar fast alles zu einem der besten Serienfinalen der jüngeren Vergangenheit.

Platz 5: The Handmaid’s Tale

The Handmaid's Tale
Foto: Hulu

Elisabeth Moss hatte bereits in „Mad Men“ und anderen Serien bewiesen, dass sie eine der besten Schauspielerinnen des derzeitigen US-Fernsehens ist. In der emotionalen und kunstvoll inszenierten Politparabel nach dem Bestseller von Margaret Atwood zog sie endgültig alle Blicke auf sich. Die wohl wichtigste Serie der Trump-Ära.

Platz 4: Girls

Foto: HBO

Waren die Nullerjahre im US-TV noch das Jahrzehnt der starken Männerfiguren, mussten sich in den Zehnern Don Draper und Walter White die Bühne mit ebenso schillernden Frauenfiguren wie Hannah Horvath teilen – und das ist auch gut so. Oft war die HBO-Comedy, in der sich vor und hinter den Kulissen alles um Lena Dunham drehte, nur schwer zu ertragen. Dafür war sie aber auch immer wieder sehr lustig und in ihren besten Momenten ein wahrhaftes Porträt einer Generation.

Platz 3: Orange is the New Black

Orange is the New Black Staffel 6
Foto: Lionsgate TV/Netflix

Die ersten drei Staffeln von „Weeds“ waren schon toll, aber das Jenji Kohan mit ihrer nächsten Serie solch ein kulturelles Phänomen wie OITNB gelingen sollte, hat wohl auch nach der Auftaktfolge noch niemand geglaubt. Nie sah man so viele unterschiedliche interessante, starke, widersprüchliche und einfach menschliche Frauenfiguren in einer Serie. Neben allem überdrehten Humor mit ihren bitterbösen Kommentaren zum gesellschaftlichen Zustand der USA die zweite wichtige Serie der Trump-Ära.

Platz 2: Rectify

Foto: SundanceTV

Die zweitbeste Dramaserie des Jahrzehnts war zugleich die langsamste. Viel passierte mesitens nicht, aber dank des grandiosen Casts und der kinoreifen Inszenierung wurde es doch nie langweilig. So spannend kann das Leben nach der Todeszelle sein.

Platz 1: Mad Men

Lionsgate TV

Obwohl „Breaking Bad“ und „Game of Thrones“ den ungleich größeren Hype verursachten, führte an der Serie über die 1960er Jahre aus der Sicht erfolgreicher mittelalter weißer Männer (und einiger jüngerer Frauen) kein Weg vorbei. Dazu waren die Drehbücher einfach zu gut. Selten wurden einem Unsympathen so sympathisch und selten gelang es einer Serie, mit so wenig Handlung einen so starken Sog zu erzielen. Wenn man sich in vielen Jahren fragen wird, wie herausragendes Fernsehen in den Zehnerjahren aussah, wird man unzweifelhaft wieder in der Madison Avenue landen.

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