Cologne Conference: Dina Foxx is back – ZDF präsentiert interaktiven Thriller

Weiß sich zu helfen: Dina Foxx (Katharina Schlothauer) greift zur Waffe; Fotos (1 und 3): ZDF/Florian Foest

Am Mittwoch stellte die ZDF-Redaktion „Das kleine Fernsehspiel“ auf der Cologne Conference ihren neuen TV- und Online-Thriller „Dina Foxx – Tödlicher Kontakt“ vor. Eine unkonventionelle Berlinerin ist einer gefährlichen Epidemie auf der Spur – und der Zuschauer kann mittels Webseite und App mitermitteln. Zumindest der TV-Teil konnte schon mal überzeugen.

Eine fast idyllisch anmutende Szene inmitten einer klinisch sterilen Arbeitswelt: Ein junger Mann und eine junge Frau, beide ganz in weißen Laborklamotten gekleidet, verschwinden zwischen Tomatenstauden in einem riesigen Gewächshaus und küssen sich leidenschaftlich. Als sich ihre Münder wieder trennen, blutet der Mann heftig aus der Nase und bricht gleich darauf zusammen – seine Freundin kreischt herzerweichend.

So effektiv beginnt „Dina Foxx – Tödlicher Kontakt“, die Fortsetzung des interaktiven TV-Thriller-Experiments, das im ZDF 2011 mit „Wer rettet Dina Foxx?“ begann. Damals brach der Fernsehfilm an der spannnendsten Stelle ab und es blieb den Zuschauern selbst überlassen, im Internet das Rätsel zu lösen. „Damit haben wir die Zuschauer bewusst auch ein bisschen vor den Kopf gestoßen“, erklärt Burkhard Althoff, Redakteur beim „Kleinen Fernsehspiel“ des Mainzer Senders. „Das wollten wir diesmal anders machen.“ Deshalb umfasst der zweite Fall der toughen Berlinerin zwei jeweils etwa 50-minütige Teile, die mit einer Woche Abstand ausgestrahlt werden. Dazwischen haben alle, die online-affin genug sind, wieder Gelegenheit, den im ersten Teil aufgeworfenen Geheimnissen selbst auf die Spur zu kommen.

Gemeinsam gegen einen übermächtigen Gegner: Dina Foxx und ihre Freunde; Foto: ZDF/Florian Wolf

Schnell ist Dina Foxx, die inzwischen in einer hippen Burgerbraterei jobbt, wieder mittendrin im Geschehen – in diesem Fall einer Seuche. Nach einer feucht-fröhlichen Geburtstagsnacht liegt ihr Bruder plötzlich im Koma – sein Mitbewohner ist sogar tot. Die Symptome sind immer dieselben: heftiges Nasenbluten, gefolgt von Ohnmacht. Der Mitbewohner war ein Ökoaktivist, der in das Gewächshaus des internationalen Lebensmittelkonzerns eingebrochen war, um die angeblich fast marktreife Gentomate Jana zu zerstören – die scheint nicht nur Krebs heilen zu können, wie der Multi verspricht, sondern auch tödliche Nebenwirkungen zu haben…

Oft wird – auch auf dieser Webseite – kritisiert, dass deutsche Fernseheserien meist immer noch aussehen wie in den 1980er Jahren, dass die deutschen Sender meilenweit hinter der internationalen Konkurrenz herhecheln. Ein TV-Film wie „Dina Foxx“ beweist, dass das Know-How bei deutschen Produzenten wie Autoren durchaus da ist, dass anderes, modernes fiktionales Fernsehen auch in Deutschland möglich ist. Look und Feeling des 50-Minüters von Regisseur Max Zeitler (auch Koautor) sind von Anfang an zeitgemäß, rasant und packend (auch wenn es vielleicht etwas viele im Ausland verbreitete Berlin-Mitte-Klischees gibt, so dass das Ganze fast wie eine inoffizielle „Lola rennt“-Fortsetzung wirkt). „Die Macher des Films kennen die aktuellen internationalen Serien sehr genau“, sagt Althoff. „Wir haben uns gesagt, lasst es uns so machen, dass es auch für einen Dänen oder Engländer interessant sein könnte.“ Der erste Film von 2011 sei auf internationalen Festivals durchaus gut angekommen.

Immun gegen den Virus – aber das Geburtstags-T-Shirt ist hin

Dina Foxx (jetzt gespielt von Katharina Schlothauer) ist eine faszinierende Hauptfigur, tough, aber auch verletzlich, zupackend, aber keine Superheldin – obwohl sie durchaus über eine außergewöhnliche Physiologie zu verfügen scheint. Eine Figur, die man sich auch gut in Serie vorstellen könnte. Online hat man ab dem 9. November zumindest Gelegenheit, sie in sieben Webisodes zu begleiten, die Szenen zeigen, die im zweiten TV-Teil ausgespart bleiben. So werden dem Online-User etwa zusätzliche Täter präsentiert, die dem reinen Fernsehzuschauer verborgen bleiben – der aber trotzdem die Auflösung verstehen können soll. Neben einem „Casual Game“, in dem man ein wenig Genforscher spielen kann (was aber nicht wirklich etwas mit dem Fim zu tun hat), kann man sich auch an einer „360-Grad-Video-Ermittlung“ versuchen. Hierzu kann man sich mittels Smartphone oder Tablet in Szenen einklinken, als wäre man selbst mittendrin, etwas ins ZDF-„log in“-Studio (etwas ironisch ist, dass das auch bald Geschichte sein wird), wo eine kontroverse Diskussion zwischen Lebensmittelkonzern und Aktivisten zu entgleiten droht. Mit Hilfe verschiedener Rätsel soll man dann der Verschwörung auf die Spur kommen.

Im Gegensatz zum „Low-low-Budget“ des ersten Films von 2011 kostete das neue Projekt insgesamt soviel wie ein normaler 90-Minüter, so Althoff – gut investiertes Geld. Bezeichnend ist aber natürlich, dass es im Hauptprogramm dann montags gegen Mitternacht läuft. Die arbeitende Bevölkerung hat aber zumindest Gelegenheit, auf den Spartenkanälen ZDFneo und ZDFkultur in der Primetime dabei zu sein. Fazit: Das Potential, zeitgemäß zu erzählen, ist auch beim ZDF durchaus da – jetzt fehlen nur noch die Sendeplätze.

Am 9. und 16. November jeweils um 19 Uhr 30  und 23 Uhr 15 auf ZDFneo, am 10. und 17. November um 23 Uhr 55 bzw. 0 Uhr 15 im ZDF sowie am 14. und 21. November jeweils um 20 Uhr 15 auf ZDFkultur. Der interaktive Teil inklusive der Webisodes geht am 9. November unter dinafoxx.zdf.de online.

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