Unendliche Weiten auf zu knappem Raum: Ekkehard Knörers Buch über „Battlestar Galactica“

diaphanes

Wenn ein Fernsehsender eine Neuinterpretation einer fast 30 Jahre alten Science-Fiction-Serie wagt und es damit schafft, die Genrefans und das anspruchsvolle Serienpublikum gleichermaßen zu bedienen, ist das schon mal den ein oder anderen Gedanken über dieses Phänomen wert. In der Reihe diaphanes booklet legt Ekkehard Knörer jetzt ein Büchlein über die „Reimagination“ von 2003 vor.

Und was könnte man über dieses mutige Vorhaben, die politischen, moralischen und philosophischen Konflikte der westlichen Post-9/11-Gesellschaften im Gewand einer Weltraumoper (ohne Oper) durchzudeklinieren, alles schreiben! Aber auch Knörer hat sich an das Konzept der Reihe zu halten und muss sich auf etwa 80 kleinformatige Seiten mit Fließtext beschränken – viel zu wenig, um den komplexen Themen der Serie gerecht zu werden. So bleiben etwa nur zehn Seiten für den Themenkomplex Politik. Da erfährt der informierte Leser dann natürlich nur wenig, dass nicht in Print- und Online-Medien nicht schon ausführlichst ausdiskutiert wurde, von der Allegorie auf die Irakbesatzung inklusive Selbstmordattentätern bis zum aufgeweichten Freund-Feindschema.

Unnötig viel Platz verwendet der Mitgründer und -herausgeber der ambitionierten Filmzeitschrift „Cargo“ hingegen auf die Beschreibung der Hauptfiguren, die nicht nur eine Charakterisierung beinhaltet, sondern meist auch noch eine komplette Biografie bis einschließlich des Serienfinales. Hier stellt sich besonders deutlich die Frage nach der Zielgruppe des Buchs: Wer die Serie noch nicht komplett kennt, braucht sie sich nach der Lektüre im Grunde auch nicht mehr anzugucken, da alle wichtigen Handlungs- und Charakterbögen bis zum Ende verraten werden. Wer die Serie hingegen schon gesehen hat, braucht nicht noch einmal ausführlich den Inhalt geschildert bekommen. Für das eigentlich Interessante, die Analyse, bleibt bei diesem Vorgehen auf den ohnehin schon arg begrenzten Seiten kaum noch Raum. Neben einigen Unsicherheiten bei den Figurennamen (so gibt es etwa keine andere Caprica Six, da das „Caprica“ im Namen ja gerade die Spezifizierung für die Ausgabe des Sechser-Modells ist, die sich auf Caprica an Dr. Baltar herangemacht hat, und die ursprünglich zur Galactica-Besetzung gehörende Acht ist auch nicht Athena, sondern Boomer) fällt vor allem der exzessive Hang zu seltenen Fremdwörtern auf. Ohne Duden packt man sich des Öfteren ratlos an den Kopf (Paralipomenona anyone?).

Am Ende hat Knörer viele interessante Aspekte, auch zur Konzeptions- und Produktionsgeschichte der Serie von Ronald D. Moore, kurz angerissen und der Leser im besten Fall Lust bekommen, selbst im Internet weiter zu recherchieren. Was leider fehlt, sind wirklich neue Erkenntnisse. Ergiebiger wäre es wahrscheinlich gewesen, wenn der Autor anfangs eine klare These formuliert und diese danach unterfüttert hätte statt auf dem knappen Raum alles Mögliche kurz anzusprechen.

Ekkehard Knörer: „Battlestar Galactica“. Diaphanes 2013. 96 Seiten, Taschenbuch. 10 €

One comment

  1. Ich finde die Rezension hier insofern Interessant, als dass sie die Frage öffnet, was ein Booklet bieten soll.
    Ja, 80 Seiten, aber dennoch als Booklet gedacht. Daher liege ich zwischen Deiner Thesen-Forderung und dem Impetus, um Hintergrundinfromationen und Figuren, etc. herum zu denken.

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