Ein Leben danach: Die Zukunft von AMC

Mit den letzten Folgen von „Breaking Bad“ und der bevorstehenden finalen Staffel „Mad Men“ beendet AMC zwei der hervorragendsten Serien der letzten Jahre. Die Frage ist: Was kommt danach?

Von Hari List

„Better Call Saul“: Bob Odenkirk bekommt seine eigene Serie; Foto: Sony TV/AMC

Kaum auszuhalten, wie sich die beiden Glatzköpfe in den letzten Folgen von „Breaking Bad“ dem finalen Showdown nähern. Noch zwei Folgen. Walt oder Hank? Oder keiner von beiden? Ob das Leben danach noch lebenswert ist, bleibt offen. Kurz Trost wird vielleicht die siebte und letzte Staffel „Mad Men“ spenden. Wenn aber der letzte Bourbon in der Madison Avenue getrunken ist, stellt sich die Sinnfrage wirklich.

Vor allem stellt sich die Sinnfrage für AMC. Der Sender hat sich in wenigen Jahren vom bedeutungslosen Classic-Movies-Kanal zum stärksten Konkurrenten von Qualitätsserien-Platzhirsch HBO entwickelt. Die Rivalität äußerte sich aber hauptsächlich bei Preisverleihungen, verfolgt AMC doch ein gänzlich anderes ökonomisches Modell.

Gebühreneinnahmen sausen in die Höhe

Während HBO eigene Abos vertreibt, sausten die Gebühren, die AMC von den Kabelnetzbetreibern pro Haushalt kassiert, kontinuierlich in die Höhe. Selbst Werbeeinnahmen spielen für AMC nur eine mittelwichtige Rolle. Dabei sind die beiden Serien noch nicht einmal die ganz großen Hits bei der linearen Ausstrahlung – im Gegensatz zu AMCs Riesenerfolg „The Walking Dead“.

Während die Untoten noch einige Staffeln lang umherwanken dürfen, kommen immer mehr Informationen zu den zukünftigen Plänen von AMC ans Licht. Diese reichen vom bereits sicheren „Breaking Bad“-Spin-Off „Better Call Saul“ um den korrupten Anwalt Goodman, über Planungen für ein mögliches „The Walking Dead“-Spin Off – gleiches Setting, andere Menschen – bis zu bereits bestätigten Piloten wie dem zur SciFi-Serie „Line of Sight“. Im Letztgenannten wird unter anderem „Governor“ David Morrissey unter der Regie von Jonathan Demme zu sehen sein.

Spin-Offs und neue Piloten

Insgesamt hat AMC mehr als 60 Projekte in der Pipeline. Fertige Serien mit Starttermin 2014 sind auch schon bekannt: „Halt and Catch Fire“ ist eine Serie um die Anfänge des Personal Computings in den 1980ern mit Lee Pace und „Turn“ spielt im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Mit an Bord sind unter anderem Jamie Bell und Burn Gorman.

Spin-Offs der größten Erfolge wirken zwar ein wenig wie risikolose Geldbringer, man darf aber nicht vergessen, dass AMC ein börsennotiertes Unternehmen ist. Viel wichtiger ist, ob wir Konsumenten weiterhin so großartig mit Seriennahrung versorgt werden. Knackpunkt wird wahrscheinlich, ob bei zukünftigen Serien den Kreativen weiterhin die Parole vorgegeben wird: „Quoten sind nicht so wichtig!“

Zum Weiterlesen: Zwei Artikel der „New York Times“ über das Geschäftsmodell von AMC

 

2 comments

  1. Da „Breaking Bad“, „Mad Men“ und „The Walking Dead“ AMC jene Bewunderung und jenen finanziellen Erfolg beschert haben, von dem der Sender zuvor nicht einmal zu träumen wagte, ist klar, dass man bei AMC den eingeschlagenen Weg wird weitergehen wollen. Dass man sicherheitshalber zunächst auf zwei Spin-Offs der zwei erfolgreichsten Serien setzt, ist nachvollziehbar, es sollte allerings nicht zum Prinzip werden, da es dem Geist der neuen Serien-Ära diametral widerspricht. Mögen doch die Hollywoodstudios in ihrer Ideenlosigkeit, Angst und ihrem Teeniewahn jede noch so bekannte Franchise mit Remakes, Reboots, Prequels und Sequels bis zum letzten Blutstropfen aussaugen – die Networks und Streaming-Dienste sollten auch weiterhin auf originären und originellen Content mit epischen und horizontalen Handlungsträngen setzen (auch wenn „TWD“ zugegebenermaßen auf einer Comic-Reihe basiert).

    HBO und Showtime dürften sich bis heute Ärgern, Gilligans Serienidee nicht aufgegriffen zu haben. Aber genau darum geht es ja: Dass man etwas wagt, was auf den ersten Blick zunächst einmal äußerts verrückt klingt.

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