Dann lieber Dr. Strangelove: die HBO-Comedy „The Brink“

Unwahrscheinliche Weltretter: Jack Black und Aasif Mandvi in "The Brink"; Foto: HBO

Starbesetzung und hoher Production Value reichen einfach nicht mehr aus. Was “The Brink” in den ersten zwei Folgen verkaufen will, haben wir schon vor 50 Jahren gesehen.

Alex Talbot, ein niederer Beamter der US-Botschaft in Pakistan (Jack Black), überredet den einheimischen Chauffeur Rafiq (Aasif Mandvi) zu einer abendlichen Spritztour durch Islamabad, um sich Gras zu besorgen. Sie landen in einem inszenierten Protest, der Teil eines Putsches an der Staatsspitze ist und flüchten sich für die Nacht in das Haus von Rafiqs wohlhabender Familie. Dort entdeckt Alex, dass Rafiqs Onkel den neuen Präsidenten – dieser hat inzwischen eine ernste Drohung gegen Israel ausgesprochen – psychologisch betreute und seine Akten zu Hause hat. Die sind schnell gefaxt, aber Alex wird entdeckt und trotz diplomatischer Immunität gefoltert.

In Washington wird der – natürlich nur an Sex denkende – Außenminister (Tim Robbins) in den Situation Room zur Krisensitzung beordert, wo ihn aber mehr die hübsche Übersetzerin und die Frage nach dem zu bestellenden Essen interessieren als die aktuelle Krise. Erste Maßnahmen haben der US-Präsident (Esai Morales) und der Verteidigungsminister (Geoff Pierson) schon in die Wege geleitet. Ein Kampfflugzeug ist bereits unterwegs, um eine entsprechende Antwort auf die Drohungen gegen Israel folgen zu lassen. Im Cockpit wähnt man den Besten der Besten. Fliegerass und Teilzeitdrogendealer Zeke Tilson (Pablo Schreiber) hat nur heute leider die falschen Tabletten erwischt und so schießen er und sein Partner im Blindflug (das Cockpit ist vollgekotzt) eine indische Drohne im pakistanischen Luftraum ab. Mehr hat die Welt nicht gebraucht.

Die Einfallslosigkeit des zeitgenössischen Kinos übernommen

Die Vergleiche mit “Dr. Strangelove” drängen sich unweigerlich auf. Politiksatire im Zeitalter, wo Hollywoods Darsteller scharenweise zum Fernsehen desertieren, muss wohl so aussehen. Die Einfallslosigkeit des zeitgenössischen Kinos hätte man aber nicht gemeinsam mit den Darstellern und dem Produktionsbudget integrieren müssen.

Als einen der Autoren hat man Darsteller Aasif Mandvi von der “Daily Show” ausgeborgt. Keine unbekannte Taktik, hat doch die Talentschmiede von Jon Stewart schon einige große Unterhalter hervorgebracht. Mandvis Zeit ist wohl noch nicht gekommen. Er reiht sich in “The Brink” ein in die lange Reihe von bekannten indisch- (oder iranisch-)stämmigen Darstellern (Iqbal Theba, Erick Avari, Marshall Manesh) die nicht nur Lokalkolorit vermittlen*, sondern auch gleichzeitig das Publikum daran erinnern, dass man es hier wirklich nur mit blanker Satire zu tun hat (haben könnte).

Die Satire gelingt nicht, bleibt langweilig und unrealistisch, auch wenn die Pressetexte von “The Brink” es gerne anders hätten. Wenn man dann noch den Verantwortlichen von “Austin Powers” und “Meet the Fockers” (Jay Roach) ans Ruder lässt, ist jede Hoffnung auf gelungene Persiflage abgefahren. Das kann HBO besser (“The Veep”).

“The Brink” ist aktuell immer mittwochs auf Sky Atlantic zu sehen. Das Review basiert auf den ersten zwei Folgen.

*Mit dem Typecasting von indischstämmigen Schauspielern befasst sich auch Aziz Ansaris Serie “Master of None”, die (und die Thematik) wir bereits in einem Podcast näher beleuchtet haben.

 

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