Cologne Conference: Französischer Mystery-Thriller „Signature“ entpuppt sich als Geheimtipp

Wildes Kind im Wald: "Signature"

Seit dem Wochenende läuft in Köln zum 21. Mal die Cologne Conference, das internationale Film & Fernsehfestival. Unter anderem stellt die Reihe Top Ten zehn außergewöhnliche TV-Produktionen der vergangenen zwölf Monate vor. Der Dienstag stand dabei im Filmhaus auf der Maybachstraße ganz im Zeichen der europäischen (Mini-)Serie. Nach der ersten Folge der britischen Miniserie „The Shadow Line“ folgte der Pilot von „The Hour“. Die in diesem Jahr gestartete BBC-Serie wird gerne in eine Ecke mit „Mad Men“ gestellt. Das scheint in letzter Zeit allerdings mit jeder Serie versucht zu werden, die kurz vor oder nach dem Jahr 1960 spielt, zuletzt auch mit dem in der vergangenen Woche in den USA gestarteten NBC-Drama „The Playboy Club“. Und „The Hour“ setzt 1956 ein, mit zwei JournalistInnen, die sich bei der BBC als Moderatoren-/Producergespann für eine neue Nachrichtenshow vorstellen. Gleichzeitig wird ein Uniprofessor in einem U-Bahntunnel von einem Mann mit einem Messer ermordet, eine Story, der sich einer der beiden Journalisten bald annehmen wird – obwohl das einigen Menschen gar nicht passt.

Der Vergleich mit „Mad Men“ läuft allerdings schnell ins Leere: Während die US-Serie ihre Geschichten bekanntlich ganz langsam angeht, überstürzen sich bei „The Hour“ gleich zu Beginn die Ereignisse in schnellen Parallelmontagen. Auch qualitativ hinkt der Vergleich: Trotz überwiegend guter Darsteller (u.a. „The Wire“-Star Dominic West) bleiben die Figuren blass und die Handlung zumindest im ersten Teil weitgehend uninteressant. Das Setting einer Fernsehproduktion bildet nur den Rahmen für eine recht konventionelle Verschwörungsthriller-Geschichte, die mit so vielen Klischees und vorhersehbaren Wendungen aufwartet, dass sie nicht richtig zu fesseln vermag. Mag sein, dass die Show in den weiteren Folgen zulegt, aber wenn sich beispielsweise die Beziehung zwischen der Producerin und dem ihr vor die Nase gesetzten smarten Anchorman so offensichtlich andeutet, hält sich meine Neugierde auf die Fortsetzung sehr in Grenzen.

 

Stylish, aber kein "Mad Men": das britische "The Hour"; Fotos: Cologne Conference

Ganz anders bei der ersten Folge von „Signature“, die im Anschluss vor leider nur noch kleinem Publikum über die Leinwand flimmerte. Die sechsteilige französische Miniserie erzeugt gleich von Beginn an einen hypnotischen Sog: fantastische Luftaufnahmen der Insel La Réunion, ein Mann, der vor einem anderen durch eine Einöde flieht und dann doch mit einem Stein erschlagen wird. Eine Journalistin, gespielt von der anmutigen Sandrine Bonnaire, kommt auf die Insel, um nach dem verschwundenen Mann zu suchen. Der Mörder (Sami Bouajila) irrt durch die unendlichen Wälder, immer wieder gejagt von Flashbacks auf seine Kindheit, als er alleine im Wald lebte. Anders als in „The Hour“ wird hier nicht alles mit Dialog zugekleistert, stattdessen über weite Strecken nur in Bildern erzählt. Regisseur Hervé Hadmar lässt der Kamera viel Zeit, den Figuren zu folgen, gibt der faszinierenden Landschaft des Eilands im Indischen Ozean Raum, sich zu entfalten. So wird die Insel zum gleichwertigen Hauptdarsteller.

„Die Landschaft ist sehr wichtig für die Serie“, erklärte Hadmar anschließend in einer Fragerunde, „weil sie viele Möglichkeiten für Geheimnisse bietet, wie in einem Märchen.“ Das mache die mysteriöse Geschichte glaubwürdiger, als wenn sie in Frankreich spielte. Zur ungewöhnlichen Ästhetik  seiner Arbeit meinte der Regisseur: „Das Fernsehen verändert sich stark, deshalb ist ein filmischerer Look möglich.“ Dreieinhalb Monate habe er auf La Réunion gedreht, im April lief der Fünfteiler bei France 2. Die Kritiken waren sehr gut, manche feierten Hadmar als Erneuerer des französichen Fernsehens. Die Quoten hätten aber natürlich nicht an „Lost“ heran gereicht, scherzte der Regisseur in Köln. Aber sie genügten, um ihn weiter machen zu lassen: Sein nächstes Projekt, wieder zusammen mit Drehbuchautor Marc Herpoux, werde eine düstere Cop-Show. Die Vorführung von „Signature“ war eine große positive Überraschung, die zeigte, dass auch abseits der großen internationalen TV-Märkte USA und UK stilistisch und inhaltlich herausragende Serien produziert werden. Nur, dass man sie hierzulande so gut wie nie zu sehen bekommt (außer ganz selten mal, wenn arte eine produziert hat, wie neulich das ebenfalls bemerkenswerte „Xanadu“). Was macht man also, wenn man wissen will, wie „Signature“ weiter geht? Übers Internet könnte man sich zwar die französische DVD-Box bestellen, aber Untertitel hat die (natürlich) nicht. Schade für alle, deren Schulfranzösisch nicht ausreicht.

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