Neues Altes aus dem Mumintal

Reprodukt

Mit dem fünften Band liegen die Mumins-Comic-Strips von Tove Jansson endlich gesammelt auf Deutsch vor. Bevor die Gesamtausgabe mit den Geschichten aus der Feder ihres Bruders fortgesetzt werden, werfen wir noch einmal einen Blick auf die liebenswerte Trollfamilie, die gleich mehreren Generationen von Fernsehzuschauern noch aus ihrer Kindheit bekannt sein dürften.

Bevor die Mumins auf Reisen gehen, hängen sie ein Schild an ihre Haustür mit dem Hinweis, wo sich der Schlüssel befindet. Das erscheint zwar auf den ersten Blick naiv, aber die Trollfamilie aus Finnland möchte eben, dass sich auch in ihrer Abwesenheit Gäste bei ihnen wohlfühlen. Die Mumins sind nicht nur überaus gastfreundlich, sie haben auch für jede Schrulle Verständnis und sind hoffnungslos ehrlich. Als Mümmla, eine besonders eigensinnige Figur aus dem Mumin-Kosmos, einen Korb von ihrem Angebeteten bekommt, weint sie und murmelt im Davonlaufen: „Wenn ich er wäre, würde ich mich mögen“.

Die Mumins kamen in Deutschland bereits mehrmals durchs Fernsehen groß raus: durch die polnische Puppentrickserie in den 1980ern, durch die japanische Animeserie in den 1990er Jahren  – und auch die Augsburger Puppenkiste spielte schon Ende der 1950er Abenteuer aus dem idyllischen Mumintal. Vom engagierten Ruf nach Individualität der ursprünglichen Kinderbuch-Geschichten war auf den Bildschirmen meist allerdings nur noch wenig übrig. Die finnisch-schwedische Autorin Tove Jansson (1914-2001) zeichnete ihre Mumin-Geschichten auch als Comics. Sie erschienen in täglicher Folge als Strips in Zeitungen – später übersetzt in 44 Sprachen.

Arbeit macht nicht glücklich

Grund für den Erfolg sind Geschichten wie diese: Ein Gesandter der „Liga von Pflicht und Gemeinsinn“ kommt zu Besuch und ist entrüstet – die Mumin-Familie könne doch nicht einfach den ganzen Tag in der Sonne liegen. Das hören sich die nilpferdartigen Trolle höflich an und, da es dem Herrn doch so wichtig erscheint, suchen sich alle brav Arbeit. Bald schon sind sie gestresst, kurz darauf furchtbar zerstritten und am Ende liegen sie wieder glücklich vereint gemütlich im Garten.

Jansson stammt selbst aus einer eigenwilligen Künstlerfamilie. Sie wuchs auf unter Menschen, die von zu Hause aus schöpferisch und selbstständig arbeiteten. Das prägte auch ihr Berufsleben. Anfangs zeichnete sie politische Karikaturen, später vermarktete Jansson ihr Mumin-Imperium selbst (einschließlich Lizenzen und Merchandise) – nur mit der Hilfe von Familienmitgliedern. Auch das Mumintal am Meer ist ein abgezeichnetes Paradies. Jansson lebte mit ihrer Lebensgefährtin auf einer Insel ohne Strom und fließendes Wasser.

Der umtriebige Reprodukt-Verlag hat die Comics erstmals in gesammelter und originalgetreuer Form auf Deutsch herausgegeben. Nun sind alle fünf großformatigen Bände erschienen – bald folgen Fortsetzungen, die aus der Feder des Bruders der Autorin stammen. Die Mumin-Comics erreichen sicher jedes Herz, insbesondere da die Figuren ständig so wunderbare, fast vergessene Wörter verwenden wie „furchtsam“ und „tollkühn“.

Tove Jansson:MuminsDie gesammelten Comic-Strips. Aus dem Englischen von Matthias Wieland. Reprodukt 2008 2013. Je circa 100 Seiten, HC, 24

Band 6 von Lars Jansson ist in Vorbereitung.

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