Zurück im Krankenhaus: „Club der roten Bänder“ geht in die zweite Staffel

Club der roten Bänder
Obwohl Emma (Luise Befort) nicht mehr stationär behandelt wird, besucht sie ihre Freunde (v.l.:) Leo (Tim Oliver Schultz), Toni (Ivo Kortlang) und Jonas (Damian Hardung) beinahe täglich im Krankenhaus; Fotos: VOX/Martin Rottenkolber

Die Geschichten aus dem Albertus-Klinikum gehen endlich in die zweite Runde. Nachdem die erste Staffel überraschend gut angenommen wurde, startet VOX heute mit zwei neuen Folgen durch. Kann der Kölner TV-Sender an die Qualität der ersten zehn Episoden anschließen? Fortsetzung.tv durfte sich vorab ein Bild machen.

Achtung, der Text enthält Handlungsspoiler!

Mit diesem Erfolg hatte wohl niemand gerechnet. Als sich VOX-Geschäftsführer Bernd Reichart beim Setbesuch vergangenes Jahr professionell-optimistisch gab, hätte er sich wohl in seinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können, dass die Serie Gesamtmarktanteile bis zu 12,5 Prozent einfahren würde. Anschließend hagelte es zudem Auszeichnungen am laufenden Band, unter anderem den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie „Beste Serie“ und den Grimme-Preis im Bereich „Kinder und Jugend“. Eine Verlängerung um eine zweite Staffel war daher eine logische Konsequenz.

Dabei stellte sich für die Autoren Arne Nolting und Jan Martin Scharf dieses Mal eine neue Herausforderung: Adaptierten sie in der ersten Staffel noch Drehbücher des katalanischen Originals „Polseres vermelles“, entschied man sich für den zweiten Durchgang, vollständig neue Skripte zu entwickeln. Diese Entscheidung mag der Tatsache geschuldet sein, dass das ganze Team zusammenblieb und es zur zweiten Staffel keine Veränderungen gibt. Produzenten, Regisseure, Schauspieler – alle sind wieder dabei und sorgen für Kontinuität. Das spricht für ein gesundes Selbstvertrauen seitens Bantry Bay, der Produktionsfirma.

Die vertrackten Folgen des ersten Staffelendes

Wie geht es nun weiter mit den Jugendlichen auf der Langzeitstation des Albertus-Klinikums? Zum Ende der ersten Staffel sahen sich die roten Bänder zwei einschneidenden Ereignissen gegenüber: Alex, dargestellt von Timur Bartels, überlebte seine Operation nicht. Was in anderen Serien auch das Aus für den Schauspieler bedeutet hätte, verheißt beim „Club der roten Bänder“ etwas ganz anderes: Alex ist zwar gestorben, aber seine Freunde haben sich geschworen, dass er in ihnen weiterleben wird. Fortan steht „der Hübsche“ den Clubmitgliedern zur Seite und gibt Ratschläge, wenn sie in einer Krisensituation stecken. Und dann gibt es auch noch Hugo (Nick Julius Schuck), der als Cliffhanger aus dem Koma erwachte. Kann er wieder lernen, zu sprechen und zu gehen? In den neuen Folgen soll sich zeigen, ob es für Hugo einen Weg zurück ins Leben gibt.

Club der roten Bänder
Um zu verhindern, dass Toni nach seiner Genesung in ein Heim ziehen muss, versuchen Emma, Sabine, Leo und Jonas, Chefärztin Dr. Reusch von einer zunächst abwegig erscheinenden Idee zu überzeugen…

Der Anfang der zweiten Staffel wird von Veränderungen und Fortschritten der Jugendlichen bestimmt. Leo (wieder sehr überzeugend: Tim Oliver Schultz) und Jonas (Damian Hardung) müssen mit ihren neuen Beinprothesen klarkommen, bei Jonas steht sogar das Verlassen des Krankenhauses zur Diskussion. Der ist davon jedoch zunächst wenig begeistert. Emma (Luise Befort) hat es bereits nach draußen geschafft, fühlt sich aber immer wieder zu ihren Freunden hingezogen und verbringt mehr Zeit im Krankenhaus, als es der Mutter lieb ist. Dass sie gefühlsmäßig weiterhin zwischen den beiden Jungs hin- und herschwankt, dürfte für Konfliktpotenzial in der Zukunft sorgen. Leo hat zudem noch ein weiteres Problem, denn die Alzheimer-Erkrankung seines erwachsenen Freundes Benito (weiterhin in einer umfangreichen Nebenrolle: Matthias Brenner) wird schlimmer. Mit einer ganz anderen Herausforderung schlägt sich derweil Toni (Ivo Kortlang) herum. Seine Knochen sind verheilt, er soll entlassen werden – was der unter leichtem Asperger leidende Junge aber gar nicht will. Kann er einen Weg finden, um im Krankenhaus zu bleiben?

Die Mischung passt wieder

Die ersten beiden Folgen der neuen „Club der roten Bänder“-Staffel schließen nahtlos da an, wo die letzte endete, sowohl inhaltlich als auch formal. Man könnte auch sagen: Es geht genauso gut weiter. Der Kern der Serie, Freundschaft zwischen jungen Menschen in einer extremen Lebenssituation, bleibt unangetastet und funktioniert weiterhin hervorragend. Auch die Mischung aus nachdenklicher Melancholie und heiteren Momenten passt wieder, weil die Autoren Nolting und Scharf (ab diesem Mittwoch auch mit ihrer Mysteryserie „Weinberg“ im VOX-Abendprogramm vertreten) ihren Charakteren vertrauen und das Ensemble diese mit Charisma und Leben füllt. Das große Plus der Serie ist nun mal die warme Emotionalität zwischen den Figuren. Das sorgt bereits in der ersten Episode wieder für einige berührende Momente zwischen Toni und Hugo, später zwischen Leo und Alex.

Warum VOX seinem Format immer noch nicht vollständig vertraut und es wiederum in Doppelfolgen versendet, bleibt allerdings unverständlich. Die Serie hätte es verdient, nicht jedes Jahr in fünf Wochen weggeballert zu werden.

Ab heute sind jeden Montag um 20 Uhr 15 zwei Episoden auf VOX (und anschließend auf VOX Now im Netz) zu sehen.

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