Zwischenruf zum „Game of Thrones“-Finale: Das war ein gutes Ende

Dem Ende entgegen... Foto: HBO

KOLUMNE. Für alle, die etwas für zwischendurch brauchen, bis unser Podcast erscheint. Die letzte Folge der soeben zu Ende gegangenen sechsten Staffel wäre ein perfekter Abschluss. Ein Plädoyer, jetzt einfach aufzuhören.

MASSIVE SPOILER bis inklusive der letzten Folge der sechsten Staffel!

Was für eine Folge, was für ein Finale. Bevor wir im Podcast darüber reden, sei mir ein kleiner Zwischenruf gestattet: Lassen wir es gut sein!

Was wir in 65 Minuten an wundervollen Bildern präsentiert bekamen, hat ganz, ganz viele Stränge (und Charakterleben) beendet, hat die (jetzt endlich eindeutig feststehenden) Hauptfiguren an wichtige, für uns Zuseher auch befriedigende Positionen gehievt und ihre letzten Bedrohungen und Bösewichte eliminiert. Danach kann zwar noch was kommen, muss aber nicht. HBO kann sich das Geld sparen.

Aber der Reihe nach

  • In King’s Landing ist alles erledigt. Cersei hat gesiegt und ist von Getreuen umgeben. Den Tod ihres letzten Kindes hat sie erwartet, die Prophezeiung ist erfüllt. Jamies letzter Blick sagt zwar viel, aber er liebt seine Schwester und wird ihr treu zur Seite stehen und mit ihr regieren oder untergehen. Abgehakt.
  • Arya hat mit Walder Frey den letzten relevanten Namen von ihrer Liste* gestrichen. Cersei hat sie innerlich vergeben (Theater!), der Mountain war schon tot und The Hound…? Den hat sie ebenfalls nicht mehr auf der Liste. Ab nach Hause zu Bruder und Schwester.
  • Nach Ramsays Tod in Winterfell wurde der Norden zeremoniell wiedervereinigt. Das wollten wir, genau wie die Starks in ihrem Heim. Jon wurde de jure als Stark-Erbe legitimiert und selbst, wenn seine wahre Elternschaft bekannt werden würde, würde sich daran nichts ändern (Ned Stark’s blood runs through his veins, hatte Lady Mormont doch argumentiert). Sansa und er werden ein formidables Führungsduo abgeben und gute Herrscher sein. Davon sind wir überzeugt.
  • Dany auf dem Weg von Mereen nach Westeros braucht keine Auflösung. Sie hat Drachen, die Unsullied, Second Sons, Dothraki, die halben Ironborn und ein Bündnis mit den Martells und den Tyrells. Da kann Cersei so viel Wildfire und Galle spucken, wie sie will. Westeros gehört Daenerys Stormborne, etc., die kurzen Prozess mit King’s Landing und den Lannisters, Onkel Euron und eventuell den Starks machen wird – es riecht aber nach einer Pattstellung, wenn ein vereinigter Norden in der Kälte des Winters den Wüstenkriegern aus Dorne und Essos gegenübersteht (siehe Stannis). Und es bleibt ja womöglich in der Familie.
  • Tyrion ist Hand of the Queen und scheint (s)einen Platz im Leben gefunden zu haben. Er glaubt an Daenerys und hat noch nie an etwas geglaubt. Nachdem er eine ganze Staffel lang nur noch als Fanliebling saufen und witzeln durfte, hat er nach der Eroberung von Westeros einiges zu tun und wird die neue/alte Aufgabe mit Bravour meistern und sich irgendwann auf sein Weingut zurückziehen.
  • Littlefinger hat verloren. Er ist noch acting Lord of the Vale, bis Robyn volljährig ist und wird danach sicher nicht verhungern. Wenn er Sansa wirklich liebt, dann gibt er jetzt auf und lässt sie in Frieden.
  • Jorah ist entweder bereits tot oder wird wirklich wieder gesund, dann kehrt er zu Dany zurück. Da gibt es aber nichts mehr zu klären.
  • Der völlig uninteressante Sam hat es mit Frau und Kegel bis Old Town geschafft und ist somit im Paradies angekommen. Happy End für ihn.
  • Ob Olenna die Rache auffrisst oder sie als Zweite in „Game of Thrones“ überhaupt (nach Maester Aemon) an Altersschwäche dahinscheiden darf, ist komplett egal.
  • Theon, Yara, Brienne, Podrick, Edd, Varys und Daario, haben Jobs, Bronn wird sicher eine bessere Frau und ein besseres Schloss erhalten, Davos hat mit der Verbannung Melisandres etwas Genugtuung bekommen, Jaqen H’ghar ist auserzählt und Gendry rudert halt immer noch (der ist aber immerhin jetzt der legitime Erbe auf den Thron).
  • Die zahlreichen Gruppen und Fraktionen (Stone Crows, Brotherhood without Banners, Sekten 1-5,…), die uns punktuell begegnet sind, wird es, egal wann die Serie wirklich endet, sowieso in der einen oder anderen Form noch geben.
  • Und dann ist da noch Bran. Er ist jetzt DER Three-Eyed Raven, das könnte man noch genauer erklären, aber die Magie bleibt bei Fantasy ja oft etwas vage. Seine Mission war in Retrospektive etwas großzügig angelegt (Mira ist übrigens ebenfalls wie Rickon nur ein plot device, um Bran zu helfen). Das Rätsel um Jon Snow aufzulösen war bis jetzt nur ein Nebenstrang und könnte es, wie gesagt, auch bleiben. Seine größte Tat besteht aber darin, bei seiner Nordexpedition Onkel Benjen wieder gefunden zu haben. Denn der ist es, der die Serie an dieser Stelle eigentlich beendet: Die Mauer kann von den Toten nicht überwunden werden. Friede, Freude, Freykuchen.

Habe ich wen vergessen?

Wäre es nicht besser, HBO spart sich das Geld und arbeitet, anstatt uns mit zwei Dreiviertelstaffeln zu verarschen, an der Wiederbelebung seiner Dramasparte. Die wurde nämlich in den vergangenen Jahren zu Gunsten von „Game of Thrones“ finanziell wie kreativ etwas vernachlässigt.

Wie seht ihr das?

P.S. Moment, einer fehlt da noch. Was ist bitte mit Ser Pounce, jetzt wo Tommen tot ist. Der arme Kater. Vergesst alles, was ich gesagt habe, wo bleibt verdammt noch einmal die nächste Folge?

*Aryas Liste ist aus dem „Game of Thrones“-Wikia übernommen.

3 comments

  1. Sehr schöner Kommenatar von dir. Musste viel Lachen 🙂
    Und danke, dass du auch die Frage aufgeworfen hast, was mit Sir Punce ist, daran musste ich nach Tommens Abgang auch sofort denken. ^^ Vielleicht war es ja gar nicht Tommen, der sich aus dem Fenster stürtzte, vielleicht war es Sir Pounce, und Tommen läuft jetzt als Katze herum und verfolgt einen geheimen Masterplan. Vielleicht kann er sich ja auch in der Halle der Gesichter bedienen und dient dem Many Faceless God. Funktioniert das eigentlich auch mit Katzengesichtern??? ^^
    Bei Jamie bin ich mir in der Tat noch nicht so sicher, ob er Cercei diesmal so einfach vergibt. Und Littlefinger würde ich auch noch nicht abschreiben. Kann es jedenfalls kaum erwarten die finalen Staffeln zu sehen.

    1. Littlefinger ist für mich tatsächlich der einzige wirklich offene Strang. Aber im Ernst: genial finde ich ja auch seinen Blick am Ende. Er und Jamie stehen am Rande von großen Zeremonien und werden aber noch eine gewichtige Rolle spielen in the wars to come. Ich erinnere mich, in einer früheren Podcatfolge (ws noch 5. Staffel) einmal gesagt zu haben, dass Littlefinger vielleicht wirklich den Iron Throne im Auge hat. Das hat sich ja jetzt bestätigt.
      Beide Punkte werde ich noch im Podcast anbringen und ausführen.

  2. Toller Beitrag. Schön, dass du auf die vielen Figuren so ehrlich und witzig eingegangen bist!
    Ich muss ja sagen, dass ich froh bin, dass es noch mit Game of Thrones weitergeht. Die Serie ist noch nicht auserzählt, aber dass es nur noch 13 Folgen geben wird, zeigt, dass es sich doch dem Ende neigt. Ich freue mich über einen runden Abschluss, ohne alles in die Länge zu ziehen.
    Ich fand die Staffel grandios und hat einiges neu sortiert. Danerys und Gefolgschaft endlich auf nach Westeros. Cersei nun auf dem Thron. Jon ist King of the North! Das hört sich nach einer spannenden 7. Staffel an 😀
    Um nochmal kurz auf HBO zurückzukommen. Der Sender hat schon ziemlich viel Geld in die Hand genommen. Für Vinyl ca. 100 Millionen Dollar. Hat aber nichts gebracht. Jetzt hoffen sie auf Westworld. Ich bin gespannt 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.