„Better Call Saul“-Kritik Ep. 2.09: „Nailed“

Jimmy McGill als Regisseur; Foto: Sony TV/AMC

Eine Woche vor Ende der zweiten Staffel spitzen sich einige Ereignisse zu. Drei Figuren liefern sich eine Art von Showdown, hinterher hat man Lust auf eine Piña Colada.

Die erste Einstellung erinnert so massiv an „Breaking Bad“, wie das bisher noch nie in „Better Call Saul“ der Fall war, inklusive Kakteen in Großaufnahme und amüsanten lateinamerikanischen Klängen. Wir lernen sofort, wofür Mike Ehrmantraut (Jonathan Banks) sein hübsches Schlauch-Nagel-Gerät braucht, das er in der letzten Woche gebastelt hat. Damit kann man nämlich effektiv einen Lastwagen zum Anhalten zwingen, indem man die Reifen zerfetzt. Wenig überraschend ist es der LKW mit dem Eislutscher-Mann aus der vorangegangenen Folge. Mike findet das im Reifen versteckte Geld und macht sich damit aus dem Staub.

In einer späteren Szene ist Nacho (Michael Mando) nicht sonderlich begeistert davon, dass Mike das Kartell um eine Menge Drogengeld erleichterte. Natürlich haben sich die Drogenhändler um die Sache gekümmert und einen zufällig vorbeikommenden Helfer umgelegt, damit keine Zeugen verbleiben. Mikes altes Dilemma bricht wieder auf: Er möchte niemanden verletzen, aber seine Aktionen finden nicht im luftleeren Raum statt und haben Konsequenzen.

Chuck McGill (Michael McKean) verlässt schon wieder sein trautes, von Elektronmagnetismus befreites Heim und quält sich durch einen Prozesstag. Die Bankengruppe Mesa Verde möchte expandieren und stellt darum einen Antrag bei der Bankaufsichtsbehörde von New Mexico. Auch, wenn es die Schuld seines Bruder Jimmy ist, dass er dieses Mal kein gutes Bild vor Gericht abgibt (die Unterschiede in der Adresse des Unternehmens kommen zur Sprache, die Anhörung wird um sechs Wochen vertagt): Mir hat es sehr gefallen, diesen Mann einmal scheitern zu sehen. Seine überhebliche Art brauchte wirklich einen Dämpfer.

Ermittlungen im Copyshop

Kim Wexler (Rhea Seehorn) und Jimmy McGill (Bob Odenkirk) kümmern sich derweil um ihre neuen Büroräumlichkeiten. Renovierungen stehen an, die gynäkologischen Stühle Zahnarztstühle müssen auch raus. Kims Handy klingelt, Mesa Verde möchte jetzt doch wieder mit ihr zusammenarbeiten. Sie soll die Unterlagen bei Chuck abholen. Daraufhin kommt es zu einer showdownartigen Szene: Drei von vier wichtigen Figuren der Serie finden sich in einem Raum ein und bekommen glücklicherweise viel guten Dialog an die Seite gestellt, um was draus zu machen. Chuck hat die richtige Nase, wer für den Fehler in den Unterlagen verantwortlich ist, aber Kim glaubt ihm nicht – Glück für Jimmy. Sie wirft Chuck sogar vor: „You’re the one who made him this way. He idolizes you.“

In einer nachfolgenden Szene wird klar, dass Kim genau weiß, wie viel Wahrheit in Chucks Anschuldigungen steckt. Hat sie sich damit abgefunden? Denn sie rät Jimmy durch die Blume, alle Spuren seiner Manipulation gründlich zu verwischen. Dem fällt daraufhin der Copyshop ein, den er für die Fälschungen benutzt hat. Jimmy drückt dem Mitarbeiter Lance etwas Schweigegeld in die Hand und hofft, die Sache sei damit gegessen. Chuck taucht auch schon bald im Copyshop auf, bekommt nichts aus Lance heraus. Seine Krankheit lässt ihn in Ohnmacht fallen und ungünstig auf einem Tisch aufschlagen.

Ein neues Dilemma

Jimmy steckt nun in einem Dilemma, denn er beobachtet das alles von der anderen Straßenseite. Soll er hinüberlaufen und seinem Bruder helfen, damit aber gleichzeitig zugeben, dass er die Urkunden gefälscht hat? Oder soll er nichts unternehmen, dabei Kim und sich selbst schützen und gleichzeitig vielleicht den Tod seines Bruders in Kauf nehmen? Wie er sich entscheidet, erfahren wir erst nächste Woche.

Eine Woche vor dem Finale der zweiten Staffel liefert das Team um Vince Gilligan und Peter Gould eine stimmige Folge ab, die eine interessante Ausgangslage für den Abschluss legt. Vom Grundton her ist „Nailed“ wieder weniger fröhlich, das Drama tritt in den Vordergrund. Eine kleine Aufheiterung gibt es in Form einer weiteren Guerilla-Filmemacher-Szene: Jimmy und seine inzwischen durch eine Makeup-Artistin erweiterte Crew wollen einen Spot auf dem Gelände einer Schule drehen. Als Zuschauer lernen wir dabei, dass der „Piña Colada Song“ von einem gewissen Rupert Holmes geschrieben wurde. Szenen dieser Art funktionieren in der Serie immer, eine pro Folge darf es in Zukunft gerne sein. Überhaupt wünscht sich dieser Rezensent, dass Jimmy endlich eigene Klienten bekommt. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal sage, aber: Ein paar Procedural-Elemente würden der Serie durchaus stehen.

Better Call Saul läuft bei Netflix, jeden Dienstag gibt es eine neue Folge.

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