„Better Call Saul“-Kritik Ep. 2.02: „Cobbler“

Jimmy McGill erzählt mal wieder eine seiner erfundenen Storys; Foto: Sony TV/AMC

Diese Woche bei „Better Call Saul“: eine lustige Geschichte rund um einen Kuchen und eine ausgewogenere Mischung aus Drama und Komödie.

Die Folge eröffnet mit Jimmys McGills Bruder Chuck (Michael McKean), der Klavier spielt. Leider, muss man sagen, denn sein Handlungsstrang gehörte in der ersten Staffel zu den schwächeren. Vor allem das konstruierte Ende, in dessen Folge sich die beiden endgültig zerstritten, sorgte nicht gerade für Begeisterungsstürme. Chuck sitzt jedenfalls noch immer daheim in seinem abgedunkelten Heim und geht so gut wie nie raus. Das schließen wir aus der Tatsache, dass er sich weiterhin Lebensmittel von Howard Hamlin (Patrick Fabian) liefern lässt, der ihn auch gleich darüber in Kenntnis setzt, dass Jimmy jetzt für die Kanzlei Davis & Main arbeitet. Chuck kann seinen Unmut nur schwer verhehlen.

Jimmy (Bob Odenkirk) geht es derweil gut. Er kann sein altes Büro im Hinterzimmer des asiatischen Nagelstudios aufgeben und sein Schrott-Auto in Rente schicken, denn sein Arbeitgeber stellt ihm einen schnieken Firmenwagen. Auch mit Kim (Rhea Seehorn) läuft es wieder besser. Trotzdem bekommt der Zuschauer unterschwellig den Eindruck vermittelt, dass dieses Glück nicht von langer Dauer sein wird. Denn der hübsche Kaffeebecher, ein Geschenk von Kim, passt nicht in den Halter des neues Fahrzeugs. „Must be metric“, mutmaßt McGill. Im Folgenden entdeckt er dafür eine weitere Ungereimtheit in den Sandpiper-Verträgen, was ihm ein Lob seines Chefs einbringt.

Mike Ehrmantraut (Jonathan Banks) muss sich wieder mit dem lästigen Kleindealer Pryce (Mark Proksch) herumschlagen, der tatsächlich freiwillig bei der Polizei auftaucht. Da Mike immer noch als Parkplatzwächter dort arbeitet, kann er Pryce immerhin davon abhalten, hineinzugehen und verspricht ihm, dessen geliebte Baseballkartensammlung wiederzubesorgen. Er macht Nacho (Michael Mando) ausfindig und bietet ihm einen Deal an: Baseballkarten und 10.000 Dollar her, dafür 60.000 Dollar zurück. Wie das funktinioniert? Pryces nagelneuer Hummer, dessen gelbe Leuchtfarben quasi „Drogen-Dealer“ schreien, geht in Nachos Besitz über. Dieser macht abschließend klar, dass er mit Pryce nie wieder zu tun haben will.

Bekloppte Einfälle machen die Figur interessant

Im Anschluss ruft Ehrmantraut Jimmy an und fragt, ob dieser weiterhin „morally flexible“ sei. Jimmy ist gerade in der richtigen Stimmung, tauchte sein Bruder doch unerwartet im Business-Meeting auf. Also begleitet er Pryce, der eigentlich Daniel Wormald heißt, zu dem Gespräch mit der Polizei. Dort läuft McGill zu Hochform auf und befindet sich nicht mehr weit von seinem zukünftigen Saul-Goodman-Ich entfernt. Er erfindet eine unterhaltsame Geschichte und sort dafür, dass Wormald nicht mehr von den Ordnungshütern behelligt wird – falls dieser ein Video liefern kann, das ihn als Baby verkleidet und in einer Torte sitzend zeigt. Kim gefällt die ganze Geschichte weniger, sie macht Jimmy moralische Vorhaltungen.

Schade, dass die Folge wieder mit so einer unfröhlichen Stimmung enden muss. Denn vorher besinnt sich die ausführende Autorin Gennifer Hutchison auf das, was die Figur Saul Goodman ursprünglich so interessant gemacht hat: den besonderen Humor, die überdrehten Storys. Bekloppte Einfälle wie die erfundene Hintergrundgeschichte um den „Hoboken Squat Cobbler“ sind das Salz in der Suppe dieses Charakters. Man kann sich nur wünschen, dass es davon in Zukunft mehr gibt.

In „Cobbler“ liegt das Augenmerk glücklicherweise verstärkt auf den lustigeren Seiten von Jimmy McGills Geschichte. Bob Odenkirk besitzt bekanntermaßen ein gutes Gespür für Comedy-Timing und überzeugt dann viel mehr als in ernsteren Momenten. Die köstliche Szene im Polizei-Vehörraum ist nur ein Beispiel dafür. Aber auch die Nebenrollen dürfen dieses Mal für einige Lacher sorgen. Die Kombination aus der Genervtheit von Mike und der Naivität von Wormald (dessen Darsteller Mark Proksch übrigens auch Stand-Up-Comedian ist) funktioniert hervorragend, lässt sich vermutlich aber nicht endlos wiederholen.

Bekommen Vince Gilligan, Peter Gould und ihr Team den Spagat zwischen ernsthaftem Drama und komödiantischen Szenen so gut hin wie in „Cobbler“, kann die Serie doch noch richtig gut werden und ihre bisherige nette Beliebigkeit ablegen.

„Better Call Saul“ ist in Deutschland auf Netflix zu sehen, jeden Dienstag wird eine neue Folge online gestellt.

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