„CopStories“-Kritik 2.03: „Teufelsroller“

Starre Blicke bei Leila (Claudia Kottal) und Lukas (Serge Falck). Quelle: CopStories DVD, Gebhardt Productions

Bevor im Winter Staffel 3 im Fernsehen anrollen soll, strahlt der ORF noch einmal die ersten beiden aus. „Teufelsroller“ ist die unheilsvolle Folge Nummer 13, die an Dramatik einem Staffelfinale nichts nachsteht: Hofmeister, Bergfeld und Altan wollen Dogan bei einem Drogendeal endlich überführen – aber dann geht plötzlich alles schief…

Es ist ungewöhnlich für eine Serie, einen solch großen Coup wie diesen hier mitten in der Staffel abzuziehen: Nicht nur, dass mit Altan in der dritten Folge ziemlich unvermittelt eine der vordersten Hauptfiguren der Serie stirbt, sondern der gesamte Handlungsstrang wird aufgesprengt. Mit Dogan auf der Flucht, Altan und Hamit tot und Efe hinter Gittern gibt es hier auch kaum noch verbleibende Ermittlungen anzustellen. Man kann „CopStories“ nicht vorwerfen, seinen Haupthandlungsstrang ohne Feuerwerk enden zu lassen: Der namensgebende Teufelsroller fliegt spektakulär in die Luft, die gesamte Polizeiaktion ist komplexer und spannender als sonst, und mit Altans Tod erreicht „CopStories“ auch eine emotionale Resonanz, die die Serie bislang selten erreichte.

Die Gründe für diese vergleichsweise schnelle Entwicklung sind logistischer Natur: Fahri Yardim war für das kleine „CopStories“ zwischen den ersten beiden Staffeln ein zu großer Name geworden, sodass er für Staffel 2 anscheinend für nur drei Folgen verpflichtet werden konnte, und ohne Altan haben Dogan, Efe und Hamit nur eingeschränkte Spielmöglichkeiten. Altans Tod erklärt auch das plötzliche Techtelmechtel von Leila und Altan: „CopStories“ wollte neben Bergfeld und Eberts noch einen weiteren Kollegen emotional an Altan binden, um dessen Verlust nochmal zu verstärken. Das wirkte in „Koide Oide“ eher konstruiert, zahlt sich in „Teufelsroller“ und wohl auch später in der Staffel aus: Eberts‘ und Bergfelds Reaktionen auf Altans Ableben sprechen Bände, aber Leila toppt die beiden noch einmal in Sachen Verzweiflung und Dramatik.

Kaboom! Beeindruckend, wie realistisch das Feuer wirkt. Quelle: CopStories DVD, Gebhardt Productions
Kaboom! Beeindruckend, wie realistisch das Feuer wirkt. Quelle: CopStories DVD, Gebhardt Productions

Während Bergfeld noch nicht recht Zeit hat, den Verlust zu arbeiten, findet Eberts ausgerechnet in Efe einen Partner im Trost – Efes Hilflosigkeit findet in dieser Folge eine neue Fassade – was für eine wundervoll realisierte Figur. Das Gleiche kann man leider nicht von Hamit behaupten, der auch in dieser Folge, seiner letzten, eine Karrikatur bleibt: Efe derart als Geisel zu nehmen und nebenbei Fernsehen zu schauen wirkt reichlich übertrieben. Außerdem passt das so gar nicht zu Dogans späterer Lüge, dass Altan die Familie verraten habe. Hamit mit dem Schaschlikspieß durchbohrt zu sehen fühlt sich dann widerum äußerst befriedigend an und passt wieder perfekt zu Efe – emotional sinnt er nach Rache, aber auf so hilflose Art, dass ihm bloß der Mord an Dogans Lakai in den Sinn kommt. Wer Zweifel hat, dass der Dogan-Handlungsstrang nach „Teufelsroller“ noch fortgesetzt werden kann, wird spätestens dadurch eines Besseren belehrt.

Im Vergleich zu den großen Veränderungen, die der Drogendeal für die Serie mit sich bringt, verblassen die anderen Handlungsstränge, obwohl sie durchaus auch große Schritte für die jeweiligen Figuren beinhalten. Beispielsweise sehen wir erstmals Flos oftmals erwähnte Ex: Sie ist tatsächlich eine „Hex“, wie Flo immer betonte. Dummerweise bringt ihr Verhalten genau jene Heißblütigkeit aus Flo heraus, sodass einige ihrer Vorwürfe zu selbsterfüllenden Prophezeiungen werden. Immer, wenn Kinder im Spiel sind, kann Flo seine Emotionen nicht im Zaum behalten. Roman etscheidet sich in dieser Folge endlich, von daheim auszuziehen, auch wenn er sich dafür einen unglücklichen Moment aussucht.

Gerade mit Eberts findet die Serie aber eine sehr gelungene, thematische Ergänzung zu Altans Tod: Während „CopStories“ kontinuierlich mit ein paar dicken, türkischen Klischees arbeitet (oder: gearbeitet hat), wird Eberts ironischerweise genau in dieser Episode dazu beauftragt, gerade diesen in Zukunft den Garaus zu machen. Insofern schließen sich in „Teufelsroller“ gleich mehrere Kreise – nur Dogan bleibt noch auf der Flucht. Im Andenken an Altan wird den Cops wohl nichts anderes übrig bleiben, als ihn umso entschlossener zu jagen.

„CopStories“ Staffeln 1 und 2 werden seit dem 7. Juli jeden fußballfreien Dienstag um 21.05 Uhr auf ORFeins ausgestrahlt. Danach sind die Folgen jeweils für sieben Tage in der ORF-TVthek (auch weltweit) verfügbar. Beide Staffeln sind als DVD erhältlich.

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