„Masters of Sex“-Kritik: Ep. 3.11: „Party of Four“

Partytime! Partytime? Partytime?? Leider nein; Foto: Lionsgate TV

Was läge näher, als in der Folge vor dem Staffelfinale noch einmal die Konflikte der Hauptfiguren komplett auszubuchstabieren? Und was könnte gleichzeitig noch überflüssiger, zäher und trauriger sein als eben genau das? Erneut beweist die dritte Staffel, dass ihr zentrales Thema das für den Zuschauer schmerzvolle Hinauszögern des Höhepunkts ist.

Wer mitgezählt hat, konnte ahnen, dass nun die “Flaschen-Folge” anstand, also jene, in der man durch die Beschränkung auf wenige Drehorte die Produktionskosten unter den Staffelschnitt drückt. Ein Thema, dem sich Hari bestimmt eines Tages ausführlicher annehmen wird. Was manchmal herausragende Fernsehmomente produziert, lässt einen diesmal allerdings Schlimmstes befürchten. Davon inspiriert werde ich mich nun in meiner Kritik bei den sprachlichen Mitteln ebenfalls auf das Nötigste beschränken.

Bill hat einen Plan. Er will Virginia manipulieren. Sie soll ihr Verhältnis mit Dan Logan lösen. Dafür ist ihm jedes Mittel recht. Das hatten wir schon. Wir haben verstanden. Die Autoren sind anderer Meinung. Schon wieder. Oder immer noch. Diesmal bringt er also sich und Virginia mit den Logans an einen Tisch zusammen. Der ist viel zu klein und steht in einem New Yorker Nobelrestaurant.

Konservativste Rollenverteilung

Währenddessen spielt Paul bei Libby den besseren Papa. Johnny redet sogar mit ihm. Einige Folgen zuvor hat er das Gleiche seinem leiblichen Vater verweigert. Endlich legen die Autoren dem Jungen mal Worte in den Mund! Wenig später kann Libby mal aufhören, nur Brote zu schmieren und stattdessen Gefühle managen. Caitlin FitzGerald ist die Erleichterung förmlich anzusehen. Endlich mal ein Szene ganz ohne Hysterie. Anscheinend hat Johnny nie nach seinem Opa gefragt. Libby füllt die Lücke und das ist die mit Abstand beste Szene der Folge. Leider macht sie sich dann später zum Opfer ihrer Kinder. Also sie verzichet auf ihr eigenes Glück zum Wohle ihrer Kinder. Denn deren Papa ist kein Monster. Dafür lebt sie ihnen aber das überholteste nur denkbare Frauenbild vor. Wie doof ist das denn bitte? Ich will nur einmal eine entspannte Libby sehen. Einmal! Warum keine modernere Lösung anstreben? Eine offene Familienstruktur? Wie bereits in der ersten Folge dieser Staffel schon angedeutet. Plus Paul. Bill wäre sicher als Erster froh darüber. Seine Anwesenheit zu Hause wäre überhaupt nicht mehr erforderlich. So bleibt alles beim Alten. Paul muss anderswo leckende Abflüsse reparieren gehen. War ja klar.

Stattdessen wird Bill in New York selbst wieder zum unausstehlichen Teenager. Ein Hahnenkampf zwischen ihm und Dan entbrennt um Virginia. Keine Pointe. Wirklich keine. Weil Betty nur erwähnt wird und nicht an Hosen zupfend unter dem Tisch sitzt. Ein paar tolle Dialogzeilen waren dabei. Vielleicht zitiert euch Marcus ja welche. Ich hebe mir meine Satzzeichen für nächste Woche auf. Jens Prausnitz

Sooo schlecht fand ich die Folge im Gegensatz zu Jens jetzt nicht. Im Vergleich mit dem traurigen Rest der  Staffel würde ich sogar sagen, es war eine der besten. Klar, das Ganze ist kammerspielartig inszeniert, aber das muss ja nicht schlecht sein. Wirklich Neues haben wir auch nicht erfahren, aber wenigstens kamen die Gefühle mal zum Ausbruch, statt immer nur unter dem Laken…äh, unter der Decke…gehalten zu werden.

Die ganze Handlung in dem Nobelrestaurant ist auch irgendwie witzig, dank der Differenz zwischen dem Verhalten der Gäste und dem übertrieben vornehmen Getue der Französisch sprechenden Kellner. „Will there be any more coming and going?“ ist schon eine gute Frage, die man sich für die nächste zu schreibende Boulevardkomödie merken sollte. Außerdem haben wir gelernt, dass (nur früher?) in amerikanischen Luxusgaststätten auf der Damentoilette Eau de toilette kredenzt und bei Bedarf (zu viel durcheinander gegessen, wieder mit dem Saufen angefangen) sogar Mundwasser gereicht wurde. Schauspielerisch ist zudem an diesem ganzen Strang nichts auszusetzen, insbesondere Josh Charles ist in dieser Rolle wirklich sehr gut besetzt. Was mich mittlerweile allerdings echt völlig kalt lässt, sind Bill Masters‘ manipulative Spielchen. Dagegen war Don Draper ja ein netter Kerl mit komplett nachvollziehbarem Verhalten.

Als wäre man im ZDF

Der Parallelhandlungsstrang hat nicht nur endlich mal den kleinen Johnny zum Sprechen gebracht, sondern auch einen lang erwarteten Einblick in Libbys Gefühlshaushalt gewährt. Dass sie dabei gegenüber Paul zum Schluss noch mal alles ausbuchstabieren musste, was man sich als halbwegs intelligenter Zuschauer sowieso schon seit zwei Staffeln gedacht hat, war etwas überflüssig. Wir sind doch hier nicht im ZDF, wo man auch noch den Letzten vor dem Fernseher abholen muss! Dass Bill seinen Sohn wirklich liebt, wie Libby ihm gegenüber betont, wage ich übrigens zu bezweifeln. Ich glaub eher, er ist dazu gar nicht fähig, weil … siehe sein Vater. Interessant war wieder zu sehen, dass man in den 1960er Jahren noch ins Visier der Polizei geraten konnte, wenn man (als Gynäkologe!) einem Heranwachsenden Aufklärungsunterricht erteilte.

Nachdem jetzt alle ihre Entschlüsse gefasst haben (Libby bleibt bei Bill, Virginia hat gemerkt, dass der ein Arsch ist), könnten sich die Autoren endlich mal so etwas wie neue Entwicklungen einfallen lassen – am besten ohne Gorillas, nervige Töchter, nervige junge Studienteilnehmerinnen und unglaubwürdige Charakterentwicklungen. Aber allzu hoch möchte ich meine Hoffnungen darauf nicht mehr hängen.  Marcus Kirzynowski

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