„Sedwitz“-Kritik: Ep. 1.03: „Echtgeld“

Wer ertappt hier eigentlich wen? Foto: ARD

Mit der dritten Folge verfestigt sich der Eindruck, dass man es bei “Sedwitz” mit einem Sitcom-Volltreffer zu tun hat, denn der Spaß ist auch diesmal wieder viel zu schnell vorbei. Man wünscht der Serie mehr Episoden auf einem prominenten Sendeplatz.

Die Beiläufigkeit, mit der hier deutsche Befindlichkeiten Ost wie West erzählt werden, ist ungemein wohltuend. Gemeinsam ist beiden Seiten, dass man sich bequem eingerichtet hat und die Ruhe vielleicht eine Idee zu gelassen verwaltet. Während man im Osten mit dem Maschinengewehr auf Wildschweinjagd geht, weiß der Ohrenzeuge dessen im Westen, dass wieder jemand auf der Flucht erschossen wurde, und murmelt “diese Schweine”. Der Major auf eigener Seite kommentiert die erfolgreiche Prüfung der Waffe und das damit erlegte Tier auf der Motorhaube mit einem “Ich guck jetzt weg, und wenn ich wieder hinguck …” – was von Olaf Burmeister so kindergartentauglich gesprochen wird, dass es eine Wonne ist. Seine ausgezeichneten Russischkenntnisse hingegen könnten wohl eine Überarbeitung vertragen, als er als Übersetzter einspringt, während eigentlich Ralle vom russischen Kollegen befragt wird.

Der möchte seine Frau im Interhotel zum Tanz ausführen, scheitert aber am Türsteher an der fehlenden “Reservierung”, sprich der titelgebenden West-Währung. Die D-Mark muss her und lockt in Form von im Westen zu verscherbelnden Antiquitäten, und so macht er sich mit einem Spinnrad auf den Weg zur Transformations-Station.

Derweil entpuppt sich der bereits in den beiden Vorgängerfolgen am Rande aufgetauchte Holzfäller (den wir allerdings nie einen Baum auch nur einen Ast haben krümmen sehen) als Agent, der Hubert auffordert, “Ernst Thälmann” alle Unterstützung zukommen zu lassen, die dieser benötige, und vereidigt ihn dann kniend(!) auf das Grundgesetz der BRD: “Ich schwöre auf die vorläufige Verfassung der Bundesrepublik Deutschland …” – ein Kleinod ist diese Szene, die Absurdität ihrer getroffenen Aussagen hinterfragt niemand, und im Ergebnis wissen sie “jetzt mehr als Ihre Kollegen und Ihre Vorgesetzten, und das bleibt auch so.” So beiläufig mit der deutschen Sprache spielt sonst derzeit neben „Eichwald, MdB“ nur noch “der Tatortreiniger”, wenn Schotty dort sein hellsichtig ehrliches, zum running gag gewordenes “dazu kann ich nichts sagen” zu Protokoll gibt.

“Da werden sich die Kinder im Osten aber freuen”

Lauter geht es dann auf dem Dorffest zu, wo ein Spanferkel gegrillt wird und man sich im Osten im Beobachtungsturm anders zu helfen weiß. Zum Übertönen der “I have a dream” von Abba spielenden Kapelle muss die Lehrerin Astrid immer lauter werden, während sie Intimitäten Dritter herausposaunt, die sie, ohne Ralle überhaupt zu Wort kommen zu lassen, ihrem Gegenüber bereits in Coburg angedichtet hat, und strickt daran nahtlos weiter. So verschwindet das Spinnrad als Spende für die Tschernobyl-Kinder, und Ralf muss auf anderem Wege an die Fremdwährung kommen. Judith Richter hat sichtlich Spaß an dieser Rolle, und man ist froh darüber, nicht selbst ihrem vereinnahmenden Wesen ausgeliefert zu sein. Beschwipst geht es dann mit der Dorfgemeinschaft noch an den Schießstand.

Im Osten wechselt ebenfalls eine Antiquität von Sigge Wetzel den Besitzer, als sie vom begutachtenden Professor in Augenschein genommen wird: “Würde ich Ihnen abkaufen, wenn es Ihr Eigentum wäre. Ist es aber nicht mehr. Ich erkläre es hiermit zum Volkseigentum.” – Wenn es um den eigenen Vorteil geht, bildet eben jedes System jene Volksgenossen heraus, denen es ein bisschen besser geht als dem Durchschnittsbürger.

Ein bisschen Sorgen bereitet mir allerdings, das Ralle in seiner Liebenswürdigkeit so herzensgut brav rüberkommt, dass ein bisschen Konflikt nicht schaden könnte. Den hat er aber vermutlich in Form einer ihm von Astrid zugesteckten Telefonnummer bereits in seinem Trainingsanzug, der nur darauf wartet, von seiner Ehefrau entdeckt zu werden.

Das verzeiht man noch gern, gibt es doch im zu stark vignettierten Interhotel die Cover-Version von “Kalimba de luna” zu hören, womit sichergestellt wird, das man auch dort nicht in der Lage ist, eine anständige Party zu feiern.

“Sedwitz” läuft donnerstags in der ARD um 23 Uhr 30, freitags beim BR um 22 Uhr 45, beim MDR sonntags um 22 Uhr, in der Mediathek, online, als Podcast und auf youtube.

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