Lückenfüller: The Battle of two Marylins

Ist sie die beste Marylin? Ivy (Megan Hilty); Foto: NBC

Es hat nicht sollen sein. Wenn Serien nach wenigen Folgen wieder eingestellt werden, dann ist das traurig, aber kein Grund, nicht trotzdem einen Blick zu riskieren. In dieser Reihe „Lückenfüller“ empfiehlt Hari List kurzlebige Serien der jüngeren Vergangenheit, die euch das Sommerloch und die Wartezeit bis zum nächsten Staffelstart versüßen sollen. Heute: „Smash“

„We could have a Baseball number“

Die zwei Gesangstalente Ivy (Megan Hilty) und Karen (Katharine McPhee) könnten unterschiedlicher nicht sein, rittern aber um die gleiche Rolle: Marylin Monroe. Im neuen Stück des erfolgreichen Musicalduos Tom (Christian Borle) und Julia (Debra Messing) stehen Marylin und ihre Männer (Baseballer Joe DiMaggio, Arthur Miller und JFK) im Mittelpunkt. Das „wer mit wem“ soll in Folge nicht nur bei Castingentscheidungen eine Rolle spielen, sondern auch off-stage.

Die beiden jungen Damen liefern sich eine erbitterte Schlacht um die Rolle ihres Lebens, während Producerin, Autoren, Regisseur und eine Armada von Nebencharakteren sich mit meist unwichtigen Handlungen oder bloßen Befindlichkeiten aufhalten.

In Staffel zwei wird ein anderes junges Komponistenduo (Jeremy Jordan und Andy Mientus) entdeckt. Ihre Underground-Show „Hitlist“ entwickelt sich schnell zum Geheimtipp. Während das Marylin-Musical „Bombshell“ (und die Serie) die Probleme der ersten Staffel scheinbar hinter sich gelassen hat (und vor allem die richtigen der unwichtigen Nebenfiguren entsorgt wurden) und sich auf der Schnellstraße zum Tony-Award befindet, kämpfen die Macher von „Hitlist“ mit dem Tempo ihres Erfolgs.

Ivy (Megan Hilty) und Karen (Kathrine McPhee) bleiben bis zum Schluss Konkurrentinnen. oto: NBC
Ivy (Megan Hilty) und Karen (Kathrine McPhee) bleiben bis zum Schluss Konkurrentinnen. Foto: NBC

Es beginnt wie eine hässliche Massenkarambolage auf der Autobahn, kratzt noch die Quotenkurve und wird, nachdem all die richtigen Maßnahmen ergriffen wurden, leider doch abgesetzt. „Smash“ ist eine Serie, die den Zusatz „ihrer Zeit voraus“ vermutlich wirklich verdient.

Dabei war die Ausgangslage durchaus gewagt, aber erfolgversprechend. Ursprünglich für Showtime entwickelt, war man sich sicher, im Wildwuchs der Serien eine kleine unbesetzte Nische gefunden zu haben. In der geheimnisvollen und glamourösen Welt des Broadways und seiner Musicaltheater sollte das bekannte „Backstage“-Setting mit einer ordentlichen Portion Realitätsanspruch, eigens geschaffener Musik und trotzdem ordentlich Glitzer in eine für die meisten verschlossene Welt einladen.

Let’s be meta

Um den modernen Serienconaisseur zu fordern, begab man sich gleich auf mehrere Meta-Ebenen. Man schrieb ein eigenes Musical über Marylin Monroe namens „Bombshell“, dessen Produktion die Rahmenhandlung bildet. In der zweiten Staffel kam mit „Hitlist“ der kleine, dreckige David-Kontrahent dazu, der auch das Ensemble verteilte und dringend benötigten neuen Darstellern einen Einstieg ermöglichte. Die Songs beider Musicals hatten nicht nur den Zweck, Teile eines Stücks im Stück zu sein, sondern sollten mit ihren Motiven und Texten die aktuellen Probleme der Protagonisten begleiten und akzentuieren – was auch teilweise sehr gut gelang.

Die nächste Ebene waren die Darsteller. Von etablierten Hollywood- und Seriendarstellern über „American Idol“-Sternchen war alles vorhanden. Und natürlich auch ein großes Bündel an echten Broadway-Stars, die Broadway-Stars spielten, die sich mit angehenden Broadway-Stars (gespielt von Broadway-Stars oder angehenden Broadway-Stars) um Plätze in fiktiven Musicals stritten, welche aber in (fiktiver) Konkurrenz mit realen Stücken standen. Und manchmal tauchten reale Broadway-Stars als sie selbst auf.

Smash
Die fiktiven Schaffer von „Bombshell“ (Christian Borle und Debra Messing) und die fiktive Produzentin (Anjelica Huston). Geschrieben wurde „Bombshell“ vom Duo Scott Wittman und Marc Shaiman („Hairspray“, „Catch Me If You Can“), Produzent der Serie war Steven Spielberg. Foto: NBC

Es wurde also gesungen. Als Teil des Settings, weil Bühnenstücke geprobt und aufgeführt und Auditions absolviert wurden. Aber auch als inszenatorisches Stilmittel, wofür man oftmals auf bekannte Popsongs zurückgriff – was erstaunlich gut funktioniert. Beide Musicals sind musikalisch und textlich hervorragend und bräuchten sich nicht zu verstecken, sollten sie jemals zu einer Aufführung gelangen.

Produzent Steven Spielberg hatte genau das im Kopf: die Stücke zuerst mit einer Serie bekannt machen und dann am Broadway zur Aufführung bringen. Ihm ist es zu verdanken, dass die Serie so viel Spielraum bekam und sich nach der desaströsen ersten Staffel noch einmal neu erfinden durfte. Woran es schlussendlich haperte, können Interessierte hier nachlesen – es lohnt sich, aber erst nachdem man die Serie gesehen hat!

Warum sollte man das sehen?

Zu allererst wegen der Musik. Wer Musicals mag, wird mit „Bombshell“ und „Hitlist“ bestens versorgt. Diese Musik wird von hervorragenden Sängern und Tänzern dargeboten, die Choreografien (und mit ihnen Schnitt und Kamera) suchen ihresgleichen.

Die Darsteller sind durch die Bank gut, wenn auch manchmal Opfer des Drehbuchs. Hier gibt sich Best-of-Broadway die Klinke in die Hand; um die sehen zu können, muss man sonst 200 Dollar Eintritt zahlen.

Staffel zwei ist angesichts der Ausgangslage hervorragend, wenn auch mit einem etwas erzwungenen Ende. Staffel eins ist ein Musterbeispiel, wie man es nicht macht, wie große Ambitionen, viel Production Value und punktuelle Weltklasse durch Ego zerstört werden.

Es gibt viel zu lachen, es gibt viel zu ärgern, es gibt viel zu sehen.  Und für angehende Drehbuchautoren gibt es viel zu lernen. Punkt. Kann man sich jedenfalls anschauen – so zwischendurch als Lückenfüller.

„Smash“
NBC, 2012 – 2013, 32 Folgen á 42 Minuten

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