Von Mandelsteinen und geträumtem Sex mit dem Vater – Lena Dunham versucht sich mit „Not That Kind of Girl“ als Schriftstellerin

S. Fischer Verlag

Lena Dunham ist unter 30 Jahre alt, hat aber schon ihre eigene Fernsehserie. „Girls“ kreist um die First-World-Problems einer Gruppe Freundinnen in New York. Dunham erfand die Kultserie nicht nur, sie schreibt auch Drehbuch, produziert, führt Regie und spielt die Hauptrolle. Ein Ausnahmetalent – ohne Zweifel. Jetzt veröffentlicht sie auch noch ein Buch.

Episoden aus Dunhams Leben – hübsch thematisch sortiert und aneinandergereiht: In „Not That Kind of Girl“ geht es um alles und nichts. Schwer zu sagen, ob Dunham nun ein Sachbuch oder einen Roman vorgelegt hat. Eine zusammenhängende Handlung sucht man vergebens. Der Untertitel heißt „Was ich im Leben so gelernt habe“. Das mag nach einer Autobiographie klingen – dafür spricht, dass sie aus der Ich-Perspektive erzählt und alle wichtigen Fakten übereinstimmen. Aber Dunham ist jung und nach eigener Aussage „eine unzuverlässige Erzählerin“. Ein Detail erfinde sie für jede Geschichte mindestens hinzu.

Das ist besser so: Denn die Episoden offenbaren erstaunlich Intimes. Sie erzählt von ihrer Kindheit, ihrer Jugend und ihren Anfängen beim Fernsehen – und sie liebt Listen. Seitenweise kann die Welt nun lesen, was Lena Dunham die letzten Tage gegessen hat.

Aus dem elterlichen Ehebett

Um so etwas unter die Leser zu bringen, muss man sich selbst schon sehr interessant finden. Allerdings ist Dunham natürlich auch eine bemerkenswerte Künstlerin – und lustig. Es gibt im Buch eine Liste davon, was sie alles in ihrer Handtasche mit sich herumträgt: zum Beispiel neben ihrem neuen auch ihr altes iPhone. Nur um sicher zu gehen, dass es niemand findet, repariert und so die Fotos sehen kann, die sie von ihrem sonnenverbrannten Hintern geschossen hat.

Doch Dunham kann auch ernst: Lange litt sie unter Zwangsstörungen, schlief aus Angst bis ins Teenageralter hinein bei ihren Eltern im Bett. Später datete sie mit Vorliebe Männer, die sie schlecht behandelten. So schiss einer von ihnen einmal neben die Toilette und verlangte von Dunham, anschließend zu putzen. Auch, wenn sie diesem Befehl nicht folgte, räumt sie ein, von der Härte der Forderung erregt worden zu sein.

Schonungslos ehrlich

Neben ihrem Privatleben spielt auch die Arbeit eine Rolle. Zum Höhepunkt des Buchs zählt die Beschreibung vom Sexszenendreh:

Schauspielerinnen sagen gerne: „Es ist nur ein Job, man denkt gar nicht groß darüber nach“, aber ich will ehrlich sein. Es ist total merkwürdig. Ja, es ist nur ein Job, aber bei den meisten Jobs wird nicht von einem verlangt, dass man seine Vagina gegen den schlaffen, nylonverpackten Penis eines Typen drückt, der tonnenweise Make-up trägt, um die Akne auf seinem Arsch abzudecken. Ich habe schon einige peinliche Momente erlebt, meinem Spielpartner aus Versehen das Knie in die Eier gerammt und im grellen Studiolicht ein dickes, schwarzes Haar entdeckt, das mir aus der Brustwarze wuchs.

„Not That Kind of Girl“ ist ein Buch für Lena-Dunham-Fans. Sie erzählt von ihren Mandelsteinen und, dass sie von Sex mit ihrem Vater träumt. Diese Ehrlichkeit schockiert einerseits, ist andererseits aber auch ein gutes Stück weit sympathisch. In der ersten Staffel „Girls“ erzählt die von Dunham gespielte Figur, sie wäre gerne die Stimme ihrer Generation, um dann einzuräumen: „Naja, wenigstens eine Stimme einer Generation.“ Mittlerweile lässt sich festhalten: Dunham ist immerhin eine bedeutende Stimme, die im Gedächtnis bleibt. Wer Dunhams Arbeit allerdings noch nicht kennt, der sollte, bevor er zum Buch greift, doch lieber erstmal ihre Serie ansehen.

Lena Dunham, „Not That Kind of Girl – Was ich im Leben so gelernt habe“. Aus dem Amerikanischen von  Sophie Zeitz und Tobias Schnettler, 19,99 Euro, S. Fischer Verlag

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