Podcast 016: „Carnivàle“

Das serielle Quartett widmet sich diesmal einer Serie, die einerseits schon ein moderner Klassiker, andererseits zumindest hierzulande immer noch weitgehend unbekannt ist. Zeit, das zu ändern, denn „Carnivàle“ ist eines der Highlights in der an Highlights nicht armen HBO-Geschichte.

Begleiten Sie also Lina Kokaly, Jens Prausnitz, Hari List und Marcus Kirzynowski auf ihrer Reise mit einem verarmten Wanderzirkus durch die unwirtlichen Weiten des US-amerikanischen Dust Bowl der 1930er Jahre, wo schon die Konfrontation mit den Mächten des Bösen wartet! Schnitt: Marcus Kirzynowski; Intro/Outro: Jens Prausnitz

Linktipps:

Ein ausführliches zweiteiliges Interview mit Daniel Knauf

Das Pitch-Dokument (auch bekannt als Serienbibel), das die Hintergründe der Figuren und die Mythologie hinter der Serie erklärt (PDF-Link)

Zur Mythologie gibt es tatsächlich auch einen eigenen Wikipediaeintrag.

Eine Inspiration für die Serie war der Klassiker „Freaks“ von Tod Browning. (ein Ausschnitt)

In der (ausgezeichneten) „X-Files“-Episode „Humbug“ ging es ebenfalls mal um einen Wanderzirkus.

3 comments

  1. Erratum! Wegen dem Bildungsauftrag wäre es gewesen!

    Es war natürlich nicht Teddy, sondern Franklin D. Roosevelt Präsident während der Handlung der Serie und auch während des 2. WK (1933-1945, als einziger mehr als 2 Amtsperioden übrigens) Teddy war während des ersten WK Präsident. Sorry, hab ich peinlicherweise in der Hitze des Gefechts verwechselt.
    😉

  2. „Carnivàle“ ist definitiv eine Serie, bei der es anfangs schwer fällt, reinzukommen, weil der Fokus am Anfang so stark darauf liegt, einen möglichst realistischen Eindruck von dieser Welt und dieser Zeit zu vermitteln, so dass sich ein konkreter Bezug zu den (wahnsinnig vielen!) einzelnen Charakteren und das Interesse an den Storylines erst mit der Zeit einstellt. Von daher kann ich Lina auch nicht vorwerfen, dass sie (nach wie vielen Folgen?) an der Serie keinen Gefallen gefunden hat, auch wenn ich mir fast sicher bin, dass sie ihre Meinung spätestens mit der Babylon-Doppelfolge ändern würde. Meines Erachtens steckt da nämlich schon relativ viel Twin-Peaks-DNA drin, auch wenn zweifellos der Humor und die Leichtigkeit fehlen, die Twin Peaks zwischendurch versprüht hat. Aber es ist nunmal eine Serie, die in einer der dunkelsten Perioden der US-Geschichte spielt, von daher ist der Unterhaltungswert wohl auch bewusst hinten angestellt worden, um eben diese düstere Atmosphäre aufrecht zu erhalten. Denn wenn die allgemeine Verzweiflung der Menschen und die Aussichtslosigkeit ihrer damaligen Situation nicht glaubhaft rüberkommen würden, hätte so manch eine Storyline (und auch der Carnivàle selbst) einfach keine Daseinsberechtigung. Entsprechend versteh ich den Ansatz, den die Macher hier gewählt haben, genauso wie die Ungeduld und Frustration der Zuschauer, die nach paar Folgen aufgeben.

    „Carnivàle“ ist auch in der Hinsicht Geschmackssache, dass man eine gewisse Frustrationstoleranz mitbringen muss, weil immer und immer wieder neue Fragen aufgeworfen werden, zu denen oft gar keine (oder erst sehr spät) konkrete Antworten geboten werden. Es gibt kaum eine Folge, bei der es nicht mindestens einen großen „Häh?“-Moment gibt, in dem das Gefühl hat, nur Bahnhof zu verstehen. Es gibt Leute, die sowas mögen und womöglich sogar Spaß daran haben, sich die wildesten Theorien zusammenzuspinnen, aber es gibt halt auch Leute, die bei sowas irgendwann vor lauter Reizüberflutung und Informationsüberfluss abschalten. Für mich persönlich hat die Mystery-Komponente hier eigentlich immer sehr gut funktioniert, und zwar wohl vor allem deswegen, weil man als Zuschauer nicht allein vor einem großen Rätsel stand, sondern vielmehr mit dem unwissenden Ben im gleichen Boot saß. Ich glaube auch, dass sein widerwilliges Verhalten genau deswegen manchmal nervt oder zumindest frustriert, weil man eben selbst hinter des Rätsels Lösung kommen will und Ben dazu einfach mal seinen Arsch hochkriegen muss. 😉

    Wobei sein Widerwille für mich auch durchaus nachvollziehbar ist, weil er eben weiß, welche Folgen seine Gabe haben kann und wie Menschen darauf reagieren. Wenn schon seine eigene Mutter ihn für einen Teufel hält, wie wird er dann erst in der breiten Öffentlichkeit ankommen? Außerdem interessieren sich die Menschen im Allgemeinen immer erst für sich selbst und nicht für andere. Deswegen finde ich seine Figur eigentlich erfrischend realistisch, weil sie sich von den üblichen TV-Klischees deutlich abhebt: seien’s jetzt Superhelden, die um jeden Preis die Welt retten wollen, oder auch übermotivierte Polizisten mit Helfersyndrom.

    Die Tatsache, dass ich die Serie hier noch stundenlang auseinandernehmen könnte, obwohl es schon Jahre her ist, dass ich sie gesehen habe, spricht eigentlich für sich. Da steckt einfach unheimlich viel drin. Kann mich auch an keine andere Serie erinnern, bei der ich mal das dringende Bedürfnis verspürt hätte, die Bibel(!) aufzuschlagen, um was nachzulesen…

    Wenn man mal (spätestens nach fünf Folgen) drin ist, wirklich ne wahnsinnig tolle und interessante Serie!

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