Podcast 014: Webserien – Nur etwas für die Generation YouTube?

In diesem Monat diskutiert das serielle Quartett keine einzelne Serie, sondern ein ganzes Phänomen (oder vielleicht sogar eine neue filmische Kunstform?): Webserien. Immer mehr davon sprießen in den Weiten des Internets, generieren teilweise Hunderttausende Klicks auf Videoplattformen oder schaffen sogar den Weg ins reguläre Fernsehprogramm, wie bei „Web Therapy“ auf Showtime oder jüngst „Broad City“ auf Comedy Central geschehen.

Und branchenfremde Großkonzerne wie Toshiba und die Telekom produzieren sich gleich ihre eigenen Webformate. Was ist von alldem zu halten? Lösen die kurzen Folgen im Netz zunehmend die längeren Formate in der Glotze ab? Sind sie eine Spielwiese für aufstrebende Künstler, eine Chance, von der TV-Branche entdeckt zu werden oder gar eine kreative Alternative zum oft festgefahren wirkenden Fernsehgeschäft? Und welche Webserie lohnt sich wirklich anzusehen? Lina Kokaly, Jens Mayer, Hari List und Marcus Kirzynowski versuchen, im Dickicht des Angebots (und ihrer Gliederung) den Überblick zu behalten. Schnitt: Marcus Kirzynowski, Intro/Outro: Jens Prausnitz.

Besprochene Serien:

„The Guild“ (von Felicia Day, Comedy über eine Gruppe von sozial inkompetenten Online-Rollenspielern)

„My Gimpy Life“ (von Teal Sherer, Comedy über eine Hollywood-Schaupielerin, die im Rollstuhl sitzt; Rezension hier)

„Video Game High School“ (von Matthew Arnold, Freddie Wong, Will Campos und Brian Firenzi, Comedy über eine Schule, die Videospieler ausbildet)

„Web Therapy“ (von Lisa Kudrow und Don Roos, Comedy über eine Psychotherapeutin, die ihre Sitzungen via Webcam abhält; zwei Interviews zur Serie mit Lisa Kudrow)

„Broad City“ (von Ilana Glazer und Abbi Jacobson, Comedy über zwei junge Frauen und ihren Alltag in New York)

„Move On“ (von Matt Greenhalgh und Olivier Bugge Coutté, achtteiliger Agentenfilm der Deutschen Telekom, in dem Mads Mikkelsen mit geheimnisvollem Aufrag quer durch Europa reist; in einer Nebenrolle: Karl Merkatz)

„The Power Inside“ (von Matt Robinson, SciFi-Horrorparodie von Toshiba und Intel mit Harvey Keitel als Barbier und Alienbekämpfer; Rezension hier)

„Battlestar Galactica“-Webisodes: „The Resistance“, „The Face of the Enemy“, „Razor Flashbacks“ („Blood and Chrome“ ist nur noch als US-DVD verfügbar)

„Misfits“-Webisode mit dem Abschied von Nathan

5 comments

  1. Aaaargghhh!!!! Nein, was auf einem iPhone gedreht wird ist NICHT für die große Glotze geeignet! 1080p ist nicht gleich 1080p, die Frage ist bei welcher Datenrate, meine Lieben! Artefakte! Wieso denkt keiner an die Artefakte? (außer Indiana Jones)

    Wenn man was von Blu-ray guckt, dagegen kann weder Netflix und Co. anstinken, und das sieht man, es sei denn man gewöhnt sich an die minderwertige Qualität, und exakt das ist der Fall, das ist der Langzeiteffekt. Das Gequatsche von 4K bedeutet eben nichts, wenn man nicht von Flaschenhals der Datenrate die Sekunde bei welcher Datenkompression spricht!

    Das Eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Die Technik ist billiger, die Ausbildung nicht, und eben weil es immer mehr Technik gibt sind die Hürden ganz andere als früher. Es ist kein “ich schnapp mir die 8mm Kamera von Papa und filme Dinosaurier im Garten” mehr, und wenn man Mist gebaut hat ist eben alles unscharf oder schwarz. Solche Fehler taten weh und man lernte Grundlagen (Belichtungszeit, Schärfentiefe, Brennweite und vor allem: den Zusammenhang!) – heute stellt sich das iPhone automatisch ein, ebenso die Fernseher, und die Leute gewöhnen sich an falsche Bildformate, “cinemode” und sonstigen Schwachsinn inklusive. Hand aufs Herz, habt ihr bei euren Glotzen alle Einstellungen im Griff? Ich weiß wie schwer das mir und vielen Kollegen fällt, und wir sind Profis die jeden Tag damit zu tun haben, wie muss dass auf Konsumentenseite aussehen?

    Der “Production Value” kommt aus dem Handwerk – wenn man ihn jetzt nicht in Explosionen und Ausstattung misst. Eine gute oder geniale Idee gut umzusetzen ist gutes Handwerk. Lena Dunham hat die gleiche Idee wieder und wieder erzählt, nur jedes Mal besser! Das ist genau der springende Punkt: nicht immer neue Ideen gleich schlecht, sondern eine immer besser. Das ist Handwerk. Das ist ein Thema, und dann dazu stehen.

    Richtig ist, dass es theoretisch keinen Sender oder Produzenten mehr braucht, seit es youtube und vimeo gibt. Vor allem letztere Plattform sollte man nicht vergessen, weil man hier auch unabhängig von Werbekunden Geld verdienen kann, von Fans, Kollegen, als Spende, Miete oder pay-per-view etc. und nicht durch Sponsoren und „product placement“ – das ist die PEST wie Lina richtig anmerkt. Vor allem kanibalisiert Werbung und Sender die gelungenen Modelle gleich wieder, und vorbei ist es mit dem „neuen Medium“, ehe es zu sich selbst gefunden hat. Und weil jeder selbst zum Sender werden kann mit seinem mehr oder weniger gelungenen Katzenvideo (Simon’s Cat !!!) ist halt verdammt viel Lärm da draußen, dass es schwer fällt die Perlen zu finden. Analog zur Musik – heute sind alle überall, auf youtube und bandcamp, früher gab es schlecht produzierte Demos auf Kassette, die mindestens Portokosten verursacht haben. Amateure gab es schon immer, überall, aber heute müllen sie das Netz zu, und die Spreu vom Weizen zu trennen erfordert immer mehr Zeit, gleichzeitig gewöhnen wir uns an die minderwertige Ästhetik. Das ist eine gefährliche Eigendynamik, die aber für die Jugend des Mediums Internet spricht, nicht für jugendliche Internetnutzer.

    Webserien finde ich bis jetzt nicht sehr reizvoll, eine Ausnahme bildete die von BMW-Films produzierte „The Hire“ Serie mit Clive Owen vor 10 Jahren, die die Problematik schon auf den Punkt brachte – ohne Auto kein Film. Und als Drehbuchautor bist du eben eingeschränkt, wenn du Clive Owen nicht nur beim Bügeln zeigen darfst, es sei denn er macht das in einem Auto. Das kann handwerklich noch so gut aussehen, hinter den Kulissen ist die angezogene Kreativ- und Handbremse gezogen. Das ist FUNNY OR DIE und COLLEGEHUMOR, Sketch-Shows oder Marketing-Aktionen, aber nichts was für sich genommen allein trägt. Kann damit nichts anfangen, sorry.

  2. Datenkompression ist voll wie Flaschenhals leer – ich verstehen nur Strunz! 😉

    Mir geht’s bei Filmen/Serien mehr um Inhalte als um Wiedergabequalität. BluRay brauch ich nicht und bei professionellen Webstreams (iTunes etc.) seh ich mit meinem laienhaften Auge keinen Unterschied zu DVD.

    Deine Haltung zum Internet ist mir generell zu kulturpessimistisch. Natürlich gibt’s da viel „Müll“, aber das ist doch in anderen Medien nicht anders. Oder ist Privat-TV so viel anspruchsvoller, weil da keine Amateure arbeiten? Klingt ein bisschen so wie die alten verbitterten Zeitungsjournalisten in der letzten „The Wire“-Staffel, die nicht begreifen (wollen), warum die blöden Blogger ihr Geschäftsmodell kaputt gemacht haben. Da hilft nur leider das Jammern gar nichts, sondern man muss versuchen, das Beste aus den technischen Gegebenheiten zu machen, da es nichts bringt, drauf zu warten, dass dieses Internet irgendwann wieder verschwindet. Und wenn auf 10.000 Katzenvideos eine Lena Dunham kommt, die durch ihre Webserien entdeckt wird, ist es das doch schon wert!

  3. *seufz* DVD und iTunes in SD Auflösung dürften einander sogar nahe kommen, Blu-ray ist aber eine ganz andere Liga – wie soll ich das erklären? Auch das ist jedenfalls Production-Value.

    Übrigens liebe ich das Internet! Ganz ohne Brecht, und doch in seinem Sinne, nicht nur wegen der Dunhams und Katzenvideos, auch wegen der Blogs und tollen Seiten, außerdem gäbe es ja unseren Podcast gar nicht ohne).

    Mir geht es ebenfalls um Inhalte, allerdings bewerte ich die Gefahr durch eine Vereinnahmung seitens diverser Konzerne und Sponsoren anders, und schlage mich da ganz auf Lina’s Seite. Müll gab’s schon immer, und um die Perlen kümmern wir uns ja. Ich habe fertig (mehr WM-Bezug gibt’s hier nicht!)

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