Magical Muppet Tour: das Kino-Sequel mit Kermit & Co.

Die Oberbösewichte Nummer 2 und 1: Ricky Gervais und Constantine; Fotos: Jay Maidment, ©2013 Disney Enterprises, Inc. All Rights Reserved.

Nach dem erfolgreichen Comeback mit „The Muppets“ kommen Jim Hensons kultige Puppen nun mit der Fortsetzung in die Kinos: „Muppets Most Wanted“ ist eine verrückte Reise durch Europa und eine Hommage an den guten alten Caper-Movie. In den menschlichen Hauptrollen diesmal: die Serienstars Ricky Gervais und Tina Fey.

Als vor gut zwei Jahren nach mehr als einem Jahrzehnt Pause wieder ein neuer Muppet-Film in die Kinos kam, war das sicher ein ökonomisches Risiko für den Disney-Konzern. War der Vorläufer „Muppets from Space“ 1999 doch noch an den Kassen gefloppt und „The Muppets“ mit Produktionskosten von etwa 45 Millionen Dollar knapp doppelt so teuer. Aber die Investition machte sich bezahlt: Das Comeback spielte weltweit etwa 165 Millionen Dollar ein. So war klar, dass das Sequel nicht lange auf sich warten lassen würde. „That’s what we do in Hollywood“, kommentieren Kermit & Co. das gleich im Eröffnungssong selbst. Diesmal müssen nicht erst die Figuren wieder langatmig ein- und zusammengeführt werden, „Muppets Most Wanted“ fängt nahtlos nach dem Ende des Vorläufers an und die Handlung geht schnell in medias res. Vorher bietet der erwähnte Auftaktsong einen gelungenen Hollywood-selbstironischen Einstieg, wenn die Puppen über ein Studiogelände tanzen und sich Gedanken darüber machen, wie eine Fortsetzung denn aussehen könnte: „Gonzo with the Wind“ oder vielleicht doch lieber ein existenzialistisches Drama à la Bergman in Schwarz-Weiß und Fremdsprache, wie der schwedische Koch vorschlägt (in der deutschen Fassung ist der bekannter Weise Däne, weswegen die Anspielung wahrscheinlich nur halb so gut funktioniert). Mit solchen erwachsenen Gags knüpfen die Autoren an die ursprüngliche Hauptzielgruppe der Fernsehshow in den 1970ern an.

Willkommen in Deutschland: die Muppets in Berlin

Die Story selbst widmet sich einem Genre, dass die Figuren schon einmal in einem Kinofilm aufgegriffen haben: „The Great Muppet Caper“ von 1981. Diesmal allerdings alles aufwändiger, mit wesentlichem höherem Budget. Es ist schon auffällig, wie viele Szenen diesmal on location in halb Europa gedreht wurden. Von einem solchen Aufwand konnte man in den 90ern nur träumen, wo Muppet-Kinoabenteuer quasi komplett in Studio-Kulissen entstanden. Der Grund, warum die Truppe überhaupt ihre Heimat verlässt, ist ein perfider Plan des angeblichen Managers Dominic Badguy („It’s pronounced French, it means good guy“), verkörpert vom britischen Starkomiker Ricky Gervais. Der lockt die Muppets auf eine Europa-Tournee mit ihrer Show, während die Auftritte in Wahrheit nur als Tarnung für Raubzüge durch die großen Kunstmuseen des Kontinents dienen. Kermit wurde unterdessen mit einem verbrecherischen Doppelgänger namens Constantine ausgewechselt und in einen sibirischen Gulag verfrachtet. Der Running Gag ist dabei, dass sich beide nur durch ein Muttermal am Mund unterscheiden, aber trotzdem keiner der Freunde die Ähnlichkeit bemerkt – der alte Clark-Kent-Trick mit der Brille.

Während sich der echte Kermit im Gulag mit der strengen Aufseherin Nadja (Tina Fey mit herrlich übertriebenem russischen Akzent) herumschlagen muss, reisen die anderen Muppets nichtsahnend durch Europas Hauptstädte – stilecht in einem alten Zug mit Dampflok. Deutsche Zuschauer dürften besonderen Spaß an den Szenen in Berlin haben, wobei das Leben dort eher eine Mischung aus Ami-Stereotypen über Deutschland und Hommage an den expressionistischen deutschen Film ist („M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ lässt grüßen) und die Einwohner sich teilweise eher skandinavisch anhören. Auch Cameos deutschsprachiger Stars dürfen hier natürlich nicht fehlen. Aus dem cultural clash zwischen US-amerikanischen Figuren und Gepflogenheiten in „good old Europe“ bezieht der Film aber auch einige gute Gags, etwa wenn der französische Interpol-Agent (Ty Burrell), der den Muppets bald auf der Spur ist, pünktlich zum Feierabend um 14 Uhr die Pantoffeln anzieht.

The show must go on – auch im Gulag: Tina Fey und der echte Kermit beim Casting

Insgesamt wirkt die Handlung wesentlich stringenter und die Gags zielsicherer als im doch reichlich zerfaserten Vorläufer. Es war eine gute Entscheidung, Jason Segel nicht erneut am Drehbuch zu beteiligen und stattdessen Regisseur James Bobin diesmal als Koautor an die Seite von Nicholas Stoller zu stellen. Noch besser ist, dass Segel als Darsteller diesmal durch wesentlich begabtere Comedians ersetzt wurde. Sowohl Gervais als auch Fey zeigen deutlich mehr komödiantisches Talent und agieren auch natürlicher mit den Puppen zusammen. Die Puppenspieler selbst übertreffen sich wieder einmal selbst: Hervorzuheben ist hier vor allem, wie es Steve Whitmire und Dave Vogel gelingt, den beiden im Grunde identischen Kermit-Puppen gänzlich andere Charakterzüge zu verleihen. Warum gibt es für solche Leistungen eigentlich keine Oscar-Kategorie?

Etwas schade ist, dass außer Kermit, Piggy und im letzten Drittel auch Fozzy und dem im Vorläufer neu eingeführten Walter die anderen Muppets keine Solo-Auftritte bekommen. Natürlich ist es eine Herausforderung, bei der Vielzahl der beliebten Charaktere alle zu berücksichtigen, aber zumindest von eigentlich wichtigen Figuren wie Gonzo und Rowlf hätte man gerne mehr gesehen. Schön ist hingegen, dass sich die Autoren weitgehend auf die Muppets selbst konzentrieren und auf Liebesgeschichten zwischen menschlichen Figuren und ähnlichen Ballast diesmal verzichten. Weniger kitschig als 2011 sind auch die unvermeidlichen Songs (erneut von Bret McKenzie, „Flight of the Conchords“) geraten, auch wenn erwachsene Zuschauer diese wohl wieder eher durchstehen dürften als sie sehnlichst zu erwarten. Nachdem es den Machern gelungen ist, die Schwächen des ersten Teils weitgehend auszumerzen, ist ihnen ein Muppet-Film gelungen, der alle Fangruppen gleichermaßen zufriedenstellen müsste, die Jungen wie die Älteren. Alles in allem ist „Muppets Most Wanted“ sicher einer der besten Muppet-Kinofilme, vielleicht sogar der beste.

Der Film startet am 1. Mai in den deutschen Kinos.

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