Killer im Comicladen: „Utopia“ startet bei RTL Crime

Pay-TV-Kunden können sich heute Abend (18. März) auf den Auftakt der britischen Mini-Mysteryserie „Utopia“ freuen. Die Fernsehmacher aus dem Königreich trauen sich hier einiges, das in den USA wahrscheinlich nicht mal bei HBO möglich ist  – von blutigen Morden an Kindern bis zu krassen Folterszenen. Dank des typischen schwarzen Humors bleibt das Ganze aber höchst vergnüglich.

Nerds unter sich: die Anti-Helden von „Utopia“; Foto: Channel 4

Gleich der Anfang des Sechsteilers, den Channel 4 Anfang vergangenen Jahres ausstrahlte, macht klar, dass der Serienschöpfer und alleinige Autor Dennis Kelly keine Rücksicht auf zarte Gemüter nimmt: Zwei schräge Killer richten ein Blutbad in einem Comicladen an – auf der Suche nach einem seltenen Manuskript. Hinter dem ist auch eine Gruppe von Geeks her, die sich in einem Online-Forum über den Kultcomic „Utopia“ austauschen, von dem nur ein Heft erschienen ist. Ein Forenmitglied behauptet, die Originalzeichnungen der Fortsetzung gekauft zu haben, und lädt vier andere User ein, sich mit ihm im Pub zu treffen. Neben dem Computerfreak Wilson Wilson (Adeel Akthar), der angehenden Doktorandin Becky (Alexandra Roach) und dem gelangweilten IT-Angestellten Ian (Nathan Stewart-Jarrett, der Curtis von den „Misfits“) gehört auch ein etwa 13-jähriger verwahrloster Junge zu den Eingeladenen. Wer nicht erscheint, ist der Gastgeber selbst – der wird nämlich von den Killern aus dem Fenster seines Apartments geworfen. Schnell wird den Nerds klar, dass das Manuskript von „Utopia 2“ ein Geheimnis offenbaren würde, für dessen Wahrung manche bereit sind, über Leichen zu gehen.

„Utopia“ wartet mit einer zunächst gewöhnungsbedürftigen Mischung aus schrägem Humor und spannender Verschwörungsgeschichte mit teils etwas unnötigen Gewaltdarstellungen auf. Allein schon das Figurenensemble aus sozial inkompetenten Comic- und Internetfreaks, die plötzlich mit einem Killerkommando konfrontiert werden, hebt die Miniserie vom Thrillereinerlei ab. Dennis Kelly zitiert fröhlich Lynch (Hasenkostüme!) und Tarantino (skurrile Killer mit ungewöhnlichen Foltermethoden), wirft Slapstick, Mystery und Verschwörungstheorien über den bürokratisch-industriellen Komplex wild durcheinander – und unterhält damit prächtig. Visuell ist die Serie ähnlich originell wie viele neuere britische TV-Produktionen und mit Stephen Rea gibt es auch noch einen Top-Schauspieler unter den wiederkehrenden Darstellern.

Während die zweite Staffel dieses Jahr auf Channel 4 zu sehen sein soll, hat HBO vor kurzem angekündigt, ein Remake mit David Fincher als Regisseur produzieren zu wollen. Das kann man wohl getrost den HBO-Jüngern überlassen – besser als das Original wird es nicht werden.

Die Serie läuft ab heute Abend (18. März) mittwochs um 20 Uhr 15 auf RTL Crime.

One comment

  1. Ich musste am Anfang ein bisschen mit mir kämpfen nicht auszuschalten, doch dann fand ich die erste Folge echt packend. Ich werde die Serie auf jeden Fall weiter schauen. Schon allein wg. der skurrilen Typen und der Bildästhetik. In der Tat nichts für zarte Gemüter, die Folterszene ging schon an die Substanz, war aber gut gemacht.

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