Schmutzige, unartige Mädchen – Interview mit „Pretty Little Liars“- Produzentin Marlene King

Die Teenie-Mysteryserie von ABC Family läuft seit vier Staffeln erfolgreich und spricht auch Zuschauer an, die das Alter der Zielgruppe schon länger überschritten haben. Anlässlich der deutschen Ausstrahlung der neuen Folgen bei glitz beantwortete die Serienentwicklerin und ausführende Produzentin Marlene King torrent einige Fragen zum Erfolgsgeheimnis der Serie, dem Reiz von Geheimnissen und dem Vorgehen beim Adaptieren der Buchvorlage.

Von Lina Kokaly

Immer diese SMS: die Protagonistinnen von „Pretty Little Liars“; Foto: © Alloy Entertainment in Association with Warner Horizon Television

Klar, das Bild oben lässt keinen Zweifel: In „Pretty Little Liars“ geht es um junge, hübsche Mädchen, die morgens keine Kohlenhydrate essen und am liebsten auf ihrem Bett liegend telefonieren. Eine Teenie-Serie, die Klischees bedient und nicht allzu hohe Ansprüche an die Glaubhaftigkeit ihrer Handlung stellt. Wer sich aber auf all das einlässt, den belohnen die Autoren mit spannenden Handlungswendungen und keinerlei überflüssiger Rücksicht auf Verluste.

Vier Freundinnen verarbeiten jede auf ihre Art ein Trauma: Nach einer gemeinsamen Nacht verschwand die Anführerin der Gruppe Alison. Ein Jahr später findet die Polizei ihre Leiche. Das unaufgeklärte Verbrechen schweißt die Mädchen zusammen – das und die Tatsache, dass ein Unbekannter ihnen ordentlich Angst einflößt. Die jungen Frauen bekommen SMS, unterzeichnet mit „A.“. Und A. belässt es nicht bei Drohungen. Gehen die Mädchen nicht auf kranke Spielchen ein, muss eben auch mal eine der Figuren dran glauben. Druckmittel gibt es reichlich, jede der Grazien hat Leichen im Keller: eine Affäre mit dem Lehrer, eine leidlich gut bekämpfte Fresssucht, eine stehlende Mutter, eine lesbische Liebe – die Klischee-Kiste rappelt.

Doch die Frage bleibt spannend: Wer brachte Alison um? Gründe dafür gibt es viele. Jeder im beschaulichen Vorort Rosewood, Pennsylvania hatte eine Rechnung mit der Dame offen. Politisch herrlich unkorrekt wird sie konsequent als „Miststück“ bezeichnet. Überhaupt schert sich die Serie nicht um Konventionen: Ein Mädchen haut voller Wucht einer Blinden ins Gesicht und A. nennt ihre Opfer genussvoll „Bitches“ (in der deutschen Fassung: „Schlampen“). Von der unübersehbaren Absicht, ein „Desperate Housewives“ mit Jugendlichen zu schaffen, emanzipiert sich die Serie schnell – und ist schon nach wenigen Folgen zweifelsohne besser als das spießige Vorbild.

Nachdem in den letzten beiden Staffeln mehrere A.s enttarnt wurden, setzt die vierte Staffel ohne Vorgeplänkel direkt am Ort des Geschehens an. Mit einem Knall stehen die „Bitches“ sofort mitten im Geschehen. In den ersten Minuten wird fast ein weiteres Mitglied des A.-Teams aufgedeckt, ein Schweinekadaver gammelt im Kofferraum und eine menschliche Leiche liegt den jungen Grazien vor den Füßen. Die Autoren fackeln wie gewohnt nicht lange. Das Gruseln kann starten.

Das Interview

Frau King, inPretty Little Liars“ mixen Sie die Erfolgsrezepte vonDesperate Housewives“ undGossip Girl“. Was, meinen Sie, macht Ihre Serie so besonders?

Die Figuren und ihre bedingungslose Freundschaft sind die eigentliche Attraktion der Show. Das Ergötzliche des Geheimnisses und ihrer persönlichen Beziehungen sind die Glasur auf dem Kuchen. Ich denke, die Cliffhanger am Ende der Folgen und die großen Wendungen, die jede Folge liefert, sind ein weiterer Grund, dass die Serie so gut ankommt.

Was genau sind Ihre Aufgaben als Executive Producer?

Ich habe als Entwicklerin der Serie Sara Shepards Bücher genommen und deren Prämisse für eine wöchentliche TV-Serie angepasst. Ich dachte, wenn wir es schaffen, jede Folge auf die Art enden zu lassen, wie sie jedes Buch enden lässt, würden die Fans in der nächsten Woche wieder einschalten wollen, um zu sehen, was dann passiert. Als Executive Producer liegt es in meiner Verantwortung, sicherzustellen, dass die Drehbücher rechtzeitig fertig werden und sie dann auf den Bildschirm zu bringen. Die ausführende Produzentin muss sowohl eine Kreative als auch eine Geschäftsfrau sein. Man schreibt, man dreht, man sorgt dafür, dass die Schauspieler das Material verstehen und man macht das alles recht schnell.

Die Serie ist ein spannender Krimi, aber die Zuschauer sind natürlich gespannt auf die Auflösung. Hand aufs Herz wie passt das zusammen: ein Krimi, der gelöst werden muss, und eine Laufzeit von mittlerweile vier Staffeln, die die Lösung hinauszögert?

Ich glaube, es ist wichtig, den Fans auf dem Weg immer wieder Antworten zu geben. Und wenn wir unsere Jobs richtig machen, stellen wir noch interessantere Fragen, wenn wir diese Antworten geben. Es macht Spaß, Vermutungen anzustellen, aber Fans können nur für eine bestimmte Zeit geduldig sein. Das Finale der vierten Staffel wird viele Antworten liefern.

Wir wissen jetzt, hinter den mysteriösen Botschaften von „A.“ steckt ein ganzes Team. Wird denn nun in dieser Staffel endlich das Geheimnis gelüftet, wer es anführt und warum?

Wir finden in dieser Staffel viel mehr über Alison heraus und darüber, was in der Nacht ihres Verschwindens passiert ist. Das ist natürlich immer mit der Frage verbunden, wer „A.“ ist.

Ich bin mal so frei: Was war denn ihr größtes Geheimnis als Jugendliche?

Zwei können ein Geheimnis nur bewahren, wenn einer von ihnen tot ist. Deshalb werde ich das lieber für mich behalten.

Wäre das Leben ohne Geheimnisse einfacher?

Das Leben wäre ohne Geheimnisse vielleicht einfacher, aber ich bin nicht sicher, ob es genauso interessant wäre. Auf gewisse Weise ist das wahr, was Ali im Piloten gesagt hat: Geheimnisse können uns zusammenhalten, aber sie können uns auch trennen.

Die Serie beruht auf einer Romanreihe. Wie nah arbeiten Sie am Vorbild? Ist es eher ein Fluch oder Segen, dass es die Vorlage gibt?

Die Bücher sind auf jeden Fall ein Segen. Wir bleiben immer den Figuren und der Welt treu, die Sara so brillant erfunden hat. Wir erweisen oft den Büchern Referenz, aber können pro Folge oder Staffel entscheiden, wie viel daraus wir in die Handlung der Serie einbauen wollen.

Sie haben deutsche Wurzeln. Haben Sie je in Deutschland gearbeitet? Falls ja, was sind die größten Unterschiede zwischen den Produktionsbedingungen in Deutschland und den USA?

Ich habe nie in Deutschland gearbeitet, aber neulich meine Verwandten in München und Dingolfing besucht. Jetzt muss ich mein Deutsch verbessern, damit ich ihnen beim nächsten Mal erzählen kann, wer „A.“ ist.

Der Pay-TV-Sender glitz zeigt aktuell die vierte Staffel dienstags um 20 Uhr 15. Die ersten beiden Staffeln sind auf DVD erschienen.

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