Englishman in L.A.: die neue HBO-Comedy „Hello Ladies“

HBO hat sich auf der Suche nach Talenten mal wieder in Großbritannien umgeschaut und Stephen Merchant eingekauft. Der Autor und Komiker stapft seit einigen Wochen als liebesbedürftiger Single durch Los Angeles – und lässt bei seinen Flirtversuchen kein Fettnäpfchen aus.

Fällt ständig auf die Schnauze, aber gibt nicht auf: Stephen Merchant als Stuart; Fotos: HBO

Treffen sich zwei Schauspielerinnen bei einem Vorsprechen in Hollywood. Fragt die eine: „Und, für was sprichst du vor? Für den Scorsese-Film oder für die Tampon-Werbung?“ – Antwortet die andere: „Viel Blut in beiden, was?“. Dieser Gag aus der dritten Folge der neuen HBO-Comedyserie „Hello Ladies“ ist typisch für die Art von Humor, die darin gepflegt wird: Es ist eher ein Humor der Verzweiflung. Obwohl die Serie in Los Angeles, rund um die Traumfabrik, angesiedelt ist, zählen ihre Protagonisten nicht unbedingt zu den Schönen und Erfolgreichen.

Da ist zunächst einmal Stuart (Stephen Merchant), der zwar Inhaber einer kleinen Webdesign-Agentur ist und ein schönes Haus hat, bei den Frauen aber nicht ankommt. Seine Untermieterin Jessica (Christine Woods) ist jene erfolglose Schauspielerin, die auf die Gemeinsamkeiten zwischen Martin Scorsese und Tampax hinweist, aber trotzdem lieber im Boden versinken würde als zuzugeben, dass sie für den Reklamespot vorspricht. Ihr größter Erfolg war die weibliche Hauptrolle in einem Actionfilm-Sequel, das nur in Korea einen Kinostart hatte. Derzeit arbeitet sie hauptsächlich an ihrer eigenen Webserie. Stuarts bester Freund Wade (Nate Torrence) ist am Boden zerstört, seit ihn seine geliebte Ehefrau verlassen hat. Wirklich gut drauf ist nur Kumpel Kives (Kevin Weisman). Der sitzt zwar im Rollstuhl, hat aber als einziger der Männer-Clique Erfolg bei den Frauen.

Einsame TV-Dinner in der Glamourmetropole

Dabei hat Stuart anscheinend nur ein Ziel: schöne Frauen flachzulegen. Denen nähert er sich aber mit solchem Übereifer und so ungeschickt, dass jeder Flirtversuch in einem gigantischen Fettnapf endet statt im Bett. Schon äußerlich wirkt der schlaksige Zwei-Meter-Mann mit der Nerdbrille eher ungelenk als anziehend, aber sein wahres Handicap ist die Mischung aus Selbstüberschätzung und fehlender Sensibilität, die ihm zu eigen ist. So beginnt er regelmäßig Anmachen mit Bemerkungen über Selbstmordraten oder reißt im Kreise Homosexueller hemmungslos Schwulenwitze. Zudem merken seine Objekte der Begierde in der Regel schnell, dass Stuart gar nicht an ihnen als Individuen interessiert ist, sondern jede Gesprächspartnerin sofort stehen lässt, wenn sich die Gelegenheit ergibt, eine Attraktivere anzubaggern.

Obwohl am Ende des Abends meist eine Demütigung und ein einsames TV-Dinner stehen, lässt sich Stuart nicht entmutigen und stürzt sich jede Woche aufs Neue ins Nachtleben der Glamourmetropole. Der Zuschauer folgt ihm in angesagte Edeldiscos, Restaurants, die er sich nicht leisten kann oder auf Privatpartys, auf denen er schnell Fremde zu Freunden erklärt – wenn sie ihm ein Date vermitteln könnten. Dabei wird die Bereitschaft zum Fremdschämen des Öfteren arg strapaziert. Sympathisch ist dieser Stuart jedenfalls nicht gerade, trotzdem kann man sich seinen aussichtslosen Bemühungen nur schwer entziehen. Nur ganz selten, in stilleren Szenen, wird deutlich, dass er durchaus an seiner Einsamkeit leidet.

Stuart auf Tour mit seinen Buddies Wade und Kives sowie Mitbewohnerin Jessica

Stephen Merchant, der den Nerd verkörpert, ist vor allem als britischer TV- und Radio-Comedian bekannt und hat mit seinem langjährigen Partner Ricky Gervais die BBC-Serien „The Office“ und „Extras“ entwickelt. In „Hello Ladies“ hat er seine Figur aus einem gleichnamigen Stand-Up-Bühnenprogramm ins Setting einer aufwändigen HBO-Comedyserie transferiert. Das heißt, das Ganze sieht einfach sehr gut aus, ist für eine TV-Comedy ungewöhnlich elegant gefilmt, mit vielen wechselnden Schauplätzen und Außenaufnahmen. Auch musikalisch zeigt man sich stilsicher: Sowohl der Titelsong, „Alone Too Long“ von Hall & Oates, als auch die wechselnden Abspannlieder stammen aus der großen Zeit von Disco und Glam-Rock in den 70er und 80er Jahren. Und der Titelschriftzug mit seiner Skyline von L.A. erinnert sogar an den 80er-Serienklassiker „Moonlighting“ („Das Model und der Schnüffler“).

Auf Freiersfüßen im Porzellanladen

Merchant, der die Show zusammen mit Gene Stupnitsky und Lee Eisenberg entwickelt und bisher auch alle Folgen geschrieben hat, bringt sich selbst mit seiner ganzen Körperlichkeit ein, mit seiner Schlaksigkeit, aber auch seinen blitzenden Augen hinter den großen Brillengläsern. Man kann davon ausgehen, dass er auch autobiografische Erfahrungen in die Rolle legt, dass ihm selbst die Damenwelt auch nicht immer zu Füßen lag. Mit seinem britischen Humor, der eher sophisticated daherkommt als zum Schenkelklopfen zu animieren, passt Merchant sehr gut ins Portfolio der HBO-Comedyserien. Auch „Bored to Death“ oder „Family Tree“ laden ja nicht gerade zum lauten Lachen ein. Natürlich bezieht „Hello Ladies“ einen Teil seines Reizes auch aus dem Cultural Clash, wenn der Englishman in L.A. sich im eher lauten und oberflächlichen Nachtleben der Stadt der Engel bewegt. Ein Intellektueller ist Stuart auch nicht gerade, aber zumindest kann er – anders als Jessicas hohle Schauspielerinnen-Freundinnen – Sergej Eisensteins „Battleship Potemkin“ vom amerikanischen Actionreißer „Battleship“ unterscheiden.

Jessica ist die zweite interessante, Stuart ebenbürtige Hauptfigur. Während sie anfangs emotional deutlich gesetzter erscheint, wird spätestens in der dritten Folge deutlich, dass sie ihm in Sachen Verzweiflung und Hang zur Selbstblamage in Nichts nachsteht. Nur, dass ihr Objekt der Begierde eben nicht Männer sind, sondern Rollen. Um an diese zu kommen, überschreitet sie ebenfalls alle Grenzen von Anstand und gutem Geschmack. Dass Stuart ausgerechnet an dieser ihm so ähnlichen Frau, die im Grunde auch seine einzige echte Vertraute ist, kein sexuelles Interesse zeigt, fällt sofort auf. Der erfahrene Zuschauer kann hier bereits vermuten, dass das nicht die gesamte Serie hindurch so bleiben wird. Wenn das filmische und inhaltliche Niveau der ersten Folgen gehalten wird, werden zumindest Freunde des etwas leiseren Humors bis dahin gerne weiterverfolgen, wie Stuart auf seinen zu großen Freiersfüßen durch einen Porzellanladen nach dem anderen stapft.

2 comments

  1. „leisen humor“ braucht man auch, um diesen text als „rezension“ wahrzunehmen. kann da nicht wenigstens mal jemand redaktionell drübersehen und die gröbsten stilblüten und allgemeinplätze redigieren? soll das journalismus sein? liest sich wie eine schreibübung (und sachlich stimmt selbst auf der oberfläche wenig: mit „autobiografischen erfahrungen“ hat das nichts zu tun, kann man in jedem interview nachlesen).

    1. „Merchant’s height (6 ft 7in; 2.01 m) and his unusually large eyes meant that he has suffered teasing throughout his life.“ (aus der Wikipedia)
      Mit autobiografischen Erfahrungen ist ja nicht gemeint, dass der Autor/Schauspieler das eins zu eins so erlebt hat, aber dass er als Teenager ein Riesen-Frauenschwarm war, ist wohl doch auch eher unwahrscheinlich.

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