Wunder gibt es nicht! Teil 4: Strategien und Vorschläge

Previously on Wunder gibt es nicht: Der ORF als einzig relevanter Serienmacher produziert viel Gutes. Allerdings ist das Interesse, sich aus der Komfortzone Krimi/Gegenwart/Wien/zehn Folgen heraus zu begeben, begrenzt. Sinnloser Gesetzes- und Quotendruck im Inland und Scheinwettbewerb mit den deutschen Sendern lassen die verantwortlichen Redakteure mit Vorsicht agieren. Seit 2008 ist jedoch eine Verbesserung zu erkennen: Es bleibt zu hoffen, dass hier wirklich etwas Großartiges im Entstehen ist – zumindest bis zur nächsten Wahl.

Von Hari List

Blick in die Küche

Den KollegInnen bei torrent wurde jetzt hoffentlich der Begriff „Wunder“ ein für allemal ausgetrieben. Ein neidischer Blick über die Landesgrenzen ist aus deutscher Sicht verständlich, aber auch bei guten Restaurants riskiert man besser keinen Blick in die Küche.

Dazu gleich ein Aufruf: wer Expertise für das eine oder andere Land besitzt, das in den letzten Jahren auch bei seinem Serienoutput auffällig geworden ist – und daher ebenfalls den deutschen Neid oder den Titel „Fernsehwunder“ provoziert hat – möge uns doch auch einen Blick hinter die Kulissen – in die Küche – ermöglichen. Die Erfolge von zum Beispiel dänischen oder schwedischen Serien finden sicher auch unter ganz spezifischen künstlerischen, politischen und/oder ökonomischen Rahmenbedingungen statt.

Wie in Teil 2 bereits dargestellt, ist das (Auftrags-)Volumen des ORF für Serien genauso hoch wie das für Shows. Ein einziger anders denkender Direktor könnte das zu Ungunsten der Serien wieder kippen lassen. Der derzeitige gute Lauf des ORF hängt an wenigen seidenen Fäden und wenn diese in zehn Jahren nicht gerissen sind, dann werde auch ich von einem Wunder sprechen.  Denn Wunder sind meinem Verständnis nach Ereignisse, deren Wahrscheinlichkeit einzutreten sehr nahe bei Null liegt.

Die Mauern nieder

Ich bin mir unsicher, ob ich überhaupt auf starke nationale Serienoutputs bestehen soll. Als glühender Europäer würde ich mir viel mehr eine Zusammenarbeit möglichst vieler Staaten wünschen. Stellt euch einen Sender vor, der empfangbar in allen Ländern, finanziert durch Gebühren, die relevanten Serien der jeweiligen Länder koordiniert ausstrahlt. Das kann auch eine Internetplattform sein.
Dort stellt jedes Land je nach Größe und technischen und finanziellen Möglichkeiten Serien/Miniserien/Fernsehfilme zur Verfügung. Finanzielle Erlöse könnten komplett fair aufgeteilt werden und der potenzielle Markt würde sich für manche Länder verhundertfachen.

Prädestiniert, so ein Projekt durchzuführen wäre die European Broadcasting Union (EBU). Dort findet sicher viel informeller Austausch statt, aber das einzige, was wir einmal jährlich in allen Ländern zeitgleich zu sehen bekommen, ist der mehr als verzichtbare Eurovision Songcontest. Warum keinen „Eurovision Serialcontest“ – der praktischerweise auch gleich auf der/den oben genannten Plattform/Sendern stattfinden könnte?

So sehr ich den Preiswahn der Filmbranche kritisiere, aber ein „Serialcontest“ wäre auch eine gute öffentlichkeitswirksame Plattform. Jedenfalls besser als der deutsche Grimme-Preis oder der österreichische Spaß-Preis Romy.

Auch der europäische Koproduktionsmarkt ist noch stark entwicklungsfähig. Da bemühen wir uns, in Europa keine Grenzen für materielle Güter oder Arbeit mehr zu haben und dann halten uns digitale Mauern davon ab, das tolle Projekt „Europa“ auch auf unseren Bildschirmen stattfinden zu lassen.

So habe ich, obwohl es ein Corporate Movie war, Move On von der deutschen Telekom sehr genossen, jede Woche die aktuelle Episode geschaut und mich gefragt, warum dieses durch und durch europäisch-integrative Konzept ausgerechnet von einem großen Konzern gemacht wurde.

Das blöde Geld und die vielen Sprachen

Dass die amerikanischen Serien derzeit so eine Hochphase erleben, ist ausschließlich ökonomisch bedingt. Ein Markt, der genauso groß ist wie der europäische, auf dem aber nur zwei relevante Sprachen bedient werden müssen, bietet klare Vorteile. Außerdem sprechen diese zwei Sprachen auch noch 2/3 der restlichen Erdbevölkerung.

Das marginale Rolle von öffentlich-rechtlichen US-Sendern und das Fehlen jeglicher Filmförderung führen dazu, dass ausschließlich produziert wird, was Gewinn verspricht. Merkwürdigerweise gilt aber im Moment für Sender wie AMC die Formel Qualität à Kundenbindung an Kabelbetreiber à Geld oder verkürzt: Qualität=Geld.

Dass die Top-Serien allerdings maximal ein bis zwei Prozent Marktanteile bringen, wird dabei gerne vergessen. Qualitätsserien sind auch in den USA noch kein wirkliches Massenphänomen, aber auf gutem Wege dahin. Außerdem schwächelt Hollywood und das Kino im Allgemeinen in den USA gerade gewaltig.

Auch verzichten die amerikanischen Sender offenbar gerne auf zusätzliches Geld aus Übersee – einen Luxus, den Hollywood zum Beispiel nicht mehr hat. Sky Atlantic als deutsche HBO-Abspielstation ist ein guter Zug, aber sicher weniger erfolgversprechend als es eine sinnvolle, mit anderen amerikanischen Sendern gemeinsam bewirtschaftete App für Smart-TVs oder überhaupt für Computer und mobile Geräte wäre.

Europa hat es hier ungleich schwieriger. Teure Synchronfassungen und/oder Untertitel in dutzende Sprachen anfertigen zu lassen, sprengt die limitierten Budgets. Der einzige Markt, der groß und kaufkräftig genug wäre, ein US-ähnliches Modell zu ermöglichen – Deutschland – versagt. Die großen Privatsender produzieren lieber Shows und Scripted Realities aller Art, erkennen allerdings langsam, dass in Qualitätsserien viel (finanzielles) Potenzial steckt.

Wir brauchen eine medial vereinheitlichte Sprachkultur in Europa. Also Originalversionen + variabler Untertitel. Ich persönlich bin wirklich zornig, dass ich mit meinen Gebühren minderwertige Synchronfassungen von Serien über deren Einkauf mitfinanziere, wenn zuschaltbare Untertitel weniger kosten und technisch machbar sind. Eine Initiative „für das Original“ muss aber von vom Quotendruck befreiten öffentlich-rechtlichen Sendern ausgehen, Private würden sich das verständlicherweise nicht trauen.

Immer noch „Cinema first“

Wir haben in Europa ein gut ausgebautes Fördersystem. Das führt allerdings dazu, dass sich die Produktionsfirmen bequem damit arrangiert haben und gar nicht daran denken, ein Risiko einzugehen, um richtig viel Geld zu verdienen.
Außerdem liegt der Fokus dieser Förderinstitutionen meist auf Kinofilmen. Der gesellschaftliche Konsens – der dann auch in Gesetzen festgeschrieben ist – sagt, dass Kinofilm ein Kulturgut ist, das unbedingt erhalten werden muss. Soweit so richtig, aber die sprachlichen Probleme und der dadurch fehlende Gesamtmarkt sind die gleichen wie oben. Nur wird bei den Förderinstitutionen weiterhin hartnäckig auf unverwechselbare nationale Merkmale wie Sprache, gesellschaftlich relevante Thematik oder „das Bundesland muss im Bild sein“ Wert gelegt.

Leider wird meiner Erfahrung nach auch in den fachspezifischen Studien und Lehrgängen immer nur für das Kino ausgebildet. Für Fernsehen gibt es in Österreich überhaupt keine relevanten Ausbildungen und junge No/Low Budget-Filmemacher arbeiten sich auch lieber an mittellangen Kurzfilmen ab, anstatt sich vielleicht an einem kleinen seriellen Format zu probieren – aber denen kann man wirklich keinen Vorwurf machen.
Auch die etablierten großen Medien scheinen mir in ihrer Mehrzahl, wenn sie überhaupt berichten, über Kino zu schreiben und zum Beispiel den aktuellen Top-Serien wie Breaking Bad oder Mad Men erst sehr spät eine Plattform zu bieten.

Dem gesellschaftlichen Konsens (sofern überhaupt vorhanden), dass auch anspruchsvolles Fernsehen Kulturgut sein kann und ebenso förderwürdig ist, wird nicht Rechnung getragen. Die öffentlich-rechtlichen Sender, die diesen Auftrag eigentlich wahrnehmen sollten, bespielen lieber ein krimiverliebtes Seniorenpublikum, als allen relevanten Bevölkerungsschichten ein Angebot zu bieten.

Nur ein Trend?

Mir macht es aktuell viel zu viel Spaß, mir Serien in großen Happen anzusehen, darüber zu lesen (und zu schreiben) – auch erwische ich mich immer öfter dabei, das Kino für mich in Frage zu stellen.
Meine Sorge ist aber, dass diese „serielle Welle“ sich in ein paar Jahren als Trend entpuppt. Vielleicht ist es, bedingt durch die Ökonomie des Fernsehens in den USA, gerade en vogue und wird in absehbarer Zeit wieder in die Belanglosigkeit verschwinden. Was meint ihr?

Jeder gute Lehrer

Im Zuge der Studierendenproteste 2009/2010 hat Funny Van Dannen das Lied „Bildung“ frei zum Download spendiert. In dem heißt es:

„Die Bildungskatastrophe stoppt kein Geldvermehrer, die Bildungskatastrophe stoppt jeder gute Lehrer“

Was ich damit sagen will, ist, dass jammern über den „eigenen“ Sender und Neid auf den Nachbarn wenig bringt. Jeder einzelne, der sich interessiert, jeder, der seine Eltern – oder irgendwen anderen aus der Generation Krimi – dazu bringt, die eine oder andere Serie anzutesten, jede gekaufte DVD, jede Diskussion unter Freunden oder im Internet, jeder Blog, jeder Podcast und natürlich jeder ökonomisch fragwürdige Versuch, ein Printmagazin für serielles Erzählen zu gründen, bringt die Serienwelt weiter, ermöglicht den Aufbau eines Marktes und pflanzt eine Saat in den Gehirnen der Entscheider bei den öffentlich-rechtlichen Sendern.

 

Hari List studiert Film-, TV- und Medienproduktion in Wien, verbringt sehr viel Zeit in den Kinos der Stadt und auf der Couch mit seinen Katzen, wo er sich tagelang Serien hingibt. Daneben betreibt er aus Langeweile noch ein Filmblog und singt oft, laut und falsch Songs aus Musicals.

 

12 comments

  1. Den Sender, der Serien aus allen möglichen europäischen Ländern zeigt, gibt es ja schon: arte bringt französische, deutsche, britische, dänische, schwedische, israelische Serien (und manchmal auch amerikanische, kanadische, australische, wobei deren Serienredakteurin neulich im Radio gesagt hat, dass sie als europäischer Kultursender nur in Ausnahmefällen solche brinegn wollen).

    Europäischen Koproduktionen stehe ich eher kritisch gegenüber, ich würde statt eines solchen „Europuddings“ (abschreckendes aktuelles Beispiel: „Crossing Lines“ – würg), bei dem selten etwas gutes herauskommt, lieber Serien sehen, die in einer spezifischen Kultur verwurzelt sind; das kann das Waldviertel sein oder meinetwegen auch ein Reservat der amerikanischen Ureinwohner – aber eben nichts austauschbares, wo es egal ist, ob ich jetzt Kopenhagen oder Cleveland sehe. Ich frage mich auch immer, warum das ZDF Gebührengelder in dänische Serien steckt statt selbst was Gescheites damit an den Start zu bringen – die Dänen schaffen das glaube ich auch ohne deutsches Geld sehr gut.

    Deutsche Synchros halte ich zu 95 Prozent für technisch/handwerklich sehr gut. Dass ich Serien und Filme trotzdem lieber in OmU sehen würde, ist davon unbenommen. (Marcus)

    1. Zu arte haben wir bald auch ein schickes Interview, wo auch nicht alles Gold ist, was glänzt.

      Und was Untertitel angeht – da gäbe es Möglichkeiten zur Kooperation mit kostenlosen Fan-Plattformen, wenn sie nicht gerade gestürmt und dicht gemacht werden – wo man sie von „schwärmender Schwarmintelligenz“ gratis (z.B. gegen umsonst vorab gucken) erstellen lassen könnte. Das Netz bietet alles nötige, was die Sender nicht bereit stellen. Zugreifen kann man darauf umsonst. Oder mit dem Arm des Gesetzes. Ratet mal, wofür man sich eher entscheidet…

      1. Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass in Deutschland eine staatliche Einrichtung Übersetzungsauftraäge an Leute vergibt, die keinen Abschluss als Diplom-Übersetzer vorweisen können? 😉

        1. Ganz ehrlich? Wenn unser Innenminister sich in in die USA schicken lässt (langfristig: in die Wüste) ohne zuständig zu sein (wie Pofalla), könnte man doch locker mit so einer Lappalie davon kommen… und deutsche Untertitel hätte ich bei unseren Politikern auch gerne serienmäßig!

  2. „Ich bin mir unsicher, ob ich überhaupt auf starke nationale Serienoutputs bestehen soll. Als glühender Europäer würde ich mir viel mehr eine Zusammenarbeit möglichst vieler Staaten wünschen. Stellt euch einen Sender vor, der empfangbar in allen Ländern, finanziert durch Gebühren, die relevanten Serien der jeweiligen Länder koordiniert ausstrahlt. Das kann auch eine Internetplattform sein.“

    Dieser Gedanke lässt mich schon sein ein paar Wochen nicht mehr los, wobei ich statt Gebühren nach GEZ-Model o.ä. lieber ein „europäisches HBO“ hätte. Der Markt für einen solchen Sender wäre deutlich größer als in den USA. Zudem gibt es über ganz Europa verstreut genügend Menschen, die sich Filme und Serien in der Originalsprache ansehen, weshalb ein solcher Sender nationale Serien nicht zwangsläufig synrochnisieren, sondern einfach nur mit UT versehen müsste. Europäische Projekte würden dann erst recht nicht synchronisiert werden.

    Im letzten Jahr verkündete HBO eine Serie über Berlin zur Zeit des Kalten Krieges drehen zu wollen. (Vermutlich eine Spionageserie.) Partnersender soll wohl die BBC sein. Das Erstaunliche an dem Projekt: Deutsche Autoren sind nicht mit an Bord, was schon so ziemlich alles über das Ansehen des teutonischen Steinzeitfernsehens bei den Angelsachsen aussagt.

    „Dass die Top-Serien allerdings maximal ein bis zwei Prozent Marktanteile bringen, wird dabei gerne vergessen.“

    Das ist nicht immer von Belang, da das Finanzierungsmodell in den USA sich deutlich vom deutschen bzw. österreichischen Unterscheidet. Zudem schauen sich viele die Serien über Streaming Portale an. Außerdem: The Walking Dead erreicht sehr wohl Quoten jenseits der zwei Prozent.

    „Auch verzichten die amerikanischen Sender offenbar gerne auf zusätzliches Geld aus Übersee –“

    Da setze ich mal gleich drei dicke Fragezeichen hintendran. Lizenzkäufe aus Übersee spielen durchaus eine gewichtige Rolle bei der Finanzierung von Serien. Zugegebenermaßen vor allem bei Serien, die sich bereits außerhalb der USA durchgesetzt haben.

    „Wir haben in Europa ein gut ausgebautes Fördersystem. Das führt allerdings dazu, dass sich die Produktionsfirmen bequem damit arrangiert haben und gar nicht daran denken, ein Risiko einzugehen, um richtig viel Geld zu verdienen.“

    Die Sache ich bisschen komplexer. Das deutsche Film“förder“system erlaubt es den meisten Produzenten nicht, eine gesunde finanzielle Basis anzuhäufen. Man lebt ausschließlich von Fernsehaufträgen und ist den TV-Anstalten damit quasi ausgeliefert. Kinoproduktionen bringen in den seltensten Fällen Geld ein, da die Fernsehsender ihren prozentuallen Anteil am Gewinn – falls es einen solchen überhaupt gibt – zynischerweise neben der offiziellen Senderbeteiliung auch über ihren Anteil an der Film“förderung“ geltend machen. Man kassiert also doppelt ab.

    „oder „das Bundesland muss im Bild sein“ Wert gelegt.“

    Der perfide Euphemismus für ein kaputtes System heißt hierzulande „Lokalkolorit“. Die Folge: Ganze Karawannen von Filmschaffenden, die durch das Land tingeln. Statt jeden Drehtag optimal der Filmkunst zu widmen, fährt man von Bundesland zu Bundesland um Berge, Seen, Wälder, Wiesen oder Stadtparonamen aufzunemen, wobei diese Aufnahmen in den meisten Fällen dramaturgisch völlig bedeutungslos sind.

    „Meine Sorge ist aber, dass diese „serielle Welle“ sich in ein paar Jahren als Trend entpuppt. Vielleicht ist es, bedingt durch die Ökonomie des Fernsehens in den USA, gerade en vogue und wird in absehbarer Zeit wieder in die Belanglosigkeit verschwinden. Was meint ihr?“

    Wo liegt der Unterschied zwischen einer „Welle“ und einem „Trend“? Ich sehe keinen. Beide ebbt irgendwann ab. Ich denke, dass die „Serienwunder“ solange anhalten werden, solange die Sender bereit sind, am Prinzip der Showrunner samt Writer’s Room festzuhalten und denjenigen Autoren, die etwas zu sagen haben, auch den nötigen Platz einräumen. Die großen Hollywoodstudios haben sich ins kreative Niemandsland der Franchises, Sequels, Prequels, Remakes und Reboots nach Schema F verabschiedet. Hier bedienen die Sender ganz geschickt mit epischen Erzählformaten mit einer quasi cineastischen Bildsprache einen Markt, der offenbar noch lange nicht gesättigt ist.

    1. Zur Klarstellung: Welle= gehäuftes Auftreten im quantitativen Sinne vs. Trend=gehäuftes Auftreten in einem Zeitraum. Ich gebe zu, das hätte ich eleganter formulieren können.

  3. „Für Fernsehen gibt es in Österreich überhaupt keine relevanten Ausbildungen und junge No/Low Budget-Filmemacher arbeiten sich auch lieber an mittellangen Kurzfilmen ab, anstatt sich vielleicht an einem kleinen seriellen Format zu probieren – aber denen kann man wirklich keinen Vorwurf machen.“

    In den Staaten beginnt sich seit einiger Zeit die Web(-Mini)-Serie für junge Filmemacher zu etablieren. Gerade so ein Format, wenn es wirklich unabhängig produziert wurde, bietet enorme Möglichkeiten für Experimente allerlei Art. Vor diesem Hintergrund kann man auch deutschen Nachwuschfilmern den Vorwurf machen, sich nicht scho längst dieses Formats angenommen zu haben.

    1. Siehe Lena Dunham – zwei Webserien, über deren Qualität sich durchaus streiten ließe, ein Spielfilm auf einem Festival, dann das Angebot von HBO einen Piloten zu drehen (unter „Aufsicht“ eines erfahrenen, thematisch verwandten Produzenten – Judd Apatow)

      Ich strample mich seit zwei Jahren ab etwas in der Art auf die Beine zu stellen, mit Kollegen im Netz zu schreiben, zu entwickeln, aber dieses Fass will ich gerade nicht auf machen. Wenn bei uns Crowdfunding (oder auch Krautfunding, wie jetzt für IRON SKY 2…) etwas bekannter wird, sehe ich durchaus Möglichkeiten, ich hab da was für diesen Herbst in der Mache.

      Aber wir haben dafür keine richtigen Senderpartner. Doch, einen vielleicht: Kai Blasberg und Tele5, wenn auch „nur“ als Abspielort, nicht als Geldquelle. Darüber hinaus gibt es bei uns kaum Möglichkeiten Serien zu fördern. Beim diesjährigen First Movie Program wurde auch eine Sci-Fi Serie gepitcht, ich könnte bei der Kollegin nachfragen, ob danach jemand auf sie zu gekommen ist. Vermutlich kann man es sch aber denken. Alles, was man bei uns vorschlägt, das „anders“ klingt als Krimi (diese Serienidee variiert dies), wird es schwer haben. Eher sogar unmöglich. Der Mut etwas Neues zu entwickeln, und dabei den Autoren zu vertrauen gibt es bei uns nicht. Hier gehen die Skandinavier den umgekehrten Weg. Dort stellt man sich schützend vor die Autoren, damit ihnen keiner reinquatscht, und dort hilft man dann mit unserem Geld nach. Wir haben die Autoren. Und lassen sie am ausgestreckten Arm verhungern. Mehr darf ich im Augenblick aus Rücksicht auf meine eigene (zunehmend un-mögliche) berufliche Zukunft nicht äußern, und wenn es mir noch so unter den Nägeln brennt.

      1. Hallo Jens,

        man kann sich natürlich über die Qualität vieler Webserien streiten. Es wird ja derzeit auch viel rumexperementiert. Nicht alles, was da aufgetischt wird, ist Gold. Aber das Format an sich ist eine gute Gelegenheit, sich auszuprobieren.

        „Ich strample mich seit zwei Jahren ab etwas in der Art auf die Beine zu stellen, mit Kollegen im Netz zu schreiben, zu entwickeln, aber dieses Fass will ich gerade nicht auf machen.“

        Meinst du jetzt „Wojpatinga“? Das Netz ist gut, aber ob es den längerfristigen, persönlichen vis-a-vis-Kontakt ersetzen kann? Ich glaube nicht.

        „Wenn bei uns Crowdfunding (oder auch Krautfunding, wie jetzt für IRON SKY 2…) etwas bekannter wird, sehe ich durchaus Möglichkeiten, ich hab da was für diesen Herbst in der Mache.“

        So etwas wie Webserien, wovon die meisten Film“förderer“ noch nie etwas gehört haben dürften, muss man hierzulande aus eigenen Tasche finanzieren.
        Wenn das Konzept für eine Web-(Mini-)Serie wirklich gut und einladend ist und irgendwo zwischen 5.000 bis 10.000€ (für die ersten Staffel) liegt, sollte es aus meiner Sicht über startnext.de zu stemmen sein. Ansonsten ist der Bekanntheitsgrad für Crowdfundig in D. noch ausbaubar.

        „Aber wir haben dafür keine richtigen Senderpartner. Doch, einen vielleicht: Kai Blasberg und Tele5, wenn auch “nur” als Abspielort, nicht als Geldquelle.“

        Die Auswertugsmöglichkeiten werden in Deutschland tatsächlich noch nicht wirklich optimal genutzt. Da denken die meisten noch in eingefahrenen Bahnen.

        „Alles, was man bei uns vorschlägt, das “anders” klingt als Krimi (diese Serienidee variiert dies), wird es schwer haben.“

        Solange du keine echten Credits hast, bis du in diesem Land chancenlos, was Vorschläge an die etablierten Sender anbelangt. Und wenn du kein Diplom als Drehbuchautor hast, stehst du erst recht unter dem Generalverdacht des Größenwahns.

        „Mehr darf ich im Augenblick aus Rücksicht auf meine eigene (zunehmend un-mögliche) berufliche Zukunft nicht äußern, und wenn es mir noch so unter den Nägeln brennt.“

        Stell was eigenes auf die Beine.

        1. WOIPATING ist einer der Versuche, ja. Das mache ich weiter nebenher, bereitet mir viel Freude nebenbei, und wird immer besser und ausgegorener. Ausgekocht ist da noch nichts. Es gibt aber noch andere Stoffe, und so schön es ist auch mal wirklich gemeinsam in einem Raum zu sitzen, habe ich mit einem „weiteren Jens“ (Nr. 3) schon vor Jahrenn abwechselnd via E-Mail an einer Geschichte geschrieben, die wunderbar ausgeufert ist, und hoffentlich in Kürze als Blog wieder aufersteht. Dergleichen würde ich jederzeit mit mehreren Autoren offen und im Netz einsehbar als Experiment starten, als Teaser, Spielwiese, Übung. Das ist halt nicht jedermanns Sache, viele Kollegen und Kolleginnen machen sich halt Sorgen, dass sich jemand bedient.

          Für den Betrag von 10.000 EUR oder etwas mehr werde ich versuchen via startnext im Herbst einen Spielfilm zu finanzieren, aber erst wenn ich meine Wunschdasteller im Boot (und auf Video) habe. Da bin ich zwar noch nicht so weit beim Schreiben wie mit meinem „offiziellen“ Stoff, aber ich wette jederzeit, dass die Crowdfunding-Version früher auf eine Leinwand kommt. Beide Filme spielen 1989 und erzählen vergessene Episoden im Vorfeld des Mauerfalls und der Wiedervereinigung. In beiden Fällen endet der Film mit einer intakten innerdeutschen Mauer – genau wie wir sie immer noch (oder wieder?) in den Köpfen haben. Den Rest kann man sich gerne selbst im Netz zusammen suchen, wer suchen kann, findet was ganz ohne Prisma.

          Wie auch immer, das „was eigenes auf die Füße stellen“ ist mein Ding, und vermutlich das Letzte, was mir noch bleibt, denn mein Diplom hat noch nie jemand sehen wollen, und wird mir auch keine Türen mehr öffnen. Das nennt sich dann Fachkräftemangel. Problematischer als die korrekte Ausbildung ist, ob man öffentlich sagt, was man von öffentlich-rechtlichen Einrichtungen hält, die zwar steuerfinanziert, aber nicht zur Transparenz verpflichtet sind. Es gibt zwar auch dort die guten Einzelkämpfer, aber wenn die von der Politik und dem Publikum allein gelassen werden, wird sich die Situation weiter verschlechtern. Den Gegenbeweis ist man mir dort noch schuldig. Mit meiner Geduld bin ich insofern am Ende, als dass ich jetzt zweigleisig fahre.

          1. „Das nennt sich dann Fachkräftemangel. Problematischer als die korrekte Ausbildung ist, ob man öffentlich sagt, was man von öffentlich-rechtlichen Einrichtungen hält, die zwar steuerfinanziert, aber nicht zur Transparenz verpflichtet sind.“

            Von den jungen Kreativen legt sich keiner mit den ÖR-Zombies an. Das wäre beruflicher Selbstmord. Kann man auch verstehen, da das System zum Einzelkampf verdammt.

            Ansonsten bleiben nur Produktions- und Vertriebskanäle jenseits der Sender.

          2. Weder die jungen noch die alten Kreativen tun dies, noch deren Verbände. Nur Verrückte oder solche, die nichts mehr zu verlieren haben. Letzteres hat durchaus seinen Reiz, weil man wieder sagen kann, was man denkt. Und was man Neues zu erzählen hat. Beruhend auf wahren Begebenheiten…

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