Podcast 003: „Girls“ und die leidigen Sendeplätze

Dieses Wochenende läuft die erste Staffel der HBO-Serie komplett auf ZDF_neo. Das serielle Quartett nimmt das zum Anlass, sowohl über die Serie selbst zu sprechen als auch über Sendeplätze: Ist das jetzt Event-Programmierung oder Versenden? Warum laufen die guten Serien immer nur auf Spartenkanälen?

Passt „Mad Men“ ins ZDF-Hauptprogramm? Warum gibt es keinen zeitgemäßen „Dallas-Dienstag“ mehr? Und: Brauchen wir überhaupt noch feste Sendeplätze oder sind wir ohnehin schon längst alle bei Netflix, Lovefilm und iTunes? Es diskutieren Lina Kokaly, Jens Prausnitz, Jens Mayer und Marcus Kirzynowski. Post-Produktion, Schnitt, Intro/Outro: Jens Prausnitz

„Girls“, Staffel Eins am 13./14. Juli, jeweils fünf Folgen ab 22 Uhr, Wiederholung ab 16. Juli dienstags um 22 Uhr in Doppelfolgen auf ZDF_neo

Link-Empfehlungen:

Webserien der „Girls“-Schöpferin und -Hauptdarstellerin Lena Dunham:
http://www.delusionaldowntowndivas.com/
http://www.nerve.com/topics/tight-shots

Interview mit Dunham und Produzent Judd Apatow

Zusammenfassung des FAZ-Interviews mit ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler

Besprechung zu „Klimawechsel“ von Doris Dörrie

Online-Portale, gratis und kostenpflichtig:
http://www.de.viewster.com/
https://www.alleskino.de/
https://signup.netflix.com/global
http://www.watchever.de/
http://www.lovefilm.de/
http://www.videoload.de/

 

16 comments

  1. Toller Podcast. Am unterhaltsamsten wird es, wenn ihr euch nicht einig seid oder frei von der Leber redet, weil ihr dann am ehesten zum Kern eurer Themen vorstößt.

    Zur Serienprogrammierung:
    Ich finde es begrüßenwert, wenn Sender auch mal mehrere Folgen einer Serie hintereinander „wegsenden“. Allerdings hängt der Erfolg solcher Programmierungen vor allem davon ab, welches Format man wie oft hintereinander, zur welcher Tageszeit und in welchem Umfeld sendet.

    Die eher leichteren Sitcoms wie „BBT“, „HIMYM“ oder „Arrested Development“ oder Trickserien wie „Die Simpsons“ kann man sich im TV locker 3 der 4 mal hintereinander anschauen. Dass aber eine Marathonsession mit „The Wire“ im TV beim durchschnittlichen Massenpublikum von Erfolg gekrönt wäre, darf bezweifelt werden.

    Zudem müssen sich die hiesigen ÖR-und die privaten Sender die Frage gefallen lassen, warum sie viele Serien erst Jahre nach der Ausstrahlung in den USA bringen, sie nicht besser bewerben und sie zudem nicht im Zweikanalton mit UT ausstrahlen. Wenn eine Serie wie „Lost“ bei Pro7 floppt, dann u.a. auch deshalb, weil der harte Kern der Fans sich die nachfolgenden Staffeln schon vor dem Ausstrahlungstermin im deutschen TV besorgt hat.

    Zu den Sendeplätzen:
    ARD und ZDF haben extrem starre Sendeplätze, weil die Sender vor allem eine Ausstrahlungsverlässlichkeit bei den Nachrichtensendungen am Abend gewärhleisten wollen. (Kein Wunder, wenn die Intendanten Journalisten sind.) Deswegen werden alle Fernsehfilme auch in dieses profane 88:30-Min.-Korsett gezwängt, das ihnen dann den Charakter eines ausschließlichen Sendeplatzfüller verleiht. So „fühlen“ sich diese Filmchen nämlich an.

    Zu den starrenn Sendeplätzen kommt die extrem starre Formatierung mit ihren immer gleichen Konventionen (Genre, Dramaturgie, Ästhetik, Film“musik“ usw.) hinzu. In einem solchen Umfeld haben Überraschungen, Konventionsbrüche (und zwar nicht nur die behaupteten!), Genreexprerimente usw. keine Chance. Beispiel? Im Vorfeld des Schweiger-Tatorts sprachen die Macher von einer „Revolution“, weil es in den ersten Minuten statt nur einer Leiche derrer gleich sechs gab. Das ist eindeutig ein Fall für die Klapse.

    So kommt er nicht von ungefähr, dass in dieser öffentlich-rechtlichen Matrix des Immergleichen US-Qualitätsserien, die bewusst Genrekonventionen brechen oder neu justieren oder mehrere Genres eben mal mischen sowie mit zahlreichen gebrochenen und ambivalenten Charakteren aufwarten, scheitern müssen. Wie denn nicht, wenn sie die Sehgewohneiten der Kukidentgeneration so radikal unterlaufen?

    Was in dem Podcast nicht angesprochen, aber vielleicht eine Überlegung wert wäre: Ein öffentlich-rechtlich finanzierter Sender, auf dem die anspruchsvolle Fiction 24 Stunden am Tag ihren Platz hätte, ohne Quotendruck, ohne starre Formatierung, ohne das Reinreden von Redakteuren und Gremien und wo sich vor allem auch deutsche Autoren und Regisseure ausprobieren könnten inkl. des Nachwuchses.

    Ein solcher Sender wäre locker finanzierbar und stieße mit Sicherheit auch auf eine entsprechend große Zuschauerschaft, was das erhebliche Interesse an US-Qualitätsserien beweißt. Nur müsste man sich eben trauen.

    Im den Hauptprogrammen könnten die ÖR dann weiterhin ihre seichten Schmonzetten und Konventionskrimis als Endlosschleife abspulen.

    1. Danke Lukas! Geht uns auch so, wir beschnuppern uns ja noch – immerhin sind wir vier uns noch nie „in echt“ begegnet. Wie das halt so geht mit Internet-Bekanntschaften…

      Sehr gut finde ich deine Ergänzung zu den festgemeißelten Sendeplätzen und -zeiten aufgrund der Nachrichten-Sendungen. Gleichzeitig demonstrieren sie aber anhand von Katastrophen wie Hochewasser, Hochzeiten oder Sportereignissen, dass sie „spontan“ anders können – wenn sie nur wollen. Insofern sollten wir uns freuen, dass ARD/ZDF für die Fußballrechte 20 Mio weniger geboten haben als RTL. Man stelle sich einmal vor, was beispielsweise allein das ZDF mit den 50-60 Mio der Champions-League-Kosten (das entspricht einer Staffel GAME OF THRONES) in den Händen ihrer Redaktion vom kleinen Fernsehspiel / Quantum hätte anstellen können… mehr göttliches* !!!

      Ein weiterer Sender ist da keine Lösung. Der Mut den Zuschauern mehr zuzutrauen, ist beim ZDF derzeit glaube ich größer, und gehört honoriert – nur zufrieden geben dürfen wir uns nicht mit jeder Ankündigung, sondern gucken ihnen beizeiten genau auf die Finger. Bei Böhmermann in Herbst, und natürlich die Rückkehr von unserem heute mit Meth dealenden Lehrer Dr. Specht in einer Miniserie à la Breaking Bad, wenn ich das richtig verstanden habe… ein paar mutigere Sendeplätze (mit längerem Atem) und mehr Geld in den wegweisenden Redaktionen wären doch mal ein deutliches, nicht zu übersehendes Zeichen vom Lerchenberg.

      – – –

      * Warum sind keine neuen Folgen von GÖTTER WIE WIR bestellt, und wieso nicht mal mehr „blasphemisches“ im Hauptprogramm? Zum Beispiel gleich im Double-Feature mit Peter Hahne? Das hätte doch was 🙂

      1. Hallo Jens,

        dafür, dass ihr euch noch nie offline getroffen habt, haben die Podcasts aber sehr lockeren und witzigen Charme.

        Was mich dann aber doch wirklich stutzig macht: Wozu die ganzen Digitalkanäle, auf denen „was versucht“ wird, die aber nur eine sehr geringe Reichweite haben, und nicht lieber ein ambitionierter normaler, für alle(!) empfangbarer TV-Kanal, auf dem „Mad Men“ und „Girls“ und „Misfits“ usw. nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit gesendet werden?

        Ehrlich gesagt, verstehe ich das überhaupt nicht. Ich glaube da tatsächlich an eine Verschwörung der GEZ-Zombies.

        Inwieweit das ZDF jetzt was Ordentliches bringt und was aus dem „deutschen Breaking Bad als Mini-Serie“ wird, warte ich erstmal ab. Die bisherigen Erfahrungen mit „Neuerungen“ der ÖR-Sender mahnen zur Vorsicht.
        „Lerchenberg“ fand ich grottig fad und völlig harmlos, da Satire auch wehtun und die Verlogenheit des Zielobjekts offenlegen muss. Mit „Lerchenberg“ hat sich das ZDF eher unfreiwillig als netter Onkelsender selbst entlarvt.

        1. Ich verstehe nie, warum neo kein frei empfangbarer Kanal sein soll. Analoges Kabel stirbt doch aus und analogen Satellit und Antennen-TV gibt es in Deutschland schon gar nicht mehr. Insofern werden die Unterschiede zwischen digitalem und „normalem“ Sender doch zunehmend obsolet. Dass „Mad Men“ & Co. trotzdem weitgehend von der Öffentlichkeit unbeachtet gesendet werden, liegt doch eher daran, dass neo noch viel zu wenig bekannt ist und viele das auf ihrer Fernbedienung gar nicht finden bzw. suchen. Das wäre ja bei einem neuen Sender auch nicht anders.

          Einen öffentl-rechtl. „Sky Atlantic“ fände ich persönlich natürlich toll, finde aber im Grundsatz auch, dass Sendungen für alle Zielgruppen in die beiden Hauptprogramme müssen, damit sie auch von einer breiten Zuschauerschaft wahrgenommen werden.

          1. Hallo torrent,

            vielleicht will das ZDF ja gar nicht, dass man „Mad Men“ findet – oder „Girls“. Inwiefern passt das Findenwollen von „Mad Men“ beim ZDF mit Belluts Ziel zusammen, das Durchschnittsalter des ZDF-Publikums von 61 auf unglaubliche 60 Jahre zu senken?

            Das ZDF könnte „Mad Men“ auch locker ins Vorabensprogramm packen und die Quote mal einfach ignorieren. Bei AMC laufen alte „Mad Men“-Folgen auch am Tag. Aber beim ZDF? No chance!

            „liegt doch eher daran, dass neo noch viel zu wenig bekannt ist und viele das auf ihrer Fernbedienung gar nicht finden bzw. suchen. Das wäre ja bei einem neuen Sender auch nicht anders.“

            Ich glaube schon, dass wenn ARD und ZDF sich zusammentäten und einen neuen Sender brächten, der mit der gängigen Programmpolitik radikal bricht, das Echo enorm wäre. Leider wird es dazu nicht kommen.

            „dass Sendungen für alle Zielgruppen in die beiden Hauptprogramme müssen, damit sie auch von einer breiten Zuschauerschaft wahrgenommen werden.“

            Davon sind die ÖR-Sender meilenweit entfernt. Die meisten fiktionalen Angebote richten sich eben an ein deutlich in die Jahre gekommenes sowie ein weibliches Publikum, dem vor allem eine heile Welt in Endlosschleife vorgegaukelt wird.

        2. LERCHENBERG wurde zu lange gar geköchelt – fünf Jahre lang, um genau zu sein. Da geht bei jedem Gericht der Biß verloren. Ich würde trotzdem gerne noch mehr Folgen sehen, weil das Programm Potential hat, und ich das Ensemble vielversprechend fand. Ja, auch „ihn“. Da geht noch was, der spielt sich warm, wenn man ihn lässt. Das Team auch, wenn man es redaktionell von der Leine lässt. Das begreift man dort noch, der anhaltende Erfolg der ANSTALT und HEUTE SHOW sollte Augen öffnen, und verkrustete Strukturen aufbrechen. Dazu muß man aber von Zuschauer- (und Kritikerseite) den progressiven Machern beim Sender die Hand reichen – die gibt es, also halten wir ihnen den Rücken frei. Dazu braucht es: Fans + Transparenz – Quoten = ein Quantum Trost.

          1. Ehrlich gesagt, finde ich „Lerchenberg“ ein verlogene Sch***e. Wenn interessieren eigentlich die konstruierten und belanglosen Befindlichkeiten einer handvoll Zwangsgebühr abgreifender Anstaltsleichen? Da sind die Leute von Switch reloaded, die auch das eigene Programm bissig aufs Korn nehmen, deutlich interessanter.

  2. Informativ und unterhaltsam. Well done.
    Vielen Dank für die vielen tollen Tipps und das Link-Service hier auf der Website.

    Bin von Girls enttäuscht. Handwerklich solides Stück Serie über Belangloses, aber eine zweite Staffel brauch ich nicht davon.

  3. Haha, ich freu mich auch schon auf die neue Staffel „Unser Lehrer Dr. Specht – Durchbruch zum Bösen“. Die Emmy-Nominierung für Robert Atzorn dürfte sicher sein!

      1. Um mal einen Kalauer hinterherzuschicken: Unter der Federführung des ach so hippen ZDF könnte aus „Breaking Bad“ ganz schnell „Backing Bread“ werden.

        1. Oder, wie der „Freitag“ es diese Woche in einer genialen Satire meinte: „Das Kochstudio – Schlecht brechen“ ;).

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