Wunder gibt es nicht! Teil 2: Die Politik und das liebe Geld

Previously on Wunder gibt es nicht:

Wir haben den ORF als einzigen wirklich relevanten Player am österreichischen Serien-Markt identifiziert und mit ServusTV nur eine echte Zukunftshoffnung abseits des öffentlich-rechtlichen Sektors ausgemacht. Im Folgenden wird das politische Umfeld, in dem im ORF Serien gemacht werden, näher ausgeleuchtet und es werden wirtschaftliche Begebenheiten dargestellt, die das beschworene Fernsehwunder auch ökonomisch illusionär erscheinen lassen.

„Einer der führenden öffentlich-rechtlichen Rundfunksender Europas“: der ORF über sich selbst; Logo: ORF

Politische Unabhängigkeit – eine Illusion?

Zur Ermöglichung eines „Fernsehwunders“ bedarf es einer geschützten, krisenfreien Arbeitsumgebung, der Möglichkeit, sich zu probieren und auch einmal aus dem Fenster zu lehnen. Es bedarf aber auch einer finanziellen Absicherung der eigenen Existenz und der Gewissheit, selbst wenn etwas Kontroverses geschaffen wurde, dies unter den Prinzipien der Rede-, Satire- und Kunstfreiheit getan zu haben. Es braucht eine Infrastruktur, die es (nicht nur) den Serienmachern ermöglicht, ihre Leidenschaft zu leben.

Ohne in den Betrieb des ORF eingebunden zu sein und die Auswirkungen der politischen Einflussnahme auf die mittlere und untere Ebene (also bei den Autoren, den Regisseuren, den Redakteuren, etc.) erahnen zu können, reicht ein Blick auf das alleroberste Führungsgremium, um jeglichen diesbezüglichen Optimismus gleich gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Der ORF ist eine Stiftung öffentlichen Rechts und gehört damit faktisch sich selbst, nicht der Politik und auch nicht seinem Publikum. Im ORF-Gesetz ist genau festgelegt, wie das oberste Entscheidungsgremium, der Stiftungsrat mit 35 Mitgliedern, zu besetzen ist:

  • Neun Mitglieder werden von den Bundesländern entsandt.
  • Sechs Mitglieder werden von den im Nationalrat vertretenen Parteien nominiert.
  • Neun Mitglieder werden von der Regierung entsandt. Die aktuelle rot-schwarze Koalition aus SPÖ (Sozialdemokratische Partei Ö.) und ÖVP (Ö. Volkspartei) hat damit, nur weil sie die Regierung stellt, einen 26-prozentigen Einfluss im ORF.
  • Fünf Mitglieder stellt der Zentralbetriebsrat. Prinzipiell ist es begrüßenswert, dass die Belegschaft auch ein Stimmrecht im höchsten Entscheidungsgremium hat, aber wie bei allen großen Betriebsratswahlen gibt es auch hier parteinahe Fraktionen.
  • Die übrigen sechs Stiftungsräte entsendet der Publikumsrat.

Der Publikumsrat

Der Publikumsrat ist ein völlig kompetenzloses Gremium, dessen einzige relevante Aufgabe es ist, sechs seiner 36 Mitglieder in den Stiftungsrat zu entsenden. Wer sich hier Hoffnung auf ein vom Publikum demokratisch gewähltes Gremium macht, das die Interessen der Zuseher (und Steuerzahler) vertritt, der wird enttäuscht werden.

17 (!) Mitglieder werden vom Kanzler nominiert, fünf von den Parteiakademien, je eines von katholischer und evangelischer Kirche (eines davon fix im Stiftungsrat) und je eines von verschiedenen sogenannten Sozialpartnern (etwas typisch Österreichisches). Diese sind historisch entweder rot oder schwarz dominiert (zum Beispiel der Gewerkschaftsbund).

Die verbleibenden sechs Mitglieder werden tatsächlich gewählt – und zwar, kein Scherz, per Fax-Wahl. Drei der per Fax Gewählten ziehen auch in den Stiftungsrat ein. Dazu möchte ich keine weiteren Worte verlieren und verweise auf eine seriöse (und deutsche) Quelle aus dem Jahr 2005, die diese „Wahl“ gut (und noch immer gültig) zusammenfasst.

So sieht der Stiftungsrat derzeit nach Parteizugehörigkeit aus:

ORF Stiftungsrat

Quelle: Der Standard, 23.12.2012. Bei den Landtagswahlen 2013 in Kärnten (SPÖ statt FPÖ) und Salzburg (ÖVP statt SPÖ) gab es Landeshauptmann-Wechsel, effektiv wird bei der nächsten Zusammensetzung des Stiftungsrates ein Mandat von der FPÖ zur ÖVP wandern; Grafik: Hari List

Allerdings ist einer der vier Unabhängigen der Vertreter der katholischen Kirche. Ob die katholische Kirche einen Einfluss im ORF haben sollte, noch dazu als einzige aller anerkannten Glaubensgemeinschaften, sei einmal dahingestellt. Sieht so politische Unabhängigkeit aus?

 

Der Generaldirektor

Operativ geführt wird der ORF von einem Direktorium, bestehend aus einem Generaldirektor, einer Fernsehdirektorin, und je einem Direktor für Hörfunk, Technik und Kaufmännisches. Der Generaldirektor muss sich, um gewählt zu werden, Allianzen im Stiftungsrat suchen und (inhaltliche/programmatische und personelle) Versprechungen an die Fraktionen machen.

Es könnten jetzt an dieser Stelle einige Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit genannt werden, wie in unteren und mittleren Entscheidungsebenen wichtige Posten parteipolitisch und nicht nach Qualifikation besetzt wurden oder wie unbequeme Satiresendungen vielleicht nicht nur der Quote wegen eingestellt wurden, aber es ist besser wenn stellvertretend die betroffenen ORF-Journalisten selbst dazu Stellung nehmen.

 

Rotfunk/Schwarzfunk

Je nachdem, ob die ORF-Führung gerade schwarz oder rot gefärbt ist, ändert sich auch das Vokabular in der politischen Auseinandersetzung. Aktuelles Ziel aller Kritik ist der „Rotfunk“, manchmal auch „Rotgrünfunk“, der angeblich die rechten und konservativen Parteien marginalisiert und schlecht oder zu wenig vorkommen lässt, keine Ausgewogenheit in Live-Diskussionen herstellt, nur die eigenen Themen positiv forciert und für die vorgeblich bestimmende(n) Partei(en) unangenehme Themen unter Verschluss hält. Was davon Paranoia, was politische Agitation, was davon ernste demokratiepolitische Sorge ist, kann niemand sagen. Nur eines ist sicher: sobald sich die Machtverhältnisse wieder ändern, werden von den linken Parteien exakt die gleichen Sätze verwendet werden.

Über eine parteipolitische Einflussnahme auf den Inhalt von fiktionalen Programmen ist bisher wenig bekannt. Es ist, um wieder auf unsere Fallstudie zurückzukommen, auch nicht anzunehmen, dass die Fernsehdirektorin bei Braunschlag ihren Einfluss geltend gemacht hätte, um die ÖVP möglichst schlecht darzustellen. Da die Handlung in Niederösterreich (NÖ) spielt, entspricht eine ÖVP-regierte Gemeinde der (statistischen) Realität. Auf Misswirtschaft und Korruption hat die ÖVP sicher kein Exklusivrecht und der „Onkel“ aus St. Pölten entspricht auch historischen Begebenheiten. Erwin Pröll (Landeshauptmann von NÖ seit 1992)  ist der Onkel des vor 2 Jahren zurückgetretenen ÖVP-Chefs, Vizekanzlers und Finanzministers Josef Pröll und gilt gemeinhin als graue Eminenz in der Volkspartei.

Da der Generaldirektor und die Fernsehdirektorin aber eher dem roten Lager zuzurechnen sind, wurde Braunschlag vermutlich genau zur „richtigen“ Zeit und in der „richtigen“ Art und Weise erdacht und produziert. Mein Gefühl sagt mir, dass diese Serie unter einer ÖVP-nahen Fernsehdirektorin wahrscheinlich nicht das Licht der Welt erblickt hätte.

Aktuelles Thema: Gebührenrefundierung

Der ORF finanziert sich, wie bereits im letzten Teil festgehalten, zu einem Großteil aus Rundfunkgebühren. Menschen mit geringem Einkommen (zum Beispiel BezieherInnen von Sozialhilfe oder Studienbeihilfe) werden diese Gebühren allerdings erlassen. Durch diese demokratiepolitisch eigentlich sinnvolle Maßnahme entgehen dem ORF ca. 30 Millionen Euro pro Jahr. In einem Vertrag mit der Republik wurde eine Gebührenrefundierung vereinbart und dem ORF diese 30 Millionen aus allgemeinem Steuergeld ersetzt. Dieser Vertrag läuft Ende 2013 aus und weder SPÖ noch ÖVP haben Interesse signalisiert, ihn noch vor der Nationalratswahl am 29. September zu verlängern. Wer auch immer die Regierung danach bildet, es wird für das ORF-Budget 2014 knapp oder zu spät sein, insofern überhaupt ein Wille zu einer weiteren Refundierung bei den Parteien vorhanden ist – bei den Konservativen und Rechten wage ich das zu bezweifeln.

Ein aktuell häufig gebrauchtes Wort in den Medien ist „Geisel“. Dem ORF steht nämlich 2014 nicht nur der Ausfall der fix budgetierten Refundierung bevor, sondern er hat auch deutliche Mehrkosten für die Rechte der Fußball-WM und der Olympischen Spiele zu tragen. Nachdem Werbung im Programm gesetzlich limitiert ist, können die Mehrkosten nur durch Einsparungen in anderen Bereichen abgedeckt werden. Und das teuerste Programm ist selbst- oder auftragsproduzierter Content. Eine lange Liste von Sendungseinstellungen im Kulturbereich und ein Zurückfahren des Vergabevolumens an Produktionsfirmen wird die Folge sein, so der ORF und nennt explizit diverse von Streichung betroffene Sendungen: die Geiseln.

Aber lassen wir den ORF selbst zu Wort kommen.

 

Kettenreaktion: Auftritt Filmindustrie.

Sofort bricht in der Filmindustrie Panik aus: Der ORF schütte jährlich 100 Millionen für Auftragsproduktionen aus. Zusätzlich werden dadurch auch noch Zahlungen von Förderinstitutionen wie etwa dem Fernsehfonds Austria ausgelöst. Die kolportierten Einsparungen von 35 Millionen würden 1.000 Arbeitsplätze direkt und 1.000 indirekt kosten und das Staatsbudget mit 50 Millionen durch Steuerausfälle und zusätzliche Transferleistungen belasten. Getreu dem Motto „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“ war die Filmindustrie auch sehr schnell mit einer entsprechenden Studie bei der Hand.

Die Kosten pro Sendeminute nach Genres zeigt die  Tabelle1 Vergabevolumen.

Egal, ob die Annahmen der Studie zutreffen oder nicht, bei Serien zu sparen macht aus einer kostenrechnerischen Perspektive (leider) Sinn. Ein mir bekannter Produzent nannte einmal als Kosten für eine Folge einer selbst produzierten Serie (40 Minuten) ca. 550.000 Euro (Anm: bei so genannten Qualitätsserien. Laut Tabelle oben wären es 330.000 für 40 Minuten.) und im Gegensatz dazu die Kosten eines eingekauften amerikanischen Dramas 70.000 Euro pro Folge für einige wenige Ausstrahlungen. Egal, ob diese Zahlen wirklich zutreffen oder nicht, selbst bei einem absoluten Publikumserfolg, guten DVD- und Auslandsverkäufen einer österreichischen Serie, die US-Serie ist immer noch billiger oder zumindest nicht teurer.

Sollten sich die Befürchtungen der Filmindustrie bewahrheiten, wird Braunschlag für längere Zeit eine der letzten Produktionen des ORF mit solch einem Schauspielerensemble und Production Value gewesen sein.

Da der österreichische Bewegtbild-Markt so klein ist und die Privatsender kein relevantes Volumen vergeben, wird die Zäsur für die Unternehmen deutlich spürbar sein. Außerdem haben sich die Firmen in den letzten Jahren keine Exit-Strategien überlegt. Der ORF verliert laufend an Quote und wird immer häufiger in Frage gestellt, die US-amerikanischen Produkte dominieren nicht nur im Kino, sondern inzwischen auch bei den Qualitätsserien (und zwar aus rein ökonomischen Gründen), die deutschen Privatsender haben kein allzu großes Interesse an Content aus Österreich und auch im Kinosektor wird meiner Meinung nach eher für Festivals als für das Publikum produziert. Außerdem arbeiten zu viele Menschen im Bewegtbild-Markt. Die Umsätze sind zu gering, um auch nur kleine Krisen zu überstehen und jeder, der sich ­– so wie ich – in den vergangenen Jahren für eine Ausbildung/Laufbahn im Film- und Fernsehbereich entschieden hat, tat das hoffentlich im vollen Bewusstsein der ökonomischen Rahmenbedingungen und der unsicheren Zukunft.

Der Servus-Raum, unendliche Weiten

Und so endet dieser Teil genauso wie der Vorgänger: mit einem Lob und einer optimistischen Zukunftsperspektive für ServusTV.

ServusTV konzentriert sich in seinem Programm auf den Servus-Raum. Egal, ob beim Wetterbericht oder bei der Besetzung der Frühstücksfernsehen-Moderation. ServusTV sieht sein Zielpublikum nicht nur in Österreich, sondern auch in Bayern, Baden-Württemberg (beide jeweils deutlich mehr Einwohner als Österreich), Südtirol und der deutschsprachigen Schweiz. Das ist ein Markt, den viel verbindet und der in seiner Größe ein wirtschaftliches Überleben zwischen den starken öffentlich-rechtlichen Sendern ORF, SFR und ARD/ZDF und den riesigen Privatnetzwerken sichern kann.

Zusammenfassung

Lange Rede, kurzer Sinn: politische Unabhängigkeit scheint eine Wunschvorstellung zu sein, ebenso wie eine auf einfachsten ökonomischen Prinzipien beruhende Film- und Fernsehwirtschaft. Zu abhängig sind die Produktionsfirmen von einem einzigen Sender und im Kinobereich von den Fördertöpfen. Die Zeichen der Zeit stehen auf Umbruch, doch nur wenige Firmen, die meisten sind Einzelunternehmen, sind für schwierige Zeiten gerüstet.

Keine optimalen Bedingungen für ein „Fernsehwunder“, oder?

Links für Interessierte

Österreichische Tageszeitung mit ausführlichen Medienberichten und Meinungsteil. Viele Beiträge zur Refundierungsdebatte: http://derstandard.at/Etat bzw. http://derstandard.at/Meinung

ORF-Gesetz: http://goo.gl/hW6cL

Studie: http://goo.gl/mB2oJ

 

Im dritten Teil machen wir einen Streifzug durch die relevanten österreichischen Serien der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Und es gibt in diesem Kontext auch die von Herausgeber Marcus Kirzynowski schon sorgenvoll erwartete Inlandskritik zu Braunschlag.

Anmerkung des Autors: Alle Darstellungen sind stark verkürzt, mit Zahlenangaben bin ich zum Wohle einer besseren Lesbarkeit sehr sparsam umgegangen. Wem die angegebenen Quellen nicht genügend Zusatzinformationen liefern, ist herzlich eingeladen, im Kommentarbereich Fragen zu stellen – überhaupt würde ich mir eine spannende Debatte wünschen. Mir ist bewusst, dass meine Darstellung, gefärbt von meiner persönlichen Meinung und Interpretation der Lage, durchaus von vielen anders gesehen werden kann (und wird).

Hari List studiert Film-, TV- und Medienproduktion in Wien, verbringt sehr viel Zeit in den Kinos der Stadt und auf der Couch mit seinen Katzen, wo er sich tagelang Serien hingibt. Daneben betreibt er aus Langeweile noch ein Filmblog und singt oft, laut und falsch Songs aus Musicals.

8 comments

  1. Chapeau! So aufgeschlüsselt sollten wir mal unsere Sender unter die Lupe nehmen… das „Wunder“ ist also vielmehr, dass es BRAUNSCHLAG überhaupt geschafft hat das Licht der Welt zu erblicken… und damit sind wir uns doch wieder viel ähnlicher, als uns lieb ist. Packe ich meine Schreibmaschine halt wieder aus, und ziehe nicht nach Österreich.

    Bei uns ist ja jetzt NEUES AUS DER ANSTALT der Beweis, dass man Programme auch unabhängig von der (guten) Quote einstellt – Verzeihung – erneuert? Modernisiert? Der politische Einfluss sitzt bei uns halt breit in den Anstalten, und ich werde nicht müde zu betonen, dass die Piraten in NRW die ersten waren, die ihren Sitz im Rundfunkrat öffentlich ausgeschrieben haben.

  2. Die Zusammenfassung liest sich fast wie eine 1:1 Zustandsbeschreibung „unserer“ Probleme im TV- und Kinobereich.

    Dänemark hat zusammen mit Grönland und den Färöer-Inseln ca. 5,71 Mio. Einwohner; Österreich hat ca. 8,49 Mio. Zum Unterschied des aktuellen seriellen Outputs zwischen beiden Ländern muss man nichts sagen. Finanziell und ökonomisch nehmen sich beide Staaten im Grunde gar nichts, was auch fürs Fernsehen gelten könnte.

    So, where’s the f…ing problem?

    Vielleicht hier: http://www.zeit.de/2013/26/schweiz-fernsehserien-vorbild-daenemark/komplettansicht

    „Bei allen Serien der öffentlich-rechtlichen Senderfamilie DR ist das Prinzip immer dasselbe. Es muss ein Thema von großer Relevanz gegeben sein, das mit einem Unterthema von gesellschaftlicher Brisanz verbunden wird. „Doublestory“ nennen sie das hier…Es gibt auch einen Regisseur, aber der muss sich Gram (dem Drehbuchautor) unterordnen. So machen sie es im dänischen Fernsehen, ein Paradigmenwechsel.

    (…)

    Aus diesem Selbstbewusstsein heraus hat die Abteilung Fiktion beim DR ein „Dogma“ erstellt, ein paar Regeln für gutes Fernsehen. Sie sind von den Verantwortlichen unbedingt einzuhalten. Regel Nummer eins etwa lautet: „Der Autor ist die Voraussetzung für unsere Existenz.“ Deshalb hat man beim DR einen „Writer’s Room“ eingerichtet, in dem die festangestellten Drehbuchautoren permanent miteinander arbeiten. Der Autor verdient auch gut, etwa 35.000 Franken pro Folge und er ist zu 50 Prozent an den Weiterverkäufen seiner Serie beteiligt.

    Auch die Erzählweise ist Gesetz geworden. So lautet DR-Regel Nummer zwei: „Wir möchten Geschichten erzählen, die uns etwas über uns selbst erzählen. So verstehen wir unseren öffentlich-rechtlichen Auftrag, dafür bezahlen uns die Bürger.“

    Und mit DR-Regel Nummer drei könnten die Schweizer ein Problem bekommen: „Es darf keine Konsensentscheidungen geben.“ Diese Regel lässt sich in Kopenhagen schön illustrieren. Nämlich als Urs Fitze im winzigen Vorführkino der Fiktionsabteilung vom DR der Verantwortlichen die Frage stellt, wann sie denn die Serie ihren Vorgesetzten zeigen würde. Er erntet Stirnrunzeln und dann die Worte: „Gar nicht. Die können das sehen, wenn es fertig ist. Wir verbringen einen Großteil unserer Arbeit damit, die Controller vom kreativen Prozess fernzuhalten.“

    Es ist in erster Linie ein selbstverschuldetes Mentalitätsproblem, dass die deutschen und österreichischen ÖR-Sender in der geistigen Provinzalität und der kreativen Mittelmäßigkeit gefangen hält. Zu viele „Entscheider“ (mit Parteibuch) und „Kreative“ haben sich in diesem, die Zuschauer unterfordernden Unterbietungswettbewerb trotz vereinzelter (Schein-)Klagen eingerichtet und melken ganz ungestört die Steuerzahler gleich doppelt mit der GEZ und den Geldern für die Film“förderung“, ohne öffentlich Rechenschaft für ihr Scheitern ablegen zu müssen.

  3. @ jens:

    kannst du irgendeinen beleg für deine ausführungen zu „neues aus der anstalt“ angeben oder ist das reines bauchgefühl deinerseits? nach allem, was zu hören war, gehen priol und barwasser freiwillig. und warum sollte man das programm dann nicht „erneuern“?

    1. Betreiben wir kurz „reverse engineering“ – Hat das ZDF ein Interesse daran ein funktionierendes Format mit hervorragenden Quoten zu verändern? Eine Pause vor der Bundestagswahl würde sehr merkwürdig aufgenommen, so ist es halt nach det ersten danach Schluß (eine Sommerpause hat das Format jedes Jahr gemacht). Priol bleibt die einmal jährliche „Tilt“-Übertragung und ein nicht näher definiertes „neues“ Format, dessen Erfolg in den Sternen steht. Pelzig bekommt mehr Ausgaben seiner Reihe „Pelzig hält sich“, der

    2. … ups? Verzeihung. Wo war ich?

      … der ein entsprechender Biss abgeht, da der größte Teil der Sendezeit den Sprechblasen von Berufspolitikern gehört. Man darf gespannt sein, wie die beiden diese „Freiwilligkeit“ in der letzten Folge thematisieren werden. Ich erinnere daran, dass man von dem EU-Bürgerbegehren zur Wasserverordnung aus der Sendung, nicht aus den Nachrichten erfahren hat, und Barwasser explizit gesagt hat, dass die ZDF-Anwälte einem eingeblendeten Link widersprochen hatten, weshalb sie ihn in bester „Wissen macht Ah!“ Manier in Szene gesetzt hatten. Das kann hinter den Kulissen nicht Folgenlos gewesen sein. Das zu glauben wäre naiv.

      Wie steht es jetzt um dein Bauchgefühl? Wessen Interessen dient denn eine derartige „Erneuerung“? Die stelle ich mir so vor wie den Übergang vom „Scheibenwischer“ zum „Satire-Gipfel“ bei der ARD. Mal sehen ob wir auf stoersender.tv mehr dazu erfahren. Auf jeden Fall haben diese Vorgänge ein unangenehmes „Geschmäckle“ 🙂

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