The Times they are (not) changin‘: „Dallas“ ist zurück

Diesmal kein Traum: Bobby und die anderen Ewings sind zurück; Abb.: TNT

Für jeden, der in den 80ern aufgewachsen ist und den Eltern dienstagabends regelmäßig noch ein paar Minuten mehr vor dem Schlafengehen abquatschte, dürfte der Vorspann ein echter Gänsehautmoment sein: Da sind sie wieder, die Wolkenkratzer und die endlosen Weiden mit ihren Rinderherden. Und da ist natürlich wieder diese unvergessene Titelmelodie, das vielleicht prägendste Theme der TV-Geschichte. Viel hat sich geändert, seit die Ewings sich vor mehr als 20 Jahren nach fast eineinhalb Jahrzehnten von den Fernsehschirmen verabschiedet haben. Nicht nur in der realen Welt, sondern vor allem auf den Fernsehschirmen selbst: TV-Ärzte haben sich von ihrem Halbgötter-in-Weiß-Image verabschiedet, Sex und Gewalt sind (zumindest im Pay-TV) fernsehtauglich geworden und selbst Mafia-Bosse gehen inzwischen zum Therapeuten. Nur in Texas scheint die Welt stehen geblieben zu sein. Diesen Eindruck erweckt jedenfalls das Wiedersehen mit „Dallas“, das gerade vom US-Kabelsender TNT reanimiert wurde.

Zwar stehen inzwischen auch auf der altehrwürdigen Southforkranch überall Computerbildschirme herum und Bobbys neue Ehefrau recherchiert nachts mal schnell per Suchmaschine, wofür denn wohl diese Tabletten gut sind, die ihr Gatte heimlich in der Schublade verstaut hat. Auch ist Bobbys Ziehsohn Christopher ganz zeitgemäß ins Geschäft mit alternativen Energiequellen eingestiegen, weil er Öl für eine Ressource von gestern hält. Aber diese Anpassungen an die modernen Zeiten sind eher oberflächlich. Der Ethos und die Machtverhältnisse in Texas scheinen hingegen noch unverändert intakt zu sein. Wenn ein Einbrecher sich im Haus zu schaffen macht, greift auch die moderne Frau nach wie vor zum Waffenschrank, um eines von gleich einem halben Dutzend dort aufbewahrten Gewehren zur Hand zu nehmen. Der kurz darauf herbeigerufene Sheriff gibt als guten Ratschlag: „Next time, shoot him!“

Auch was Plotentwicklung angeht, scheint die Zeit bei „Dallas“ seit den 80er Jahren stillzustehen. Selbst wenn Bobby seinen kranken Bruder J.R. beschwört, er wolle nicht, dass ihre Söhne so werden wie sie selbst, intrigiert der sich anfangs kumpelhafte gebende John Ross längst gegen seinen herzensguten Cousin. Und natürlich haben weder er noch sein Vater jemals vergessen, dass Christopher ja nur ein „Findelkind“ ist und damit „nie ein Ewing“ werden wird. Willkommen in der Blut-und-Boden-Ideologie des 20. Jahrhunderts. Die modernen Kommunikatiosmittel erlauben immerhin neue Story-Twists – die allerdings genauso unrealistisch sind wie die alten: Kurz vor seiner Hochzeit erfährt Christopher, dass seine Jugendliebe ihn vor ein paar Jahren gar nicht kurz vor dem damaligen gemeinsamen Trauungstermin sitzengelassen hat. Sie bekam vielmehr eine unter seinem Namen versendete Trennungs-E-Mail, woraufhin sie tief enttäuscht nach Mexiko abgereist ist. Ohne noch mal den Beinahe-Bräutigam anzurufen oder aufzusuchen – ist klar, so sind sie, die jungen Leute von heute. Da wird eben, selbst wenn der Hochzeitstermin schon feststeht, kurz und schmerzlos per Mail Schluss gemacht.

In der Welt von „Dallas“ reicht es auch, neue Möglichkeiten zm Intrigiren gegen seine eigene Familie zu sehen, um von einem Moment auf den anderen aus einer schweren klinischen Depression zu erwachen. Jedenfalls, wenn man J.R. Ewing heißt. Am schlechtesten ist die Neuauflage erstaunlicherweise eh immer dann, wenn die alten Protagonisten in Aktion treten. Das mag daran liegen, dass Patrick Duffy auch nach 35 Jahren für seine Rolle des Bobby Ewing noch keine anderen Ausdrucksmittel gefunden hat als gütig aus verkniffenen Augen zu gucken und seine Wut mit gekräuselter Nase und hochgezogener Oberlippe herauszustoßen. Oder schlicht daran, dass diese Figuren längst von der Zeit überholt wurden. Vielleicht wäre es wirklich konsequenter gewesen, ganz auf die alten Charaktere zu verzichten, denn die jungen Darsteller der neuen Hauptfiguren wirken gar nicht so schlecht. Vielleicht ist – in der realen wie in der TV-Welt – seit den 80ern aber auch einfach zu viel passiert, als dass die Luxus-Probleme einer Familie von texanischen Ölbaronen heute noch irgendwen außerhalb von Texas dauerhaft vor den Fernseher fesseln könnten.

Die erste Staffel läuft ab heute Abend (29. Januar) dienstags um 22 Uhr 15 auf RTL.

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