Sagenhafte Südschweiz: „Der Teufel von Mailand“ im ZDF

Die Martin-Suter-Verfilmung entführt die ZDF-Zuschauer heute Abend (22. Dezember) in eine bedrückende Bergwelt, in der sich Realität und Mystik zu vermischen scheinen.

Von Marcus Kirzynowski

Wird die Legende zur Wahrheit? Sonia (Regula Grauwiller) weiht Bob (Maximilian Simonischek) in ihre Befürchtungen ein; Fotos: ZDF

Dräuende Hänge, dunkle Wälder, peitschende Schneeschauer – das abgelegene Dorf in den südostschweizer Alpen wirkt auf Fremde nicht unbedingt einladend. Diese Erfahrung muss auch Sonia (Regula Grauwiller) machen, als sie ihre neue Arbeitsstelle im italienischsprachigen Graubünden antritt. Vor allem aber reagieren die Einheimischen sehr abweisend, sobald sie erwähnt, dass sie in dem Luxushotel „Kastell“ arbeitet, das neulich von einer reichen Deutschen gekauft wurde. In ihr sehen die abergläubischen Einwohner eine Verkörperung des Teufels von Mailand aus der gleichnamigen Sage, die man sich in der Gegend seit Jahrhunderten erzählt. Sie handelt von einem jungen Mädchen, das ihm für Reichtum seine Seele verkauft. Erst als eine Reihe merkwürdiger Prophezeiungen wahr wird, wird der Pakt endgültig und für alle Zeiten gültig. Schon bald nach Sonias Ankunft in dem burgartigen Hotel wird sie Zeugin seltsamer Vorgänge, die sich durchaus so deuten lassen, als würden die Prophezeiungen aus der alten Sage nun tatsächlich eintreten.

Es kann aber auch sein, dass lediglich Sonias Nerven ihr einen Streich spielen. Sie hat sich nämlich aus Zürich in die Graubündener Berge geflüchtet, nachdem ihr Ehemann versucht hat, sie zu töten. Während er in der geschlossenen Psychiatrie sitzt, versucht seine reiche Mutter, Sonia mit Geld dazu zu bringen, ihre Aussage zurückzuziehen. Und auch ihre beste Freundin scheint bereits gekauft zu sein. Wem kann sie noch trauen? Während Sonias neue Chefin Barbara Peters (Ina Weisse) ebenso mondän wie unterkühlt wirkt, findet sie unter den Arbeitskollegen schon bald Vertraute. Da ist ihr Masseurkollege Manuel (Aaron Hitz) und vor allem der Barpianist Bob (Maximilian Simonischek), zu dem sie sich schnell hingezogen fühlt. Aber ist es wirklich ein Zufall, dass der Züricher Musiker ebenfalls hier gelandet ist oder steckt nicht vielleicht doch Sonias rachsüchtiger Ehemann dahinter?

Immer klaffen die Abhänge

Mit „Der Teufel von Mailand“ hat das ZDF in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Fernsehen zum zweiten Mal einen Roman des Erfolgsautors Martin Suter verfilmt. Produzent Peter Nadermann ist ohnehin ein Freund europäischer Koproduktionen, die ein höheres Budget erlauben als ein Fernsehfilm, den ein deutscher Sender alleine stemmen müsste. Dabei bringt die Schweiz mit Regula Grauwiller durchaus eine überzeugende Hauptdarstellerin in den Film ein. Ihre Sonia ringt mit ihrer teilweise irrational wirkenden Angst vor dem wahnsinnigen Ex-Partner um ihre Emanzipation. Grauwiller verleiht der Figur sowohl Verletzlichkeit als auch Stärke. Etwas schwächer sind ihre männlichen Mitspieler Hitz und Simonischek, die eher blass bleiben, auch wenn letzterer auf der Cologne Conference im Oktober die Mehrdeutigkeit seiner Figur betonte. „Am Anfang ist sie fast zu positiv gezeichnet, deshalb ist die Irritation gegen Ende des Films notwendig“, erklärte er auf dem Kölner Festival. Ina Weisse soll als kühl-herablassende Hotelchefin wohl undurchsichtig wirken, nervt damit aber mit der Zeit.

Reale Gefahr? Der irre Ex-Ehemann (David Rott)

Überzeugen kann weitgehend die bedrückend-unheimliche Atmosphäre des Dorfes. Kameramann Pascal Rémond fängt die Schweizer Bergwelt mit teilweise beeindruckenden Kamerafahrten ein. Was sich dennoch nicht ganz erschließt, ist das Gefühl der Bedrohung, dem sich die Hauptfigur permanent ausgesetzt sieht. Das liegt aber eher am Buch, denn besonders bedrohlich wirken die wahr gewordenen „Prophezeiungen“ wirklich nicht: ein Baum, der seine Blätter verliert, Leuchtstäbe im Swimming Pool und ein von Kindern verkleideter Hund. So versucht der Film dann des Öfteren mit dräuender Hintergrundmusik eine Spannung aufzubauen, die die Handlung einfach nicht hergibt. Das wirkt auf Dauer aber eher ermüdend. Überhaupt gelingt es Suter und Drehbuchautor Thomas Berger nicht wirklich, die altertümliche Volkssage vom Teufel und seinem armen Opfer glaubhaft in die Gegenwart zu transportieren. Mag ja sein, dass ein paar strenggläubige Hinterwäldler die Wiederkehr des Höllenfürsten durchaus für wahrscheinlich halten, aber auf den aufgeklärten Zuschauer wirkt die ganze Prämisse eher wie starker Tobak.

Mit gelegentlichen dramatischen Actionszenen, die fast immer mit klaffenden Abhängen zu tun haben, und stimmungsvollen Bildern weiß Regisseur Markus Welter durchaus zu unterhalten. Vor allem das etwas unentschlossen zwischen Psychodrama und Gruselthriller pendelnde Drehbuch verhindert jedoch, dass der Film mehr als guter Durchschnitt ist. Mit einer etwas gewagteren Inszenierung hätte sich sicher aus dem Romanstoff und dem ungewöhnlichen Schauplatz noch mehr herausholen lassen. 

Der Film läuft am 22. Dezember um 21 Uhr 45 im ZDF.

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