Die Liebe der Kriegsreporter: „Hemingway & Gellhorn“ bei Sky Atlantic HD

HBO inszenierte das gemeinsame Leben des Ehepaars „Hemingway & Gellhorn“ als epischen Fernsehfilm, die Hauptdarsteller Nicole Kidman und Clive Owen wurden dafür gerade für die Golden Globes nominiert. Heute Abend (21. Dezember) erlebt der Film von Philip Kaufman seine deutsche TV-Premiere bei Sky Atlantic HD.

Von Marcus Kirzynowski

Zwei Schriftsteller im Kino: Ernest Hemingway (Clive Owen) und Martha Gellhorn (Nicole Kidman); Foto: HBO

Ernest Hemingway schreibt im Stehen und misslungene Manuskriptseiten zerknüllt er nicht etwa, sondern lässt sie direkt aus der Schreibmaschine sanft in den Papierkorb gleiten. Ein Schriftsteller, der seine Texte zerknüllt, wird sich darüber früher oder später selbst zerstören, so seine Erklärung. Dass es mit ihm auch so kein gutes Ende nahm, wissen wir natürlich. Weniger bekannt ist die Geschichte seiner Liebesbeziehung und späteren Ehe zu einer Frau, die seine Leidenschaft für das Schreiben teilte: die Kriegsberichterstatterin Martha Gellhorn. HBO hat sich mit seinem im Juni erstausgestrahlten Fernsehfilm „Hemingway & Gellhorn“ das ambitionierte Ziel gesteckt, diese große Liebesgeschichte zu erzählen.

Stilecht lernen die Beiden sich in einer Bar kennen, bei einer kurz darauf in Hemingways Haus organisierten Vorführung eines Dokumentarfilms über den Spanischen Bürgerkrieg erwacht in ihnen der Entschluss, selbst als literarische Beobachter in das umkämpfte Land zu reisen. Während Hemingway seine Texte, unterstützt von viel Alkohol, nur so raushaut, leidet die unerfahrene Reporterin zunächst unter Schreibblockade – bis sie sich darauf besinnt, das alltägliche Leben der einfachen Menschen in Madrid, dem Francos Truppen immer näher rücken, nachzuerzählen. Und natürlich kommen sich die beiden Amerikaner im Angesicht der Gefahr auch persönlich näher. Wobei die Sexszene im gerade unter Bombenbeschuss stehenden Hotel schon reichlich nach Exploitationfilm aussieht.

Generell spart der inzwischen 75-jährige Philip Kaufman, der nach acht Jahren mal wieder einen Film inszeniert hat, nicht an Effekten: ob Ausstattung, Massenszenen oder emotionale Zuspitzungen – alles schreit nach ganz großer Dramatik. Leider stimmt die Chemie zwischen seinen beiden Hauptdarstellern kein bisschen, weswegen die große Liebesgeschichte weitgehend nur behauptet, aber nicht vermittelt wird. Sie krankt vor allem daran, dass Nicole Kidman weder eine allzu gute Schauspielerin ist noch besonders viel Sexappeal verströmt, wobei letzteres natürlich immer subjektiv ist. So wirken auch die Sexszenen mit Clive Owen, an denen HBO imagegerecht nicht spart, immer eher bemüht als prickelnd. Owen seinerseits spielt den Hemingway so, wie man sich den selbst schon längst zur literarischen Figur gewordenen Schriftsteller ohnehin vorstellt: exzentrisch, oft egomanisch, genial, aber auch voller Zweifel an sich und der Welt. Neue Facetten oder tiefere Einblicke in die Psyche der lebenden Legende vermag er nicht zu offenbaren. Die gibt aber auch das Drehbuch nicht her.

Wie so oft bei Biopics handeln auch Jerry Stahl und Barbara Turner verschiedene Stationen im Leben des Paares hintereinander ab. An Tiefe gewinnt davon allerdings nur die den breitesten Raum einnehmende frühe, prägende Zeit in Spanien, in der die junge Reporterin (und in gewisser Weise auch der abgeklärtere Hemingway) ihre idealistische Unschuld verlieren. Die weiteren kriegerischen Konflikte in aller Welt, bei denen einer oder beide Partner hautnah dabei sind, verkommen hingegen zur Nummernrevue: der Finnland-Russland-Krieg, Japans Angriff auf China und selbst die Invasion der Alliierten in der Normandie. Sie bilden nur noch die Folie für die Beziehungskonflikte der Titelfiguren. Vollends makaber wird es, wenn gegen Schluss auch noch Originalaufnahmen von den Dachauer Massengräbern in den (reinen Unterhaltungs-)Film geschnitten werden.

Historisches Filmmaterial setzt Kaufman auch vorher immer wieder ein. Ähnlich wie bereits 1988 in seinem wohl bekanntesten Film „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ verschmelzen dabei authentische und fiktive Schwarz-Weiß-Bilder. Dank Digitaltechnik ist es zwar kein Problem mehr, die Schauspieler Teil historischer Szenarien werden zu lassen, überzeugend wirkt das trotzdem nicht immer.

Wirklich langweilig wird der bis in die Nebenrollen mit großen Namen (unter anderen Robert Duvall, Peter Coyote und „Monk“-Darsteller Tony Shalhoub) besetzte Film zwar nie, dazu wird dem Auge dann doch genug geboten. Am Ende bleibt aber außer einigen markanten One-Linern Hemingways und der schon oft gehörten Erkenntnis, dass es schwer ist, nach dem Krieg wieder ins normale Leben zurückzufinden, wenig Substanzielles übrig. Was dieses bedeutende Paar der Literaturgeschichte wirklich im Innersten angetrieben hat, bleibt auch nach zweieinhalb Stunden voller Konflikte, Explosionen und Ausstattungsorgien ein Rätsel.

Der Film läuft am 21. Dezember um 21 Uhr bei Sky Atlantic HD und wird in den folgenden Tagen mehrmals wiederholt.

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