„Homeland“ S02E11: „In memoriam“

Loyalität ist bei der CIA ein Fremdwort: Estes (David Harewood) spielt ein böses Spiel mit Saul (Mandy Patinkin); Foto: Showtime

Die Folge, die nicht „The Motherfucker with the Turban“ heißt, auch wenn uns das die imdb glauben machen will.

Inhalt: Carrie kehrt nach ihrer Freilassung zurück in die labyrinthische Fabrikanlage, um Abu Nazir aufzuspüren. Brody darf mit seiner Familie in ihr Haus zurück kehren, entscheidet sich aber, seine eigenen Wege zu gehen. Unterdessen lässt David Estes Saul einem Lügendetektortest unterziehen und erpresst ihn anschließend mit dessen Ergebnissen.

Kritik: Eine Folge, die, was die Storyentwicklung angeht, leider die Befürchtungen der vergangenen Wochen bestätigt. Hinsichtlich der Plausibilität der Handlungen ist die Serie seit dem Umdrehen Brodys zum CIA-Spitzel nicht mehr wesentlich glaubwürdiger als andere Agentenserien, wobei der Vergleich mit „24“ wegen der gleichen Produzenten natürlich am nächsten liegt. So begibt sich Carrie diese Woche gleich zwei Mal anscheinend unbewaffnet in den dunklen Fabrikgängen auf die Jagd nach dem Topterroristen, einmal gänzlich alleine, beim zweiten Mal lediglich von einem Suchspezialisten begleitet. Ihr verwirrter Übereifer wirkt inzwischen zudem leicht nervend. Auch stellt niemand an verantwortlicher Stelle Brody irgendwelche unangenehmen Fragen, warum ausgerechnet er als ehemaliger Terrorist beim Herztod des Vizepräsidenten allein mit ihm in dessen Büro war.

Auch wenn die überzeugenden Szenen inzwischen rarer gesät sind als noch in der ersten Staffelhälfte, sind sie durchaus noch zu finden: Interessant ist etwa die Nebenhandlung um Saul, der von seinem Chef kaltgestellt werden soll, nur weil er etwas mitbekommen hat, das er nicht mitbekommen sollte. Loyalität zu langjährigen engen Mitarbeitern scheint bei der CIA nicht viel zu gelten. Eine überaus intensive Szene ist außerdem die (Beinahe-)Aussprache zwischen Brody und seiner Ehefrau Jessica gegen Ende der Folge. Beiden scheint nun endgültig klar geworden zu sein, dass ihre Beziehung keine Zukunft mehr hat. Eine Einsicht, die viele Kriegsheimkehrer und ihre Familien früher oder später erlangen dürften, auch wenn die Soldaten nicht in Gefangenschaft geraten sind. Was es hingegen nicht gebraucht hätte, ist, dass Tochter Dana zuvor genau das ausgesprochen hat, was sich jeder aufmerksame Zuschauer schon seit Wochen selbst gedacht hat: dass Mike ein besserer Vater für sie wäre, als Brody jemals sein konnte. Subtilität geht anders.

Nachdem der Terroristenführer tot ist, stellt sich die Frage, was die Autoren nun noch mit Brody vorhaben. Der auf ihn angesetzte Killer lauert bereits und nächste Woche ist Staffelfinale. Schon deutet Damian Lewis an, dass er dieses nicht überleben könnte. Das würde der Serie sicherlich gut tun, da seine Geschichte endgültig auserzählt scheint. Aber machen es uns die Autoren wirklich so einfach?

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