„Homeland“ S02E10: „Broken Hearts“

Ihren Entführern entkommen: Carrie sucht Hilfe auf der Landstraße; Foto: Showtime

Inhalt: Während die CIA-Agenten noch die Verhinderung des Terroranschlags feiern, wird Carrie in einen inszenierten Verkehrsunfall verwickelt und entführt. Kurz darauf meldet sich Abu Nazir per Skype bei Brody und zeigt ihm, dass sie in seiner Gewalt ist. Um ihr Leben zu retten, soll Brody sich in Vizepräsident Waldens Büro schleichen und die Seriennummer von dessen Herzschrittmacher an Nazir übermitteln. Dieser lässt sich dann nämlich per Funk fernsteuern…

Kritik: Wirkte die erste Staffel inhaltlich noch durchgehend glaubwürdig, lassen die „Homeland“-Showrunner Alex Gansa und Howard Gordon in den jüngsten Folgen doch immer deutlicher ihre Vergangenheit als „24“-Autoren erkennen. Richtig glaubhaft war schon der Wandel Brodys vom Staatsfeind Nr. 1 zum CIA-Spitzel innerhalb einer Folge nicht. Völlig unrealistisch ist aber, dass die CIA ihn danach meist ohne jegliche Überwachung seinen Tagesgeschäften nachgehen lässt. So kann er quasi unter den Augen der CIA-Mitarbeiter in der geschützten Wohnung mit dem Kopf der Terrorzelle telefonieren und unbehelligt ins Büro des Vizepräsidenten spazieren (das auch von niemandem bewacht wird, anscheinend gilt der Grundsatz: Wer einmal im Gebäude ist, ist so vertrauenswürdig, dass er sich frei bewegen kann, auch ins Schlafzimmer des VP).

In dem Büro ist es dann auch kein Problem, die Verpackung des Herzschrittmachers samt Bedienungsanleitung zu finden, als hätte man so etwas immer am Arbeitsplatz herumliegen. Und natürlich kontrolliert niemand den Handyverkehr aus dem Amtssitz des zweitwichtigsten Manns der USA. Es wird interessant, zu sehen, ob die CIA Brody auch nun wieder decken wird, kennt Carrie ja als einzige die Hintergründe der „Fehlfunktion“ des Schrittmachers.

Auch an anderen Stellen wirkt diese Folge etwas platt: So erreicht der Dialog zwischen Abu Nazir und seinem Entführungsopfer Carrie nicht die wohl angestrebte Vielschichtigkeit, da Nazirs Motive für seine terroristischen Aktionen einfach zu klischeehaft sind, um ihn als moralisch ambivalente Figur erscheinen zu lassen. Die Amerikaner sind die bösen Gottlosen, die islamistischen Terroristen hingegen die guten Frommen, deren entbehrungsreiche Gottesliebe sie früher oder später unausweichlich zum Sieg führen wird, so seine Argumentation in der Kurzfassung. Das hat man auch schon mal origineller gehört.

Natürlich bietet „Homeland“ nach wie vor genügend Schauwerte und Spannungsbögen, um gut zu unterhalten. Wenn die Serie aber darüber hinaus auch weiterhin als hintergründiger, kritischer Gesellschaftskommentar gesehen werden will, müssen die Autoren wirklich aufpassen, die Story wieder in glaubwürdigere Bahnen zu lenken. Momentan laufen sie Gefahr, einfach immer noch eine neue überraschende Entwicklung auf die letzte zu stapeln, ganz im Stil von „24“. Als größtes erzählerisches Hindernis erweist sich dabei Brody, dessen Figur sich einfach nicht dazu eignet, langfristig glaubwürdig zu bleiben. So gut Damian Lewis in der Rolle auch ist, kann die einzige Konsequenz daher eigentlich nur lauten, ihn am Ende der Staffel mit einem Knall aus der Serie zu schreiben, statt ihn langsam, aber sicher zu einer Karikatur seiner Selbst verkommen zu lassen.

One comment

  1. Ich stimme dir in deiner Kritik voll zu, ich schaue die Serie gerade eigentlich nur noch, weil ich wissen will wie es ausgeht. In der ersten Staffel hat einen die Spannung nach dem tatsächlichen Plan der Terroristen auch über die eher schwachen Folgen geholfen. Hier weiß ich schon gar nicht mehr worum es geht.

    Sinnvoll wäre sicher ein Neustart der Serie ohne Carrie und Brody. Denn was du über Brody schreibst, trifft auch auf Carrie zu. Eine glaubwürdige Steigerung zum Kollaps in Staffel 1 gibt es einfach nicht mehr genauso wenig wie zu Brodys Sprengstoffweste.

    Schön wären danach zwei neue Protagonisten, die vielleicht in den ersten beiden Folgen noch Informationen von Carrie und Brody erhalten und dann einem eigenen Fall folgen. Die Nebenfiguren wie Sol könnte man dabei auch weiter nutzen.

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