HBOs „Bored to Death“ geht in die dritte Staffel

Flying high again: Der Hauptcast; Abb.: HBO

Diese Woche startete in den USA die dritte Staffel von HBOs „Bored to Death“, der wohl am meisten unterschätzten unter den aktuellen Pay-TV-Serien. Völlig unverständlich, dass diese Show nicht halb so viel Aufmerksamkeit bekommt wie andere aktuelle HBO-Serien von „Game of Thrones“ bis „Boardwalk Empire“. Es handelt sich nämlich um die wahrscheinlich beste Comedyserie, die zurzeit in den Staaten läuft. In Quoten und DVD-Verkäufen scheint sich das leider nicht wiederzuspiegeln. Wenigstens glaubt der Sender selbst an die Show, allerdings auch nicht so richtig stark, denn jede Staffel umfasst immer nur acht knapp 25-minütige Folgen. Von einer deutschen Veröffentlichung kann man wohl nur träumen.

Dabei zeigt gleich die erste Folge der neuen Season, warum man diese Serie einfach lieben muss. In der Eröffnungssequenz stellt Hauptfigur Jonathan Ames seinen neuen Roman „The Blonde in the Woods“ (genauso heißt dann auch die Folge) in einer Buchhandlung vor, allerdings auf recht extravagante Weise: indem er sich auf eine drehende Scheibe schnallen und von einem Messerwerfer bewerfen lässt. Die Aktion sei eine Metapher für den schwierigen Entstehungsprozess seines neuen Werks, erklärt er anschließend dem Publikum. „Oh, it was metaphoric, I thought it was selfdestructive“, kommentiert George.

Auch sonst gibt es allerhand Neues im Leben der Protagonisten: Jonathan bezieht ein Apartment in einem Wolkenkratzer, direkt über einer gigantischen Uhr (jetzt endlich mit beschrifteter Glastür: „private detective and writer“), Ray darf Zeit mit seinem durch Samenspende gezeugten Sohn verbringen und George hat nach seiner Kündigung beim „Edition“-Magazin ein Restaurant eröffnet – schön retro, inklusive Handy-Verbot. Stattdessen werden bei dringenden Anrufen Telefone an den Tisch gebracht.Ein Wiedersehen mit seiner Tochter nach vielen Jahren bringt einige unangenehme Überraschungen, darunter ihren neuen Freund (David „Sledge Hammer“ Rasche, neulich schon in „Rubicon“ zu sehen), der in Georges Alter ist.

Jonathans neuer Auftrag lautet, eine Frau mit einem auffälligen gelben Hut zu beschatten („Ist es ein auffälliges Gelb oder ein auffälliger Hut?“ – „Das weiß ich nicht genau.“). Leider wird er dabei ausgetrickst und findet sich mit runtergelassenen Hosen, einer Pistole in der Hand und einer Leiche auf dem Bett in einem Hotelzimmer wieder. Die Flucht vor der Polizei endet mit einem unfassbaren und toll gefilmten Cliffhanger.

„Bored to Death“ ist nach wie vor die am besten aussehende Comedyshow im amerikanischen Fernsehen, mit stilvollen Drehorten und Ausstattung, großen Schauspielern und dem richtigen Gespür für treffsichere Dialoge und Situationskomik. Hoffentlich merken das noch ein paar Leute rechtzeitig, bevor HBO der lange Atem ausgeht.

Bester „Brooklyn ist wie Prenzlauer Berg“-Moment: Der als Dad unerfahrene Ray versucht, mit einem Kinderwagen ein Café zu betreten.

Nerdigster Moment: Ray empfängt seinen Sohn im Superheldenkostüm.

Wertung: 5 von 6

2 comments

  1. wenn du das witzig findest, solltest du mal über arrested development schreiben. zwar nicht aktuell, aber die mit abstand lustigste serie, die jemals produziert wurde. leider ebenfalls kein kassenschlager.

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